Henri Bergson: Das Lachen [Le rire]

Bergson war, wenn ich das richtig sehe, der erste Philosoph, der dem Komischen eine eigene Monographie widmete. (Man kann freilich darüber streiten, ob sein Élan vital Philosophie war oder nicht. Nun, ein anderer philosophischer Literaturnobelpreisträger, Bertrand Russell, hat ihm in seiner Philosophiegeschichte immerhin ein paar Seiten gewidmet.) Bergsons Theorie des Komischen lässt sich auf den…

Ferdinand Beneke: Die Tagebücher. III/2: 1814-1816

Obwohl er ebenso drei Jahre umfasst wie III/1, ist III/2 nur etwa halb so dick. Das liegt wohl daran, dass sich die politischen Ereignisse beruhigen. Zwar wird Hamburg erst einige Zeit nach dem Einmarsch der Verbündeten in Paris von den französischen Truppen verlassen, aber danach können die Hamburger, kann Beneke, wieder daran denken, sich in…

Begleitband III zu den Beneke-Tagebüchern: »Leben und Ansichten«

Nach etwas mehr als zwei Jahren ist im Wallstein-Verlag eine weitere Abteilung der Tagebücher des Hamburger Oberaltensekretärs Ferdinand Beneke erschienen. Die Herausgeber haben sich dafür entschieden, nach Teil I zuerst Teil III zu liefern; Teil II soll offenbar im Jahr 2018 folgen. Teil III enthält die Jahre 1811 – 1816 und umfasst 2 Bände eigentliches…

Robert Louis Stevenson: Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Auf den Inhalt von Dr. Jekyll & Mr. Hyde brauche ich wohl nicht einzugehen – der ist bekannt. 1886 zum ersten Mal erschienen, teilt dieser Roman mit Mary Shelleys Frankenstein das Schicksal, heute vorwiegend als Horror-Geschichte rezipiert zu werden. In beiden Fällen sind wohl die verschiedenen Adaptionen durch Funk, Film und Fernsehen in hohem Masse…

Christian Hermann Weisse: System der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee der Schönheit

Was kann man von einer Ästhetik erwarten, die geschrieben wurde von jemand, der von Beruf Theologe und von Berufung Hegelianer ist? Die Frage stellen, heisst zugleich, sie beantworten. Christian Hermann Weisse stellt eine Ästhetik auf, die dem von Hegel definierten dialektischen Dreischritt von These-Antithese-Synthese zu folgen vorgibt. Diese Vorgehensweise ist für ihn die einzig wissenschaftliche,…

Karl Leberecht Immermann: Die Epigonen

Durch diesen Roman Immermanns ist das Wort “Epigone” im deutschen Wortschatz erst heimisch geworden. Ein ganzes Kapitel – im übrigen ein Saufgelage unter zwei Freunden – ist der Entwicklung des Wortes gewidmet, welches das ganze Lebensgefühl jener Generation wiedergeben soll, die in ganz jungen Jahren noch gegen Napoléon kämpfte und später in der missglückten Julirevolution…

Charles Baudelaire: Sämtliche Werke/Briefe. Band 2: Vom Sozialismus zum Supranaturalismus. Edgar Allan Poe

(Mit dem Wechsel dieser Werkausgabe von Heimeran zu Hanser hat auch die Bandnummerierung von Römisch auf Arabisch gewechselt. Ansonsten ist der Aufbau des Inhalts identisch gehalten: zuerst die Briefe, dann weitere Texte Baudelaires, am Schluss Anmerkungen, Inhalts- und Personenregister.) Dieser Band umfasst die Periode von 1847 bis 1857. Allerdings hat man sich nicht strikt an…

Charles Baudelaire: Sämtliche Werke/Briefe. Band I: Juvenilia – Kunstkritik

Die achtbändige Werkausgabe auf Deutsch erschien ab 1977, zuerst (Band I) bei Heimeran, die übrigen Bände dann bei Hanser. Als Herausgeber für den ersten Band zeichnen Friedhelm Kemp, Claude Pichois und Wolfgang Drost. Die Anordnung der Texte ist insofern gewöhnungsbedürftig, als zuerst die Briefe stehen, gefolgt in Band I von den Jugendgedichten, Theater, der frühen…

E. T. A. Hoffmann: Rat Krespel

Seit Monaten figuriert der Name E. T. A. Hoffmanns in der Liste der 49 meist verwendeten Schlagworte, ohne dass ein einziges seiner Werke besprochen worden wäre? Leider, ja. Aber das soll sich nun ändern. Ich habe vor ein paar Tagen eine seiner kurzen Geschichten (Novellen?) wieder gelesen: Rat Krespel. Zum ersten Mal 1818 im Freimüthigen…

Gustav Meyrink: Der Golem

“Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.” So ein erster Satz kann mich bis in den Schlaf hinein verfolgen – nicht, weil er so gruselig wäre, sondern weil die verwendete Metapher so wunderlich schief hängt … Der Golem wurde 1915 zum ersten Mal veröffentlicht und…