Edmund Burke: Reflections on the Revolution in France

Edmund Burkes Gedanken über die Französische Revolution gelten als Grundsatzpapier des Konservatismus, Burke als der geistige Vater der Restauration. Sein als offener Brief an einen Franzosen gestaltetes Pamphlet war der Auslöser für Thomas Paines Rights of Man ebenso wie für Mary Wollstonecrafts A Vindication of the Rights of Woman, die beide der Französischen Revolution bedeutend freundlicher gegenüber standen.

Burkes Pamphlet weist alle Eigenschaften eines politischen Papiers auf: Eine äusserst scharfsichtige und manchmal sogar prophetische Analyse der Schwächen der frühen Revolution. Er sah genau, dass die Rolle, die die frühe Assemblée dem König zuteilte, nur zu Konflikten führen konnte. Er sah voraus, dass die ausgestellten Assignate zum Spekulationsobjekt verkommen würden und zu einer Hyperinflation führen würden. Er sah voraus, dass sich binnem kurzen ein General der vernachlässigten Armee annehmen und sich an ihrer Spitze zum Herrscher Frankreichs aufschwingen würde. (Erleben sollte er Napoleon nicht mehr – er starb zwei Jahre vor dessen Machtergreifung.)

Die Schwächen seiner Gegner sah er genau. Die Schwächen der eigenen Partei natürlich nicht. Marie Antoinette war für ihn quasi die Mutter der Nation, über die er sich schon beinahe wie ein Liebhaber und nicht wie ein Politiker äusserte. Die Missbräuche des Absolutismus existierten für ihn nicht. Er verwahrte sich dagegen, dass die französischen Verhältnisse des Ancien Régime auf die britischen übertragen würden, übertrug aber implizit die englischen (wo der König schon rund 100 Jahre früher in seiner Macht beschnitten worden war) auf die französischen.

Alles in allem ein interessanter Text. Gern hätte ich einen Blick in Mary Wollstonecrafts Handexemplar geworfen, die paar Stellen, die in meinen Anmerkungen daraus zitiert wurden, waren jedenfalls sehr interessant.

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