Ostern, die:

Ostern ist, so hat uns seinerzeit unser Pfarrer erklärt, das Fest der Tatsache, dass Jesus Christus an diesem Tag vor einigen Tausend Jahren von den Toten auferstanden sei. Als Kind nimmt man so etwas hin. Als Erwachsener stellt man sich Fragen.

Mit diesen Fragen bzw. ein paar Antworten darauf will sich Nina Streek (keine Ahnung im übrigen, wer das ist) auseinandersetzen in ihrem Artikel “Zweifeln an der Auferstehung” in der NZZ on-line. Nachdem sie historisch-philologisch festgehalten hat, dass der Osterglaube verkündet wurde, bevor vom leeren Grab die Rede war, versucht sie, das religiöse Weltbild zu retten, indem sie die von ihr offenbar rhetorisch gemeinte Frage stellt: “Warum sollten wir Historiker und Naturwissenschafter fragen, wenn wir etwas über die Auferstehung erfahren möchten? Geben nur sie uns Auskunft darüber, wie wir uns und unsere Welt verstehen können?” Natürlich nicht, will sie uns einflüstern. Was aber, wenn ihr einer wie ich antwortet: Aber ja, natürlich! Ihre Antwort: “Wer mit der Methode eines Historikers an ein Phänomen herangeht, bekommt eine historische Antwort. Ebenso ergeht es dem Naturwissenschafter. Versucht er, die Auferstehung Jesu in ein modernes Weltbild einzuordnen, fällt seine Antwort naturwissenschaftlich aus. Was aber, wenn diese Wissenschaften für das Problem gar nicht zuständig wären?” Bitte schön, natürlich sind diese Wissenschaften für das Problem zuständig. Wenn keine Sachwissenschaft zuständig sein soll, wer dann? Theologen, die davon leben, dass wir an solche Dinge glauben? Wohl kaum.

Fr. Streek aber wird antworten:“Wollen wir wissen, warum ein Roman spannend ist, werden wir niemanden beauftragen, die Menge der verbrauchten Tinte und ihre Anordnung auf den Buchseiten zu analysieren. Wer sich für die Schönheit eines Bildes interessiert, fragt nicht, ob Naturgesetze durchbrochen werden.” Es tut mir leid , Fr. Streek, aber nun vergleichen Sie Äpfel mit Birnen und Zwetschgen mit Orangen und überhaupt haben wir nun ein schlecht abgeschmecktes Früchtekompott vor uns. Wenn das Ihr Bild von wissenschaftlicher Herangehensweise an ein Problem ist, dann haben Sie ein Problem – mit der Wissenschaftlichkeit als solcher. Wenn das Ironie sein sollte, möchte ich Ihnen raten, Versuche zur Ironie in Zukunft sein zu lassen.

Zum Schluss ihres Artikels holt Fr. Streek dann zum (wie sie wohl denkt: entscheidenden) Rundumschlag gegen Nicht-Gläubige und Skeptiker aus: “Diese Vorentscheidung [gemeint: dass man nur der wissenschaftlichen Herangehensweise traut] kann man treffen – und sich damit selbst Grenzen setzen, dem christlichen Glauben an die Auferstehung auf die Spur zu kommen. Für den Christen fängt das interessante Fragen erst an, sobald er zulässt, dass von Gott geredet wird.” Die Grenzen (die hier – natürlich! – sehr unwissenschaftlich und ohne Beweis  beim Gegenüber gesucht werden; wie sagte schon der alte Evangelist so schön: “Warum schaust du also auf den Splitter im Auge deines Bruders, beachtest aber nicht den Balken in deinem eigenen Auge?”), diese Grenzen also, verehrte Fr. Streek, sind hier doch wohl umgekehrt gesetzt. Jedenfalls werde ich daran festhalten, bis Sie mir – wissenschaftlich hieb- und stichfest! – eine Auferstehung Jesu bewiesen haben. Inklusive dessen Existenz und dessen Identität mit Gott. (Den vorgängig mir – wissenschaftlich hieb- und stichfest! – zu beweisen, ich ebenfalls bitte.)

