Heidi Rehn: Gold und Stein

Wir haben das ja festgehalten in unseren „allgemeinen Bedingungen“: Wir konzentrieren uns zwar auf klassische Literatur, auf Hochgebirgsliteratur (wenn man so will), auf (alte) Philosophen. Aber:  „Das bedeutet keineswegs Ablehnung zeitgenössischer oder sogar sog. “trivialer” Literatur – im Gegenteil: Das Hauptkriterium ist ein Mindestmaß an Qualität, welche erst die Grundlage für fruchtbare Auseinandersetzungen bietet.“

So weit, so gut. Nun soll man nicht nur davon schwätzen, man soll auch solches lesen. So habe ich zu einem der wenigen Rezensionsexemplare gegriffen, die ich in meinem Leben bisher von Verlagen erhalten habe.

Heidi Rehns „Gold und Stein“ wird als „Historischer Roman“ gehandelt. Das Setting ist also in die Vergangenheit gelegt, in unserm Fall ins Königsberg zur Zeit des Dreizehnjährigen Kriegs (1453-1466). Ausser, dass wir ganz am Rand die Auswirkungen von Belagerungen auf die Protagonisten mitbekommen, spielt aber der Krieg keine Rolle. Die Deutschordensritter werden zwar erwähnt, bleiben aber undeutlicher Hintergrund. Im Zentrum der Handlung stehen die Erlebnisse zweier Familien und die Ergebnisse einer Vertauschung von Kindern. Kein Adel, sondern Kaufleute, Braumeister. So weit, so gut – das versprach eigentlich, recht interessant werden zu können – besonders natürlich die Thematik des Bierbrauens sprang mir sofort ins Auge.

Leider konnte der Roman  die Hoffnung, die ich in ihn gesetzt hatte, nicht erfüllen. Mir fehlte das Fleisch am Knochen. Die Autorin hat sich ganz auf die handelnden Personen konzentriert. Das historische Umfeld ist nur schwach erleuchtet. Wir sind die meiste Zeit mit Handlungen der Protagonisten konfrontiert, die uns in direkter Rede präsentiert werden. Alles, was ich an einem Roman so liebe – die Aus- und Abschweifungen, die auktoriellen Kommentare – alles das fehlt. Nicht einmal eine Landschaftsbeschreibung, die über zwei oder drei Zeilen hinausgeht. Im Grunde genommen hätte der Roman genau so gut in Rom, Stockholm oder Grossgünzlesburghausen spielen können. Auch der Beruf der beiden weiblichen Hauptfiguren, das Bierbrauen, war im Grunde genommen völlig unwichtig. Die beiden hätten genau so gut Bandwirkerinnen oder Rabbinerinnen sein können. Die einzigen Abschweifungen – und die fand ich nun wiederum absolut unnötig – fanden statt, wenn mal wieder ein Liebes- oder Ehepaar es mit unseren gefiederten Freunden hielt, den Vögeln.

Es bleibt dem Leser die dürre Handlung. Der überweigende Gebrauch der direkten Rede vermittelte mir zusehends den Eindruck, das Exposé für einen TV-Film zu lesen, einen Film, der aus Spargründen vorwiegend im Studio gedreht werden sollte. So etwas hat seine Fans: Bei amazon vergeben von aktuell 13 Rezensionen deren 10 die maximale Punktezahl für diesen Roman. Ich gehöre nicht zu den Fans …

Dieser Beitrag wurde unter Roman abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.