Tobias Schrödel: Ich glaube, es hackt!

Nun gut – der Autor warnt den Leser schon auf den ersten Seiten: Dies sei kein Buch für Informatiker, eher eines für Oma Kalupke auf ihren ersten Wegen ins Internet. Allerdings vermute ich, dass auch Oma nicht wirklich erbaut wäre von dem Elaborat, denn über weite Strecken ist das ein höchst substanzloses Geschwafel.

Dass ich aufgrund zumindest rudimentärer Computer- und Programmierkenntnisse nicht zum Zielpublikum zu zählen sei, war mir also von Anfang an klar. Nicht aber, dass der Autor von seiner vorgestellten, betagten Leserin eine derart schlechte Meinung in Bezug auf logisch-mathematisches Verständnis hat. Denn dort, wo es auch nur ansatzweise interessant wird (bei den diversen Verschlüsselungen), lässt Schrödel den Leser völlig im Dunklen, weist bestenfalls kryptisch darauf hin, dass das hier Dargestellte noch nicht wirklich alles sei und man noch diese oder jene Hürde nehmen muss. So ist das Ganze vielmehr eine Selbstdarstellung, der Autor erzählt etwa, wie man auf Billigflügen zu einem Gratisgetränk kommt oder man in einem Hotel mit Pay-TV sich an Sexfilmchen ohne Bezahlung vergnügen kann. Diese wahrlich essentiellen Informationen werden in einer vermeintlich unterhaltenden Weise präsentiert, der Witz erinnert aber allzu häufig an das bescheidene Niveau von Comedians im Privatfernsehen. (Allerdings habe ich gerade in Computerfachbüchern schon sehr viel schlimmeren Humor entdeckt, insofern ist dies ein vernachlässigbarer Kritikpunkt.)

Insgesamt aber bleibt es höchst fraglich, wem mit diesem Buch gedient sein soll: Denn selbst der unbedarfte User erfährt auf rund 360 Seiten wenig bis gar nichts über Computerschwachstellen – bzw. gerade so viel, dass er von deren Existenz weiß (der Tipp, als Passwort nicht den Vornamen seiner Liebsten zu verwenden, ist ein eher dürftiger Ertrag für ein doch recht umfängliches Buch). Vermutlich den größten Gewinn dürfte der Autor selbst aus diesem Werk ziehen: Es verkauft sich offenkundig gut und erfährt (etwa auf Amazon) recht gut Bewertungen. Wo selbst der Sprachwitz lobend erwähnt wird: Das dürfte diejenigen sein, die sich auch bei RTL-Shows auf die Schenkel klatschen.


Tobias Schrödel: Ich glaube, es hackt! Wiesbaden: Springer 2014.

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