Dieser Beitrag wurde unter Das Flaubert'sche Wörterbuch, Periodika, Politik und Gesellschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Ostern, die:

  1. sandhofer sagt:

    *seufz* Ich weiss. Wir erweisen solchen Argumenten / Leuten immer zu viel Ehre …

  2. mombour sagt:

    Besondere Probleme bereitet mir die physische Vorstellung der Auferstehung, die u.a. wohl ihren Ursprung in der altägyptischen Religion hat, deswegen ja die Mumifizierung überhaupt eingeleitet wurde. Aber selbst die Ägypter wussten, das ein Leib verwest, der Mumifizierungsprozess sollte diesen Verfall eben aufhalten, damit der tote Pharao physisch im Jenseits weitelebt. Mich zwackt die physische Aufstehung besonders, weil ein normal gebildeter Christ auch wissen müsste, das Leichen verwesen. Eine Regeneration eines verwesten Körpers zum Leben ist wissenschaftlich unhaltbar und absurd. Etwas intelligenter steht es bei Paulus, der ja nur davon spricht, dass ein geistlicher Körper wiederaufersteht, was wohl dem einer sog. Seele gleichkommt, der physische Körper aber zu Staub wird. Auch im AT kann man die Paulusversion finden. Paulus war neurobiologisch aber nicht geschult. Das was wir heute als Seele bezeichnen, oder vielmehr als Psyche, das ist auch ein Produkt des neuronalen Netzes im Gehirn, dieses neuronale System nur im Zusammenspiel mit Körper und Umwelt funktioniert (Damásio), und wenn ein Mensch stirbt, sterben seine Neuronen auch. Im Grunde genommen bringen solche Glaubensanhaftungen vom Übeleben nach dem Tode nicht unbedingt was, denn wir leben auf dieser Erde und was im Tod ist, werden wir dann sehen oder
    unser “Ich” ist gar nicht mehr, was warscheinlich ist (aber darüber sollen die Götter streiten, nicht ich). Aber Versuche mit einer einer Wissenschaftlichkeit etwas beweisen zu wollen, wird immer ins Leere führen. Es gibt auch außerhalb des Christentums Gedankengebäude zu ähnlicher Thematik. An sich bräuchten wir uns über diese Thematik nicht kümmern, sondern einfach nur unser Leben leben.

  3. Ich glaube, dass du der Dame zu viel an Ehre erweist. Offensichtlich handelt es sich um die typischen Immunisierungsstrategien: Zuerst mal glauben und den metaphysischen Rucksack schultern, dann dessen Inhalt über das in Frage stehende Problem kippen. Das kann nur eine veritable Umweltverschmutzung nach sich ziehen.

    Als Kind geglaubt: Vielleicht war ich diesbezüglich wirklich eine Ausnahme, aber für mich war (trotz erzkatholischer Erziehung) die Auferstehung nicht glaubhafter als Siegfrieds Drachenabenteuer, der große Kartoffelkönig oder irgendwelche Riesen und Zwerge. Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit hat sich nie gestellt (im übrigen scheint mein Kleiner ähnlich zu sein: Ohne ihn bewusst zu desillusionieren scheint er eine selbstverständliche Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion zu treffen: So haben wir gestern im Garten Ostereier und Schokoladehasen gesucht (und gefunden), wobei er zuförderst keine Nachfragen stellte. Dann wurde irgendwann der Osterhase (als vermeintlicher Überbringer der Leckereien) erwähnt, worauf er meinte, dass er ihn gesehen habe: Sogar in dreifacher Ausfertigung. Einen ganz kleinen, zwei größere. Sie wären aus jenem Land gekommen, von dem er auch sonst oft zu erzählen pflegt: Ein Land namens Linnien, von ihm erfunden, in dem ausschließlich Kinder leben und allerlei Abenteuer erleben.)

    Im übrigen hat gerade die Auferstehung den Christen (bzw. Paulus) den Ruf des Atheismus eingebracht: Weil es unvereinbar mit der Natur Gottes sei, dass dieser gefoltert werde und sterben könne, wobei die Auferstehung von den Toten ein derart offenkundig allen Erfahrungen widersprechendes Faktum darstellte, dass Paulus aufgrund dessen vollkommen unglaubwürdig gewirkt habe. So haben die Epikureer die Christen der Profanierung der Götter geziehen, weil sie ein derart dümmlich-weltliches Treiben, wie es Jesus an den Tag legte, für völlig unvereinbar für einen Gott betrachtet haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.