A. E. Housman: A Shropshire Lad

A. E., d.i. Alfred Edward, Housman lebte von 1859 bis 1936. Er war einer der führenden Altphilologen seiner Zeit. Manilius, Juvenal und Lucan kamen in den Genuss einer durch Housman veranstalteten kritischen Ausgabe. Seine lyrische Produktion betrachtete er nur als Hobby, über das er zudem nie sprach.

Den Lyriker Housman kennt man denn wohl auch nur in England. Dessen bekannteste Gedichtsammlung nennt sich A Shropshire Lad. Aus der Sicht eines Bewohners der ländlich-ruralen Grafschaft Shropshire (West Midlands, an der Grenze zu Wales) liefert uns Housman kleine Vignetten des dortigen Daseins. Es fällt auf, wie wenig wir im Shropshire Lad vom Altphilologen finden; es ist, als ob Housman für seine Lyrik ein zweites Ich hervor gesucht hätte. In einer seiner wenigen Äusserungen zur eigenen Lyrik spricht Housman denn auch sinngemäss davon, dass lyrische Produktion immer aus dem Bauch kommen soll. So wirken die Gedichte des Shropshire Lad naiv und volkstümlich. Viele davon sind dann auch von Komponisten vertont worden, und führen in England ein ähnliches volktümlich-literarisch-musikalisches Leben wie Gedichte von Goethe oder Heine im deutschen Sprachraum. (Pikantes Detail am Rande: Housman hat die Grafschaft Shropshire erst persönlich kennen gelernt, nachdem er A Shropshire Lad verfasst hat. Die Naivität und der volkstümliche Ton der Gedichte sind also künstlich.)

Hauptthema der Sammlung ist der Tod – der eigene oder der von Freunden und Geliebten. In einfachen Versen und kurzen Strophen wird ein Lebensgefühl beschrieben, das halb bukolisch ist, halb schwarz-romantisch verschleiert. Erinnerungen an eine glücklichere Jugend, an eine frühre, bessere Zeit dominieren. Doch die Protagonisten jener Zeit sind tot – und sie dürfen sich glücklich schätzen, dass sie tot sind.

LIV

With rue my heart is laden
For golden friends I had
For many a rose-lipt maiden
And many a light-foot lad.

By brooks to broad for leaping
The light-foot boys are laid
The rose-lipt girls are sleeping
In fields where roses fade.

Vielleicht nicht die ganz, ganz, ganz grosse Lyrik – aber ein würdiger Nachfolger eines Coleridge oder Tennyson.

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