Jerome K. Jerome: Three Men in a Boat [Drei Mann in einem Boot]

Three Men in a Boat kannte in meiner Bibliothek sowohl Ebbe wie Flut. Recht früh schon (Ende Gymnasium, Anfang Studium) besass ich den Text als Taschenbuch, schleppte ihn auch ein paar Jahre mit mir. Irgendwann war ich dann der Meinung, er genüge meinen Ansprüchen nicht und sortierte ihn aus. Nach ein paar Jahren wollte ich ihn dann doch wieder einmal lesen und schaffte ihn erneut an. Die damalige Lektüre liess mich aber irgendwie frustriert zurück. Als allerdings die Folio Society ihre Ausgabe von 1992 dieses Jahr wieder auflegte, konnte ich nicht widerstehen und kaufte sie mir. Ein Buch neu kaufen, heisst bei mir im Normalfall auch, es lesen. Das habe ich nun getan, und meine diesmalige Lektüre hatte zumindest als Resultat, dass ich mir ein wenig klarer darüber geworden bin, warum ich ein so gespaltenes Verhältnis zu den drei Männern in ihrem Boot habe.

Da ist die Entstehungsgeschichte: Ursprünglich wollte Jerome K. Jerome einen ernsthaften Reisebericht schreiben und sich dafür am Bootstrip orientieren, den er mit seiner frisch Angetrauten tatsächlich unternommen hatte, als Flitterwochenreise sozusagen. Dieser Reisebericht sollte ernsthaft sein und ernsthafte Tipps zu ernsthaften Sehenswürdigkeiten links und rechts der Themse zwischen London und Oxford enthalten. Später beschloss Jerome, an die Stelle seiner Frau zwei seiner Freunde zu setzen, George und Harris (das sind George Wingrave, Banker wie der George des Buchs, und Carl Hentschel, Buchdrucker) sowie einen Hund einzuführen. Das erlaubte ihm, die komischen Seiten einer Bootsfahrt in den Vordergrund zu stellen. An einigen Stellen blieben aber die Tipps und Exkurse zu Sehenswürdigkeiten stehen, oft nur schlecht mit ein paar Witzchen übertüncht und im Grunde genommen Fremdkörper im Text.

Da ist die Entstehungszeit: 1889 regierte noch Königin Viktoria, regiert noch (würde noch lange regieren!) die unter ihrem Namen berühmt gewordene Prüderie. Frauen in Three Men in a Boat sind Rand- und Witzfiguren, immer junge Mädchen, zwar liebens- und verehrungswürdig, aber viel im Kopf haben sie nicht. Wenn es in einer der geschichtlichen Exkursionen eigentlich darum ginge, dass Henry VIII. seine Anne Boleyn an verschiedenen Orten themseaufwärts getroffen hat, wird das gefährliche Thema sofort umgebogen in eine Schilderung, wie zwei junge Spätviktiorianer um einander werben: aus heutiger Sicht harmlose Kinder.

Da ist, last but not least, der Einfluss Mark Twains: Jerome K. Jerome hat sich bei seiner Reisebeschreibung am US-Amerikaner (wie auch andere) ein Vorbild genommen. Seine Protagonisten führen einen ähnlichen Kampf mit der Tücke des Objekts, wie die von Twain. Wenn Twains literarisches Alter Ego nachts im dunklen Hotelzimmer verzweifelt die Wasserkaraffe sucht, sie nie findet, dafür unzählige Male in den einzigen Stuhl im Zimmer prallt, bis er zum Schluss kommt, es müsste mindestens ein Dutzend Stühle im Raum stehen, so gelingt es bei Jerome drei jungen, kräftigen Männern nicht, eine Konservendose zu öffnen, auch wenn sie sie mit einem Stein in alle möglichen und unmöglichen geometrischen Formen hauen. Das ist witzig, aber selbst bei Mark Twain ermüdet die Wiederholung der immer gleichen Technik.

Dennoch wird das Buch wohl nun seinen Platz bei mir behalten.

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