›Marginalien… 222. Heft

Heft 222 bringt ungefähr dieselbe Mischung aus Verlagsgeschichte, Biografien über / Erinnerungen an Illustratoren und Vereinsinterna wie schon Heft 221. Und auch dieses Heft kann die Wurzeln der Pirckheimer-Gesellschaft in der DDR nicht verleugnen. An Beiträgen, die ein weiteres Publikum interessieren könnten, finden wir:

  • Einen Bericht über eine Ausstellung zum Thema Dada. (Nicht die in Zürich, sondern eine in der Galerie Eremitage, Gransee.) Es werden auch einige Dada-Plakate aus der Ausstellung abgebildet, leider halt – dem Format und der Struktur der Marginalien geschuldet – recht klein und nur in Schwarz-Weiss.
  • Einen Beitrag zur Gründung des Malik-Verlags vor 100 Jahren.
  • Etwas über deutsch-orientalische Bücher, wo einige der Klassiker der deutschen Lehr- und Übersetzungsliteratur vorgestellt werden. Gegen Ende der Goethe-Zeit fand eine wahre Ghaselenfabrikation statt, wie Arno Holz 1883 süffisant kommentierte. So finden wir u.a. de la Motte-Fouqué erwähnt, der 1822 einen Engländer (!) in den Sylbenmaaßen des Originals übersetzt (Lalla Rookh). Diese orientalische Rage hielt dann bis in Holz’ eigene Zeit an, und so finden wir noch Orientalisches bei Hofmannsthal oder George. Der Marginalien-Beitrag konzentriert sich vor allem auf Hammer-Purgstall und dessen Hafis-Übersetzung sowie Leopold Schefer. Natürlich geht auch der buchgestalterische Aspekt der orientalischen Produktionen nicht vergessen, ist doch v.a. die arabische Schrift eine Herausforderung für jeden Setzer und Buchgestalter in Mitteleuropa.
  • Konsequent folgt auf diesen Artikel einer über den Dichter und Orientalisten Friedrich Rückert zu dessen 150. Todestag. Dieser Artikel hat die Form einer kurzen Biografie Rückerts sowie von Rezensionen einiger Ausstellungen zum Thema.
  • Zum Schluss sei noch ein Nachruf auf den 2016 verstorbenen Umberto Eco erwähnt, der als berühmter und exzessiver Büchersammler natürlich in den Marginalien nicht unerwähnt bleiben durfte.
  • Unter den enthaltenen Rezensionen fand ich eine zum von Mathias Kluge herausgegebenen Büchlein Handschriften des Mittelalters. Grundwissen Kodikologie und Paläographie insofern interessant, als er mich auf einen im weitesten Sinne literaturwissenschaftliche Zweig hinwies, den ich so gar nicht kenne.

Auch dieses Heft enthält einen auf anderes Papier gedrucktes typografisches Experiment. Zum Thema Schattenseiten wurden verschiedene Gedichte in spezieller typografischer Form präsentiert. Unter den Autoren befinden sich Goethe, Hofmannsthal, Storm, Bachmann, Holz, Trakl, Klabund, George, Uhland, C. F. Meyer u.a. Ich halte das Experiment für missglückt, da es die Form über den Inhalt zu stellen versucht, was Buchgestaltung m.M.n. nie tun sollte. Je nun. Der beigelegte Holzschnitt von Klaus Süß tröstet über den Faux-Pas hinweg.

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