Leipziger Buchmesse 2016 – 1. Tag

Nun also hat die Leipziger Buchmesse 2016 auch für mehr als ein paar eingeladene Gäste begonnen. Neben ein bisschen Arbeit am eigenen Stand (Halle 5 – D 502; genauer gesagt sind wir nur Untermieter bei Literaturschock.de) habe ich den Tag damit begonnen, ein paar alte Bekannte aufzusuchen. Was hat sich im Vergleich zum letzten Jahr geändert?

Antwort: Nichts. Die Arno Schmidt Stiftung hatte noch auf Facebook geschrieben:

Ab Donnerstag in Leipzig: Am Stand in Halle 5, K 109 warten Hr. F. F. und Fr. S. F.*) auf neugierige Schmidt-Leser und solche, die es werden wollen.

Damit man mir nicht den Vorwurf machen kann, ich würde dort erst vorbeischauen, wenn der Tag oder gar die Messe fast vorbei sind, und weil dieser Stand sowieso in der Nähe von ‚unserem‘ liegt, bin ich schon heute früh hinmarschiert. Hr. F. F. (wenn er es denn war) kümmerte sich keineswegs um Neugierige, sondern schien einen Artikel Korrektur zu lesen; Fr. S. F. (wenn es sie denn war) rief quer über die Halle einen Bekannten zu sich, um zu plaudern, während ich dort stand und einen eingeschweissten Teil der Bargfelder Ausgabe betrachtete. Vielleicht hätte ich die Folie mit dem Daumennagel aufreissen sollen, um herauszufinden, was denn genau der Inhalt der einzelnen Bände sein könnte; vielleicht hätte das die Aufmerksamkeit der Beiden geweckt. Andererseits habe ich eine recht komplizierte Turnübung mit meinem Handy vorgeführt, um den Stand abzulichten – was offenbar auch nicht die Neugierde von Herrn und Frau F. und F. aufzustacheln vermochte. Nichts Neues am Interesse der Arno Schmidt Stiftung fürs Publikum also.

Beim Karl-May-Verlag ist die Leipziger Buchmesse immer noch Chefsache und auch diesmal war der Chef in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Das ist OK, ich hätte gar nicht gewusst, was fragen.

Bei Wallstein sah ich die Kassette mit der Abteilung III der Beneke-Tagebücher, obwohl die m.W. noch gar nicht auf dem Markt ist. Uneingeschweisst übrigens, und ich konnte so schon ein bisschen drin blättern. Die dritte Abteilung übetrifft die erste an Umfang um schätzungsweise 40% und verspricht interessant zu werden.

Das Schillerhaus in Leipzig. Copyright 2016 litteratur.ch

Das Schillerhaus in Leipzig. Copyright 2016 litteratur.ch

Am späteren Nachmittag transferierte ich mich dann ins Schillerhaus. Dort, wo Schiller im  Sommer 1785 seine Ode an die Freude geschrieben hat, fanden zwei Lesungen statt, die mich vom Thema her interessierten. Bzw. von den Persönlichkeiten her, über die ich mehr zu erfahren hoffte: Knigge und Casanova.

Die erste Lesung hatte zum Titel Wussten Sie es schon? … Weiß es Knigge besser? Frauke Weigand stellte ihr neues Buch vor. Was ich Ahnungsloser vorher nicht gewusst hatte: Fr. Weigand ist so etwas wie eine Benimm-Päpstin und sie nimmt Knigge beim Wort eines Anstandswauwaus. Das Publikum bestand vorwiegend aus Einheimischen und hatte ein Durchschnittsalter von 70+, und so verkam das Ganze zum altbekannten Lamento des „Früher war alles besser – die Kinder waren besser erzogen und die DDR auch“. Als Wessi erlaube ich mir zu letzterem keine Meinung; als Pädogoge muss ich fragen: Wer hat denn die erzogen, die nun die unerzogenen Kinder erzogen haben?

Bedeutend interessanter und wirklich zum von mir erwarteten Thema war die Lesung von Ansgar Bach, der Casanova in Leipzig und Dresden vorstellte, zwei neue Bücher von ihm. Er las vor bedeutend kleinerem Publikum, was schade war, denn er hat sich wirklich mit Casanovas Biografie auseinander gesetzt, und das nicht nur mit den Teilen, die seine Aufenthalte in Leipzig und Dresden betreffen. Ausserdem ist er ein glänzender Unterhalter, der sein Publikum im Griff hat.

PS. An die Messeleitung: Das Wetter, mit viel Sonnenschein, war heute ganz in Ordnung. Etwas höhere Temperaturen hätte ich mir vielleicht noch gewünscht. Doch das Wetter endlich im Griff zu haben, ist kein Grund, ein W-Lan zu fahren, das selbständig ein- und ausschaltet, wie die Steckdosen meiner Oma. Und warum die so praktischen Schliessfächer, die die Blogger-Lounge letztes Jahr noch aufwies, heuer gefehlt haben, entzieht sich meinem Ahnungsvermögen.


*) Die Namen sind der Redaktion bekannt.

 

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