Isaac Asimov: I, Robot

Karel Čapek hat den Begriff ‚robot‘ in die (Science-Fiction-)Literatur eingeführt. Vor allem die US-amerikanische Pulp Fiction hat den ‚robot‘ gerne aufgenommen. Er wurde zum mechanischen Bruder von Frankensteins Monster: eine bösartige Kreatur, die ihrem Schöpfer, dem Menschen, mit aller erdenklichen Gemeinheit und Grausamkeit nachstellt – insbesondere, wenn dieser Mensch die Form junger, hübscher Frauen hatte. (Weshalb genau, bleibt schleierhaft; der Roboter war über lange Jahre, auch noch bei Asimov, ein Wesen ohne eigenes Sexualleben.) Asimov fand diese Darstellung der Roboter langweilig, und er begann ab 1940 mit der Schöpfung eigenener literarischer Roboter. Seine Roboter waren humanoide, intelligente Helfer des Menschen – nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich verwendete Asimov einen Trick. Er erfand die Drei Gesetze der Robotik, die es einem Roboter niemals erlaubten, einem Menschen vorsätzlich Schaden anzutun, ausser, es stünde ein höheres Gut in Gefahr. Dann könnte er zum Beispiel einen Menschen opfern, wenn er der Meinung wäre, dass er damit das Leben von 200 anderen retten kann. (Man sieht, die Gesetze sind – wie Asimov in seinen Roboter-Geschichten auch zugibt – der menschlichen Alltagsethik abgekupfert, die z.B. dem Soldaten erlaubt, den Feind niederzuschiessen, weil er dadurch seiner Meinung nach viele, viele andere seiner eigenen Nation rettet.)

I, Robot schildert in verschiedenen Kurzgeschichten die Entwicklung der Robotik. Verbindungsglied der einzelnen Geschichten ist dabei Dr. Susan Calvin, die entweder in einer Geschichte selber vorkommt, oder sie auch nur einem Journalisten weitergibt. Dr. Susan Calvin ist 1982 zur Welt gekommen, und verbrachte ihr ganzes Leben als Robopsychologin bei der Firma US Robot and Mechanical Men, der führenden Firma in der Entwicklung und im Bau von Robotern. Die Geschichten, die sie dem Journalisten erzählt (die Rahmenhandlung umfasst zwei Interviews, die mit Susan Calvin geführt werden), handeln so ungefähr vom Jahr 2000 an bis ca. 2060, wenn die Erde einer Art Weltverwaltung unterstellt ist, und die Ressourcen und Arbeitskräfte durch ein Superhirn gesteuert werden, das ebenfalls den Drei Gesetzen der Robotik unterliegt. Der erste Roboter war noch nicht viel mehr als eine Art überdimensioniertes Kindermädchen und Spielgefährte einer verwöhnten achtjährigen Göre.

Asimovs Roboter-Kurzgeschichten entstanden zwischen 1940 und 1950 und schildern eine fiktive Geschichte der Menschheit. Wie auch sein Zeitgenosse Heinlein (in seiner Future History) war Asimov allzu optimistisch, was das Tempo der technischen Entwicklung betraf. Die Menschheit müsste heute Bergwerke auf dem Merkur vorweisen, die von intelligenten humanoiden Robotern betrieben würden. Auch hat sich der Roboter nicht so entwickelt, wie das Asimov vorhersah: Man verzichtete in der Realität auf die Nachahmung des oft ziemlich unpraktischen menschlichen Äusseren und zog zwar ‚dumme‘, aber dafür in Form und Funktion hocheffiziente Roboter vor. Vielleicht gab es auch deshalb die Anti-Roboter-Bewegung nicht, die in Asimovs Welt immer wieder eine Rolle spielt.

Ich brauche hier die einzelnen Geschichte nicht vorzustellen. Sie sind bekannt und können sogar bei Wikipedia abgerufen werden. Es fällt auf, dass viele die Form von Kriminalgeschichten aufweisen: Ein Roboter funktioniert nicht wie gewünscht bzw. erwartet, und es gilt herauszufinden, was der Grund dafür sein könnte. Dabei kann es dann durchaus auch vorkommen, dass sich herausstellt, dass mit den Drei Gesetzen der Robotik herumgespielt wurde, und trotz der Tatsache, dass Asimov eigentlich ‚liebe‘ Roboter kreieren wollte, diese Geschöpfe eine potentielle Gefahr für die Menschheit darstellen. Auch können Roboter offenbar allerhand verschiedene psychische Probleme haben, die ihr Funktionieren problematisch werden lässt. Es ist also nicht ganz eine glückliche und unbeschwerte Zeit, die Asimov sich da erträumt.

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