Lissabon

Denkmal zu Ehren von Luís de Camões. Zu Lebzeiten liess man ihn hungern; heute stellt man ihn auf so hohe Podeste, dass es mir in der Eile nicht möglich war, ein gescheites Bild des Monuments hinzukriegen... - © 2016 litteratur.ch

Denkmal zu Ehren von Luís de Camões. Zu Lebzeiten liess man ihn hungern; heute stellt man ihn auf so hohe Podeste, dass es mir in der Eile nicht möglich war, ein gescheites Bild des Monuments hinzukriegen… – © 2016 litteratur.ch

Zum Abschluss unserer Ferien sind uns noch zwei Tage geblieben für Lissabon. Nun sind zwei Tage natürlich viel zu wenig für eine Stadt wie Lissabon, und wir mussten von Anfang die Objekte unserer Begierde beschränken. Ausflüge nach Sintra, der Sommerresidenz der portugiesischen Könige, lagen nicht drin; selbst auf das benachbarte Almade mit der Statue des Christo-Rei mussten wir verzichten (was ich allerdings kaum bedauerte, kenne ich doch das „Original“ von Rio de Janeiro). Auch ganze Stadtteile Lissabons wie Belém oder Alcântara mussten weggelassen werden. Also kein Mosteiro dos Jerónimos, kein Torre de Belém (um die es mir beide leid tat), keine Ponte 25 de Abril (um die es mir weniger leid tat, kenne ich doch das „Original“, die Golden Gate Bridge von San Francisco, die ich zum erstem Male in einem Mietauto nachts befahren habe, und deren beleuchtete rote Stahlträger gegen den dunklen Nachthimmel in ihrer Macht und Eleganz eines der Reisebilder sind, die ich nie vergessen werde).

© 2016 litteratur.ch

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Also vor allem das beim alten Hafen gelegene Zentrum – die Teile Lissabons, die nach dem Erdbeben von 1755 neu aufgebaut wurden. Dieses Erdbeben, das ja selbst dem 6-jährigen Goethe Zweifel an der Güte und Intelligenz Gottes eingeflösst haben soll, ist im Gedächtnis der Einwohner Lissabons noch immer allgegenwärtig. Dabei sehen die danach neu erstellten repräsentativen Gebäude, Plätze und Strassen sehr gut aus – auch wenn Portugals Wirtschaft bereits im Sinkflug begriffen war, erwirtschaftete der Staat noch genügend Geld (vor allem wohl aus seiner Kolonie Brasilien), um grosszügig vorgehen zu können.

Den Elevador de Santa Justa besichtigten wir nur von aussen. Als wir dort angekommen waren, stand bereits eine längere Schlange an, um mit diesem Aufzug vom Stadtteil Baixa in den höhergelegenen Stadtteil Chiado zu fahren. Bzw. wohl, um einfach damit zu fahren, denn die meisten schienen sich danach auf der Plattform zu tummeln, die die Spitze des Gebäudes darstellt. Ich hätte den Aufzug gern von innen besichtigt, aber in der prallen Sonne anzustehen, um mit Dutzenden anderer zusammengequetscht Lift zu fahren, wollte mir nicht einleuchten. Leider konnten wir nicht früh genug da sein, um dem Ansturm der Touristen zuvorzukommen: Wir verbrachten die ersten anderthalb Stunden des Morgens damit, eine Bank, bzw. einen Geldautomaten, zu finden, die uns auf unsere Schweizer Karten Geld ausspuckten. Die üblichen ATMs, die sich an jeder Ecke befinden, tun das nämlich nicht.

Das Café A Brasileira von innen. - © 2016 litteratur.ch

Das Café A Brasileira von innen. – © 2016 litteratur.ch

Als wir dieses Problem gelöst hatten, begaben wir uns zu Fuss nach Chiado. Dort steht das bekannte Café A Brasileira, das nicht nur Ferndando Pessoas Stamm-Café war und deshalb seit einiger Zeit mit einer Statue des Schriftstellers versehen ist, sondern sich auch der besten Pastéis de Nata rühmt, die Portugal zu bieten habe. Ich habe mich neben Pessoa gesetzt, wie Tausende anderer Touristen auch; ich habe die Pastéis de Nata versucht, wie Tausenden anderer Touristen auch. Es handelt sich dabei, grob gesagt, um kleine Törtchen aus Blätterteig mit einer Vanille-Crème-Füllung. Ehrlich gesagt schmecken aber die Törtchen, die ich an der Marina von Ponta Delgada erhalten habe, und die die Vanille-Crème zusätzlich mit Maracujá (Passionsfrucht) verfeinern, bedeutend besser.

Fernando Pessoa vor seinem Stamm-Café. - © 2016 litteratur.ch

Fernando Pessoa vor seinem Stamm-Café. – © 2016 litteratur.ch

Da wir wieder zu Geld gekommen waren, beschlossen wir, den Nachmittag wie jeder brave Tourist damit zu verbringen, die portugiesische Wirtschaft ein wenig anzukurbeln und für satte € 80.00 und anderthalb Stunden ein sog. Tuk-Tuk zu mieten. Umweltfreundlich, wie wir sind, entschieden wir uns für ein Elektromobil. (Um ehrlich zu sein nahmen wir das nächstbeste Gefährt – hatten aber Glück: Der Fahrer war sehr freundlich und sehr kompetent. Dennoch bezahlten wir in Lissabon ungefähr das Doppelte pro Stunde, das wir auf den Azoren für eine Inseltour bezahlt hatten.) Nun, wir kamen so wenigstens noch ein bisschen in Lissabon herum.

