›Marginalien… 226. Heft

Abermals eine Ausgabe der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, die praktisch ausschliesslich auf den Osten Deutschland, ja auf die DDR, fixiert ist.

Als erstes werden die Grafikerin Susanne Theume (geb. 1975 in – Halle) und ihr Werk vorgestellt. Der Autor, André Schinkel, setzt dabei in einem derart schwülstigen Ton ein, dass der Leser erschrickt und sich (kunst-)kritisch ins 19. Jahrhundert zurück versetzt glaubt. Wie immer in den Marginalien das Problem, dass die Werke der vorgestellten Künstler nur in schwarz-weiss und in sehr reduzierter Grösse vorgestellt werden können. Selbst wenn das auf Hochglanzpapier geschieht – der Leser / Betrachter hat wenig davon.

Ausnahmsweise nicht aus dem Osten, sondern aus Nürnberg, stammt Johannes Häfner, dessen Künstlerbücher als nächstes vorgestellt werden. Zu den reproduzierten Bildern selbe Anmerkung wie oben.

Ein Leserbrief von Peter Zitzmann, Was ist Buchkunst, bringt den Versuch einer Definition. Meines Erachtens ist diese Definition ein wenig eng geraten, wird doch mehr  oder weniger nur als Buchkunst akzeptiert, was signiert, nummeriert, limitiert und in Kleinauflage erschienen ist. Immer noch dem Thema ‚Künstlerbücher‘ gewidmet ist der nächste Artikel, in dem Claudia Fabian und Béatrice Hernad eine Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek abgehen.

Dann geht es zurück in die DDR, mit einem Aufsatz von Lena Haubner »In der DDR-Diktatur stagnierte die Typographie«? – Eine Richtigstellung. Der Titel verrät den Inhalt: Es geht darum, dass auch in der DDR, bei aller Zensur und Kritik an im vom Westen eingeschleppten Typografien, eine aktive typografische Szene agierte, Beispiele inklusive.

Wir bleiben beim Thema ‚Typografie‘: Die typografische Beilage ist, wie immer, als Mittelteil beigebunden. Diesmal sind es Gedichte zum Thema ‚Fluss‘. Unter anderem figurieren hier je ein Gedicht von Paul Fleming (dem Barock-Dichter), Hölderlin, Brecht und Volker Braun.

Es folgt ein Artikel zur Verlagsgeschichte: Michael Klein referiert über den nur kurzzeitig tätigen Anton Kantorowicz Verlag, der in den Nachkriegsjahren in der DDR existierte.

Roland Jäger geht den in vielen Bibliografien zum Thema ‚Feuchtwanger‘ zu findenden Phantom einer Edition von Lion Feuchtwangers Kleinen Dramen (1906/06) nach, die zwar des öfteren bibliografiert werden, aber in keiner Bibliothek der Welt zu finden sind.

Der seit neuestem zu findende den Ex-Libris gewidmete Teil widmet sich mit Anne Polenz den Gedichten von Sarah Kirsch im Exlibris. (Auch Kirsch ursprünglich eine DDR-Autorin!)

In den Rezensionen werden ein Essay-Sammelband zur Geschichte des Verlags Reclam nach dem Zweiten Weltkrieg (nämlich dem Teil in – Leipzig), Michael Angeles Der letzte Zeitungsleser und Klaus Nüchterns Kontinent Doderer vorgestellt.

Für einmal sind die Rezensionen und die Berichte über die Tätigkeiten der verschiedenen Sektionen der Pirckheimer-Gesellschaft mindestens so interessant, wie die eigentlichen Artikel: Da hat man sich mit Illustrationen zu Shakespeares Frauengestalten beschäftigt, die Luther-Sammlung der Staatbibliothek Berlin besucht, sich ein Referat zum Thema ‚Autobiografie‘ angehört oder Klopstocks Geburtshaus in Quedlinburg besucht.

Ich hoffe, in einer nächsten Ausgabe wieder ein bisschen mehr über Buchkunst und Bibliophilie zu erfahren und ein bisschen weniger über Grafiker/innen und Grafiken als solche.

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Ein Kommentar zu ›Marginalien… 226. Heft

  1. André Gottwald sagt:

    Das ist wirklich eine zu enge Definition von Buchkunst. Es kommt mir so vor, als wäre es jemand, der kein schön gestaltetes Buch erkennen kann und sich stattdessen an sekundären Merkmalen wie der Auflagenhöhe, Signatur etc. orientieren muss. Dass sich Buchkunst und Massenauflage sehr wohl vertragen, kann man an vielen Beispielen sehen: das ganze Schaffen von Hugo Steiner-Prag, speziell für die Deutsche Buchgemeinschaft, praktisch die gesamte Verlagsproduktion von Georg Müller bis 1917, die „Werke der Weltliteratur“ im Propyläen-Verlag, die Tempel-Klassiker, die Andere Bibliothek, die Salto-Reihe bei Wagenbach, you name it.

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