Die Dämonen IV(b)

Nach dem ersten Teil von Meißners Trilogie nun auch den zweiten gelesen. Hm …

Man wird den Verdacht nicht los, dass auch hier – wie in so manchem aktuellen Fantasy- oder Science-Fiction-Mehrteiler die Geschichte künstlich aufgebläht wurde. Und wie immer sind es die Mittelteile, die leiden, weil sie unnötig verlängert werden. Teil 2 von Meißners Dämonen-Trilogie ist denn auch nur ein unnötig in die Länge gezogenes Geschlachte und Gemetzel. Und am Schluss sind alle, alle tot. Man hat irgendwie das Gefühl, der Autor will den Leser ein bisschen auf die Schippe nehmen.

Teil 1 ein bisschen, Teil 2 gewaltig kürzen – und man hätte das Ganze als einen Band herausgeben können.

Im zweiten Teil lässt sich auch – im Gegensatz zum ersten – keine wirkliche „grosse Botschaft“ herauslesen. Nun bin ich zwar sehr skeptisch, wenn ein Werk nur geschrieben wird, um eine „Botschaft“ zu verbreiten. Bölls Romane z.b. leiden praktisch alle darunter, dass der Kritik an der damaligen BRD (so berechtigt sie auch gewesen sein mag) die Handlung, die Figurenführung, völlig untergeordnet wurde. Kein Wunder, liest heute keiner mehr Bölls Romane. Aber immerhin liess sich Teil 1 von Meißners „Dämonen“ noch lesen als Botschaft über die Sinnlosigkeit jeden Kriegs, über die Sinnlosigkeit eines Geschlechterkrieges, als Parabel über die Besessenheit der Menschen von Macht, Ruhm, Ehre und ähnlichem Gedöns. Dostojewskij liess sich finden, Tolstoi. Im zweiten Teil mag allenfalls Tolstois Schilderung der Dreikaiserschlacht in „Krieg und Frieden“ im Hintergrund der ständigen Schilderung von Schlachten stehen. Nur: Tolstoi wusste seine Schilderung in den Hintergrund einer grösseren Geschichte einzubetten und er wusste, wo er damit aufhören musste. Bei Meißner macht sich irgendwann das grosse Gähnen breit.

Und das, obwohl er sprachlich auch hier sehr geschliffen zu formulieren weiss. Auch kleine Leckerbissen sind durchaus noch vorhanden: Der kleine, von seinen grossen Kollegen malträtierte Dämon, der den Auftrag fasst, in die neue Königin einzudringen, von ihr – ursprünglich einer gesunden, robusten Frau aus dem Volk, einer Soldatin – wieder ausgestossen wird und beschliesst, nicht mehr in den eigenen kleinen Körper zurückzukehren, sondern in den Körper eines riesigen, aber strohdummen – Dämons. Doch zum Schluss wird auch dem kleinen Gernegross der Garaus gemacht.

Fazit: Band 2 hätte ich nicht benötigt.

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