Plautus: Poenulus – Pseudolus – Rudens

Alphabetisch sortiert waren die Dramen von Plautus schon in den frühesten überlieferten Handschriften. Dieser alphabetischen Sortierung ist auch Peter Rau in seiner sechsbändigen Ausgabe bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gefolgt. Zufall der Titelgebung + alphabetische Sortierung + Einteilung in sechs Bücher haben nun dafür gesorgt, dass Band V kein einziges Drama enthält, das heute noch in weiteren Kreisen als denen der Spezialisten für antike Literatur bekannt ist; kein einziges Drama, das in der Geschichte der Literatur von wirklichem Einfluss gewesen wäre.

Poenulus

Auf Deutsch: Der kleine Punier. Wieder eine Verwechslungskomödie, wie sie Plautus des öfteren bringt. Wieder ein gerissener Sklave, der die Situation klärt. Allerdings wirkt diese Komödie etwas uneinheitlich, grosse Teile des Plots werden durch parallele Entwicklungen im Grunde genommen unnötig. Die Figuren agieren z.T. heterogen – so, wenn die entführte Frau zu Beginn redet wie eine abgebrühte alte Hetäre und nicht wie ein junges und gegen seinen Willen gerade eben zu diesem Dienst gezwungenes ehrbares Mädchen. (Obwohl dann diese Reden zum Besten gehören, das dieses Stück zu bieten hat.)

Keine Nachahmungen oder Einflüsse bekannt.

Pseudolus

Benannt nach der Hauptfigur, einem weiteren listenreichen Sklaven Plautus‘, einem weiteren Sklaven, der seinem jungen und verliebten, leider aber mittellosen Herrn zu seiner Geliebten verhilft. Weitere Figuren sind der obligate Kuppler und der Vater, der sich weigert, seinem Sohn mit Geld auszuhelfen, obwohl er er könnte. Pseudolus warnt den Alten vor sich selber, davor, dass er es schaffen würde, ihm das Geld zu entreissen. Eigentlich schade, kennt man das Stück heute kaum noch; seine fein gesponnene Intrige und viele gelungenen Szenen hätten es verdient, auch heute noch auf der Bühne dargestellt zu werden.

Gemäss Cicero soll es eines der Lieblingskomödien von Plautus selber gewesen zu sein. Es gibt kaum Nachahmungen – einige italienische und französische Barock-Dramen ausgenommen. In Lessings Nachlass fand sich unter dem Titel Justin ein Personenplan und ein Szenenentwurf, die sich eng an den Pseudolus anlehnen. Zu mehr ist Lessing aber offenbar nicht gekommen.

Rudens

Seinerseits nach einer griechischen Vorlage. Der Titel (auf deutsch: Das Tau) stammt von einem im Grunde genommen unwichtigen, aber prominent eingesetzten Requisit. Das Motiv ist Kinderraub mit schlussendlicher Wiedererkennung. Der obligate Kuppler, der das geraubte Mädchen verkaufen will und dabei schamlos alle seine Kunden übers Ohr zu hauen versucht, kommt ebenfalls vor. Die Befreiungs-Intrige ist einigermassen komplex ausgefallen, was vielleicht der Grund ist dafür, dass dieses Stück der Vergessenheit anheim fiel.

Aus Renaissance und Barock existieren heute ihrerseits vergessene Nachahmungen . Da ein Schiffbruch mit anschliesender Einfindung aller relevanten Personen an einer nordafrikanischen Küste im Zentrum des Plots steht, kann man  hier Shakespeares The Tempest erwähnen.

Dieser Beitrag wurde unter Drama, Werkausgabe abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.