Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Gleim, der Schwätzer: Er hat Klopstocks Der Tod Adams versifiziert. Nun ist Klopstocks Stück schon im Original alles andere als ein bühnentaugliches Trauerspiel. Aber es wird doch von der Sprache gewissermassen getragen. Bei Gleims Überarbeitung entpuppen sich all‘ die Figuren sehr rasch als die Schwätzer, die sie im Grunde genommen sind. Kein Wunder, dass Klopstock Gleims Versifizierung gar nicht schätzte.

Gleim, der Anarchist: Neben den Preussischen Kriegsliedern hat Gleim ja vor allem in der Gattung der anakreontischen Gesänge brilliert. Ich habe bisher um dieses Genre immer einen kleinen Bogen beschrieben und bin jetzt von der anarchischen (oder anarchistischen?) Sprengkraft überrascht, die in diesen Gedichten bei Gleim immer mal wieder hervorblitzt. In etwa nach dem Motto: Andere mögen in den Krieg ziehen, ich ziehe Wein, Weib und Gesang (vor allem die ersten beiden) vor; denn: das richtige Leben hat man(n) nicht als Kriegsheld gelebt, sondern als Liebling von Bacchus und Venus. Gleim als der Urvater der Flower Power Bewegung: Make love, not war.  O0

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