Reiseführer in die Welt der Antike – Dr. Ray Laurence: Das alte Rom. Rom und Umgebung

Geschenktem Gaul, so will es das Sprichwort, schaut man nicht ins Maul. Dass ich das hier trotzdem tue, hängt damit zusammen, dass schon andere über diesen Gaul, will sagen dieses Buch, geschrieben haben, die vielleicht auch dafür bezahlt haben. Das Buch mit oben genanntem Titel habe ich nämlich anlässlich der letztjährigen Buchmesse von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft als eine Art Treueprämie erhalten. (Beim Theiss-Verlag, in dem der Text erschienen ist, handelt es sich um eines der Imprints der WBG.)

Stellen Sie sich also vor, Sie lebten nicht im 21. Jahrhundert u.Z., sondern im dritten, und Sie möchten die Haupstadt der damaligen Welt, Rom, besuchen. Heute sind wir es uns ja gewöhnt, dass wir uns auf eine Reise vorbereiten können, mittels Recherchen im Internet und mittels gedruckter Reiseführer. Das gab es im 3. Jahrhundert selbstverständlich noch nicht, aber der englische Altphilologe Ray Laurence, der sich auf den antiken römischen Alltag spezialisiert hat, liefert hier in einer Art Zeitreise einen Reiseführer, wei man ihn sich für Menschen des 3. Jahrhunderts vorstellen könnte.

Das Büchlein umfasst etwas über 150 Seiten, und kommt in vielem daher wie ein ‚echter‘ Reiseführer. In 6 Kapiteln gibt uns Laurence einen knappen Überblick über das Rom des 3. Jahrhunderts. Dreimal so gross wie die nächstgrössere Stadt des Römischen Reichs, Alexandria in Ägypten, war Rom für damalige Verhältnisse eine Mega-City – mit über 1’000’000 Einwohnern, verteilt auf 46’000 Wohnblocks und 1’700 herrschaftliche Stadthäuser, mit 424 Stadtvierteln, wäre sie selbst für heutige Verhältnisse keine Kleinstadt.

Die 6 Kapitel lauten:

  1. Geschichte im Überblick
  2. Die Stadt Rom
  3. Weitere sehenswerte Ziele
  4. Freizeitaktivitäten
  5. Praktische Informationen
  6. Hintergrundwissen und Quellen

Zu allen Kapiteln bringt Laurence interessante Informationen bei – auch darüber z.B., wie ich mich als Fremder am besten in Sachen Religion und Götterverehrung verhalten sollte.

Das Büchlein ist insgesamt sehr amüsant. Horaz‘ Prodesse et delectare hat Laurence ganz offensichtlich komplett verinnerlicht, und wer mehr wissen will, als ein allgemeiner Reiseführer bieten kann, findet auch ein kleines Literaturverzeichnis für den modernen Leser, das ihn zu ‚ernsthafterer‘ Literatur weiterleitet. Mein einziger Kritikpunkt wären die Illustrationen. Nicht nur, dass ein ‚richtiger‘ Reiseführer heutzutage Fotografien aufweisen müsste und keine Zeichnungen – diese wirken dazu oft als Karikaturen, und weisen, vor allem, wenn es um Darstellungen von bekannten Kaisern oder Dichtern geht, manchmal nur flüchtige Ähnlichkeiten auf mit den Büsten, die von den Betreffenden überliefert sind.

Da man die meisten Sehenswürdigkeiten, die Laurence dem Leser des 3. Jahrhunderts anpreist, auch heute noch (zumindest als Ruinen) finden kann, wäre das Büchlein wohl ’nach wie vor‘ als Reiseführer verwendbar. Nur die Reisezeiten und die Strassenverhältnisse haben geändert, und die Staus werden nicht mehr durch Sänften und Ochsenkarren verursacht…

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