 

 

© 2016 litteratur.ch

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Am zweiten Tag waren wir dann früh genug dran, um die berühmte Strassenbahn-Linie Nr. 28 E nehmen zu können. Die Fahrt durch die engen Gässchen der Altstadt, die  Steigungen überwindet, die man bei einer ganz gewöhnlichen  Strassenbahn für unmöglich halten würde, ist tatsächlich sehr eindrücklich, und so ist auch diese Strassenbahn eine Touristen-Attraktion erster Güte. Das bedeutet: sie ist tagsüber ebenso vollgestopft wie der Elevador de Santa Justa. Wir hatten um 8 Uhr nur Einheimische mit an Bord, denn diese Linie ist immer noch eine ganz normale Strassenbahn mit Verkehr nach Fahrplan. Die Wagen wirken dabei älter als sie sind. Wenn man aber, so wie wir, einen Fahrer hat, der die ganze halbstündige Fahrt bis Prazeres unentwegt am Handy mit jemandem plauderte, wirkt das Ganze gleich viel älter und abenteuerlicher.

(Nebenbei gesagt, bewundere ich die Autofahrer Portugals. Schon auf Saõ Miguel ist mir aufgefallen, wie wenig gehupt wird. Selbst wenn einer mitten auf der Strasse sein Auto be- oder entlädt – und in Punta Delgada sind die Strassen so schmal, dass das nur mitten auf der Strasse geschehen kann! – wartet man hinten ruhig, bis der vorne fertig ist. Und wenn bei einer Baustelle in Lissabon ein mobiles Klo auf einen Lieferwagen gehievt werden soll, wartet sogar die Strassenbahn ganz ruhig, bis die Geleise wieder freigegeben sind… Ich wage mir den Wutanfall eines hiesigen Tramchauffeurs gar nicht erst vorzustellen. Zugegeben, dass dafür die Einhaltung des Fahrplans besser garantiert werden kann.)

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Das Aquascaping-Becken von Takashi Amano – © 2016 litteratur.ch

Den Abschluss bildete dann das Oceanário. Es handelt sich dabei gleichzeitig um eine Besucherattraktion (vor allem für Einheimische und da wieder für Schulklassen, die hier in den Schutz der Meere eingefuchst werden sollen) und um ein wissenschaftliches Institut. Das riesige Meerwaser-Aquarium (ich glaube: das zweitgrösste Europas) ist tatsächlich einen Besuch wert, wenn man sich auch nur ein bisschen für die Fauna und Flora der verschiedenen Meeresregionen interessiert. (Und hat – für mich! – den Vorteil, dass man sich bei dieser Besichtigung auf festem Boden befindet.) Daneben befindet sich aktuell die Sonderausstellung mit riesigen Aquascaping-Aquarien (Süsswasser!) des japanischen ‚Weltmeisters‘ Takashi Amano.

Wir hatten in Lissabon zu wenig Zeit, um kulinarisch Wertvolles zu entdecken. Die auf Touristen ausgerichteten Restaurants in der Rua Augusta bieten gute Kost zu den Preisen, die wir in Punta Delgada für ausgezeichnetes Essen bezahlt haben; meine Frau allerdings hat in Lissabon den besten grünen Salat der ganzen Reise gefunden. Vegetarisches Essen ist in Portugal noch immer eine Seltenheit, veganes habe ich nirgends gefunden.


Unterdessen sind wir wieder zu Hause, und ich kann noch einen Nachtrag zu den Azoren liefern. Nachdem die dortige Orangen-Monokultur, die die Azoren reich machte, an einem Virus (?) zu Grunde gegangen war, mussten die Bewohner nach neuen Einnahmequellen suchen. Neben Ananas (die einzigen in Gewächshäusern gezogenen Ananas der Welt!) und Bananen (eine kleine grüne aber wohlschmeckende Sorte, die lange nicht exportiert werden durfte, weil sie eine der dämlichsten Vorschriften der EU, jene über die minimale Länge einer Banane – wie wenn es je auf die Länge angekommen wäre… – nicht erfüllte) wird nun auch Tee und Tabak angebaut, und die Inseln verfügen über eine eigene Zigaretten- und Zigarrenmanufaktur. Das eine von mir gestern gerauchte Exemplar liess mich bei den ersten Zügen befürchten, ich hätte hier einen „Stumpen“ im pejorativen Sinn vor mir; einmal warm geraucht, entpuppte sich die Zigarre dann aber als zugleich mild und würzig und somit durchaus empfehlenswert. Ein ebenfalls auf den Azoren gekauftes Degustations-Set mit 10 verschiedenen Likören harrt noch der Verkostung.

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Ein Kommentar zu Lissabon

  1. P.H. sagt:

    Nachtrag zum Nachtrag: Ich habe ja nur zwei Zigarren auf den Azoren gekauft. Unterdessen habe ich auch die zweite geraucht. Es handelte sich bei diesem zweiten Exemplar um ein ein bisschen helleres und etwas weniger kräftiges Exemplar (schon fast eine Damenzigarre 😉 ). Aber auch diese Zigarre kann ich uneingeschränkt empfehlen; gerade an warmen Sommertagen wie dem heutigen.

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