Noch mehr Frankfurter Impressionen

Schon im Vorfeld dieser Buchmesse hatte ich beschlossen, dass ich nächstes Jahr sowohl die Messe in Frankfurt wie die in Leipzig auslassen werde. So hatte ich also heute nicht nur meinen zweiten Tag an der Frankfurter Buchmessse, sondern auch – bis auf weiteres – meinen letzten an irgendeiner Buchmesse.

Ich war heute ein wenig früher als gestern vor Ort, deshalb auch schneller durch die zu diesem frühen Zeitpunkt doch kürzere Schlange am Eingang. Man hatte es bereits im Vorfeld angekündigt: Es würden dieses Jahr schärfere Taschenkontrollen stattfinden, weshalb es zu Staus beim Eintritt kommen könne. Nun ist auch mir klar, dass grössere Ansammlungen von Menschen für Terroristen ein nicht zu verachtendes Ziel sind. Dass man der Gefahr, die für grössere Menschenansammlungen besteht, begegnet, indem man grössere Menschenansammlungen kreiert, hat allerdings eine Logik, der ich nicht zu folgen vermag. Ein Terrorist müsste doch ein teuflisches Vergnügen dabei empfinden, sich und den Sprengstoff in seiner Tasche gerade dort in die Luft zu jagen, wo er erst noch nach Sprengstoff untersucht würde. (Abgesehen davon, dass die Angestellten des privaten Sicherzeitsdienstes, die diese Kontrollaufgabe erfüllen, teilweise aussehen, als hätte man von der Strasse weg Obdachlose angeheuert, ohne ihnen die  Möglichkeit zu geben, sich vorher noch zu waschen oder frisieren. ‘Vertrauen erweckend und Kompetenz ausstrahlend’ sieht anders aus.)

Das sog. Lesezelt von innen. Verspiegelt und mit farbigen Glasfenstern

Als erstes war ich heute im sog. Lesezelt, wo eine neue Biografie von Heinrich Böll vorgestellt wurde. Da der Interviewer Mitglied der Heinrich-Böll-Stiftung war, und neben dem Biografen noch Bölls Sohn René auf der Bühne, artete das Ganze in eine Art Heldenverehrung aus – auch und gerade weil René Böll sich dagegen verwahrte, dass Böll ein sanfter Heiliger gewesen sei. So eine Beweihräucherung ist immer ein wenig bedauerlich.

Umso bedauerlicher auch, weil ich gestern am gleichen Ort einer Diskussion zwischen zwei Journalisten zugehört hatte, von denen der eine gerade ein Buch mit einer Analyse des deutsch-französischen Verhältnisses in den letzten Jahren veröffentlicht hatte. Schweizer sind traditionell EU-skeptisch, aber dass ein funktionierendes Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland auch unseren Wohlstand und unserer Sicherheit fördert, ist wohl unbestritten. Insofern habe ich gestern mit grossem Interesse zugehört.

Bei einer Buchmesse darf auch das Restaurant nicht ohne literarischen Bezug sein. Hier dienten verschiedene Ausgaben des “Guide Michelin” als Dekoration.

Zur Feier eben dieses Verhältnisses (und weil ich heute für einmal etwas Anständiges essen wollte) habe ich das extra fürs Gastland Frankreich eingerichtete Restaurant in der Halle 1 besucht. Ein Dreigänger à la française. Die Pâté des ersten Gangs war ein wenig zu trocken, dafür der Kabeljau des zweiten Gangs butterzart und der dazu servierte Kartoffelstampf exquisit. Der Apfel im Blätterteig des dritten Gangs schloss hierin nahtlos an.

Der Wein, ein trockener Weisser aus dem Süden, – eine Empfehlung des Garçon – passte ausgezeichnet. (Natürlich hatte ich schon bei der Wahl der Gänge darauf geachtet, dass ein trockener Weisswein zu allem passen würde.) Auf Grund des ein wenig zu trockenen ersten Ganges musste ich ein Glas nachbestellen. Der abschliessende Espresso hingegen geriet hingegen zu dünn, zu ‘deutsch’.

Ein kurzer Abstecher zu Orbanism, wo es darum ging, ob und wie (Buch-)Blogger mit ihren Blogs Geld verdienen könnten. Was ich in den 5 Minuten, die ich da stand, mitbekommen habe, war heisse Luft.

Das Goethe-Haus in Frankfurt – aktuell inmitten von Baustellen

Es war unterdessen 15.00 Uhr, und ich beschloss, meine Zeit nutzbringender anzuwenden: ein Besuch im Goethe-Haus bzw. Goethe-Museum. Goethes Elternhaus ist ja heute als Museum zugänglich, und auch wenn die junge Dame im Foyer meinte, dass das Haus tue, als ob es noch bewohnt sei – das Museale durchdringt es zutiefst. Die Zimmer wirken so leer und unbenutzt wie in irgend einem Museum – alleine die Tatsache, dass kein Objet direkt angeschrieben ist, ändert daran nichts.

Beeindruckend – im positiven wie im negativen Sinne – ist die grosse Treppe, die vom Erdgeschoss in die höheren Stockwerke führt. Seit ich diese Frankfurter Treppe gesehen habe, verstehe ich die riesige Treppe im Weimarer Goethe-Haus: Beide wollen repräsentativ sein, sind aber nur überdimensioniert gross und  – hässlich. Hier hat der Sohn wenig Gescheites vom Vater abgeschaut.

Nachdem ich zu Mittag fein und elegant gegessen hatte, gab’s als Abendmahl noch etwas Deftigeres: eine Schweinshaxe mit Kartoffelstampf und Sauerkraut. Satt bis zum Geht-nicht-Mehr zurück ins Hotel. Morgen geht es nach Hause.

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Ein Kommentar zu Noch mehr Frankfurter Impressionen

  1. Ich bringe hier mal noch einen das Gastland der diesjährigen FBM betreffenden Link an:

    “In der (arte-)Dokumentation aus der Reihe ‘Europa und seine Schriftsteller’ erforschen Marie Darrieussecq, Christine Angot und Jean-Christophe Bailly die geografische, emotionale und politische Topographie des heutigen Frankreichs. Die Autoren erzählen, welche Orte sie zum Schreiben anregen und welche Grenzen sie zu überschreiten versuchen. Patrick Modiano, Pierre Guyotat und Pascal Quignard, drei weitere zeitgenössische französische Schriftsteller, antworten mittels ihrer Texte auf Fragen der Zeit.”

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