H. P. Lovecraft: The Dream-Quest of Unknown Kadath

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) gilt als Meisterschüler eines Edgar Allan Poe, eines Lord Dunsany, eines Arthur Machen. Der subtile, übernatürliche Horror ist seine Spezialität. Als seine Schüler wiederum gelten Jorge Luis Borges, aber auch Henry James‘ „The Turning of the Screw“ verrät ein Studium Lovecraft’scher Erzeugnisse. Last but not least lernte auch der deutsche Liebhaber von Trivialliteratur, Arno Schmidt, bei ihm.

Dabei sah sich Lovecraft Zeit seines Lebens als Amateur; er konnte seinen Stammbaum mütterlicherseits bis ins Jahr 1630 zurückverfolgen, was ihn einerseits zu vielen seiner Geschichten inspirierte, andererseits aber aus einer Art Adelsstolz daran hinderte, seine schriftstellerische Tätigkeit als Broterwerb auszuüben. Konsequenterweise starb er denn auch völlig verarmt. Lovecraft veröffentlichte vieles im Pulp-Magazin „Weird Tales“, war – so weit sich das von zwei Einzelgängern sagen lässt – mit Robert E. Howard, dem Erfinder von Conan, zumindest brieflich befreundet. (Beide teilten u.a. die Einstellung, dass sie es sogar begrüssten, wenn andere Autoren – auch Dritte – Geschichten in „ihrem“ Universum ansiedelten. So kommt es, dass das in Lovecrafts Cthulhu-Mythos immer wieder angesprochene „Necronomicon“ des verrückten Arabers Abdul Alhazred, von Lovecraft nur in winzigen Auszügen zitiert wird und erst später, von andern, „geschrieben“ worden ist. Und so kam es, dass meine erste Geschichte um Conan, den Cimmerer, von Lyon Sprague de Camp verfasst gewesen sein muss.)

Die vorliegende Geschichte, eine der längeren, die Lovecraft je geschrieben hat, gehört definitiv in den Umkreis der von Lord Dunsany inspirierten. „Dreimal träumte Randolph Carter von der Wunderbaren Stadt und dreimal wurde er weggeschleppt, während er auf den hohen die Stadt überragenden Terrassen ausruhte.“ (Eigene Übersetzung.) Randolph Carter, der Meisterträumer, der Erzträumer, versucht nun über fast 100 Seiten in diese Wunderbare Stadt, Kadath mit Namen, zu gelangen. Und so beginnt Carter seine Queste. Er bewährt sich als Erzträumer, der er ist, indem es ihm gelingt, allen Gefahren und allen zum Teil recht unheimlichen Gegnern auf die eine oder andere Art Herr zu werden. Schliesslich gelangt er in die Stadt der minderen, irdischen Götter. Die aber sind nicht mehr dort. Ein Wesen, das sich als Nyarlathotep, einer der äusseren, bösartigen und den irdischen völlig überlegenen Götter, entpuppt, erklärt Carter, dass die irdischen Götter, durch Carters Träume von der Wunderbaren Stadt angeregt, sich in diese begeben hätten, und es ersucht Carter, dorthin zu gehen, sie zu suchen, und nach Hause zu schicken, da es nicht sein könne, dass da keine irdischen Götter in ihrer ureigenen Behausung lebten.

Zu spät realisiert Carter, dass ihn der bösartige Gott betrogen hat, und ihn statt zu seiner Traumstadt ins Zentrum des Universums, nach Azathoth bringen will. Er gibt sich schon verloren, da kommt ihm in den Sinn, dass er ja eigentlich nur träumt. Also springt er vom Rücken des grossen Vogels, der ihn transportiert, und landet aufwachend im morgendlichen Boston, das er als seine Traumstadt erkennt. Nyarlathotep aber, verärgert und frustriert, ruft die irdischen Götter aus der Traumstadt zurück, um sie sekkieren zu können.

Lovecrafts Anspielungen auf eine recht komplexe Mythologie, mit zwei oder drei von einander geschiedenen Götterkreisen ist z.T. von Dunsanys frühem Werk „The Gods of Pegāna“ entlehnt. Lovecraft macht daraus allerdings durchaus etwas eigenes.

Lovecrafts Geschichten eignen sich schlecht zur Nacherzählung, weil vieles von ihrem Horror, vieles von ihrem Reiz auch in der Sprache selber liegt, die der Autor verwendet. Eine Reduktion auf den Inhalt der Geschichte führt zu einer Trivialisierung derselben, weshalb auch alle bisherigen Verfilmungen gescheitert sind. Lovecraft will gelesen sein, damit man die Exquisität seiner Schöpfungen goutieren kann.

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5 Kommentare zu H. P. Lovecraft: The Dream-Quest of Unknown Kadath

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