Ferdinand Beneke: Die Tagebücher. III/6: Beilagen 1815 und 1816

Obwohl Band III/6 zwei Jahre umfasst, ist er doch nur noch ungefähr halb so umfangreich wie die beiden Bände III/4 (1813) und III/5 (1814). In Benekes Leben ist der Alltag eines Hamburger Bürgers wieder eingekehrt. Zwar beunruhigte Napoléons Rückkehr von Elba auch die Hamburger nochmals. Beneke wurde wieder als Major im Stabe zur Bürgergarde einberufen (die diesmal Bürgermilitair hiess), aber ausser ein paar Memoranden zur Organisation und Uniformierung des Bürgermilitairs hat das in den Beilagen des Jahres 1815 keine Spuren hinterlassen. Spätestens ab Februar 1816 aber, mit der Wahl Benekes zum Oberaltensekretär, verlieren sich die Spuren aussenpolitischer Tätigkeit praktisch vollständig.

Noch im Jahre 1815 begab sich Benekes Freund und Verleger Perthes auf eine Vergnügungsreise durch Deutschland, die wohl weniger eine Vernügungsreise war, denn ein Versuch Perthes‘, herauszufinden, wie die Dinge denn nun am Wiener Kongress um Hamburg stünden. Für die beiden Freunde stand es fest, dass der Hamburger Senat viel zu träge operierte. Da war in Benekes Fachgebiet, der Juristerei, zum Beispiel die Frage der Bildung eines Apellationsgerichts offen, das die verbleibenden freien Städte Hamburg, Bremen, Lübeck und Frankfurt/M zusammen einzurichten wünschten – bzw. eben, das Bremen, Lübeck und Frankfurt gemeinsam mit Hamburg einzurichten wünschten und aus Hamburg dazu weder positive noch negative Signale erhielten. Perthes traf daneben den in österreichischen Diensten stehenden Schlegel, scheint aber in keine nähere Beziehung zu ihm getreten zu sein – er wird als einer der vielen erwähnt, mit denen Perthes in Kontakt gekommen ist.

Allgemein aber war die politische Situation in Hamburg von einer Art, dass sich Beneke lieber ins Privatleben zurückzog. Er hatte im Studium altdeutscher Geschichte ein neues Hobby gefunden. So finden wir in den Beilagen von ihm veröffentlichte Aufsätze zur germanischen Geschichte. Beneke deutschtümelt dabei aus heutiger Sicht ganz ordentlich: nur die deuschen Fürsten bzw. Stammesoberhäupter waren sittlich-moralisch ohne Fehl und Tadel. Alles Welsche, alles Französische, wurde per se abgelehnt – so in einem Artikel zur altdeutschen Kleidung. Zusammen mit Fouqué – Beneke bildete sich jedenfalls ein, dass er selber quasi der Ideenlieferant und Fouqué das ausführende Organ sei – plante Beneke eine literarische Reihe über altdeutsche Helden. Ob diese Zusammenarbeit von Seiten Fouqués ebenfalls als eine solche begriffen wurde, kann ich nicht beurteilen – Fouqué schickte jedenfalls einige sehr überschwängliche Briefe an seinen Duzfreund Beneke. Last but not least trat Beneke einer Sprachgesellschaft bei, die sich offiziell um die Erforschung der Geschichte der deutschen Sprache bemühte – de facto aber ein Verbund von Sprachpuristen war, der die deutsche Sprache rigoros von Fremd- und Lehnwörtern purgieren wollte. Ein in den Beilagen dokumentierter Versuch, das Wort turnen, das mit der urdeutschen Tätigkeit Friedrich Ludwig Jahns (er wird nicht beim Namen genannt) in Schwang gekommen war, durch drehen zu ersetzen, weil turnen vom Französischen tourner komme und deshalb der ursprüngliche deutsche Ausdruck zu verwenden sei, ging allerdings sogar Beneke zu weit.

Mit Band 6 ist die dritte Abteilung der Tagebücher beendet. Ich bin gespannt – sowohl auf die Weiterentwicklung Benekes wie auf die Weiterentwicklung der Tagebuch-Edition. Leider ist die Beneke-Homepage noch immer auf dem Stand von 2013, also der ersten Abteilung.

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