Joris-Karl Huysmans: Die Schule der Satanisten [a.k.a.: Tief unten / OT: Là-bas]

Darstellungen des Bösen, ja verehrende Darstellungen des Bösen, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem in der französischen Literatur, beim Übergang vom Naturalismus zum Symbolismus, in Mode. Bekanntestes Beispiel ist Baudelaire mit seinen Fleurs du mal (1857), auch Lautréamonts Les chants de Maldoror (1874) dürfen nicht vergessen werden. Beide könnte Joris-Karl Huysmans…

Vincent van Gogh: Letters [Briefe]

Vincent van Goghs Mitteilungsbedürfnis muss ungeheuer gewesen sein. Er konnte – wenn er jemanden mochte und zu ihm Vertrauen gefasst hatte – stundenlang auf diesen Jemand einquatschen. Wenn ihm gerade niemand zur Verfügung stand, griff er zur schriftlichen Kommunikation. Er schrieb Briefe. Seitenlange Briefe. Hauptopfer seiner Kommunikationswut war sein jüngerer Bruder Theo. 902 Briefe sind…

Edmond & Jules de Goncourt: Manette Salomon

Gleich zu Beginn, in Kapitel 1, treffen wir die vier Protagonisten des Romans im Jardin des Plantes: Anatole, Coriolis, Garnotelle und Chassagnole. Noch sind sie junge Studenten der Malerei und Bildhauerei. Der Roman wird sie ein paar Jahre auf ihrer künstlerischen Laufbahn begleiten, und der Leser erlebt mit, wie der eine Karriere in den vorgegebenen…

Spring

Nach Herbst und Winter nun also mit Spring (Frühling) die dritte Jahreszeit, die von der Folio Society mit einer kleinen Anthologie gefeiert wird. Es hat etwas Eigenes, eine Frühlings-Anthologie an einem schönen und warmen Oktober-Nachmittag auf der Veranda zu lesen. Die Jahreszeiten geraten ein wenig durcheinander, und zum Schluss ist man nicht sicher, ob man…

The Revd James Woodforde: The Diary of a Country Parson

James Woodforde lebte von 1740 bis 1803. Seit seinem 19. Lebensjahr führte er Tagebuch. Zum Schluss sollte dieses Tagebuch 72 Notizbücher und zusätzlich über 100 lose Blätter umfassen. In England ist Woodforde recht bekannt und geniesst Kultstatus. Im deutschen Sprachraum kennt man ihn kaum – nicht einmal zu einem Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia hat…

Émile Zola: Meine Reise nach Rom

Ende Oktober 1894 reist Émile Zola mit seiner Frau nach Rom, wo sie sich runde sechs Wochen aufhalten werden. Zola benutzt den Aufenthalt, um für seinen neuesten Roman zu recherchieren. (Es handelt sich um Rome. Dieser Roman gehört nicht zum Rougon-Macquart-Zyklus, sondern ist der Mittelteil einer Trilogie namens Trois villes und kaum bekannt. Hauptfigur des…

Théophile Gautier: Mademoiselle de Maupin

Charles Baudelaire verehrte ihn, die beiden Goncourts waren mit ihm befreundet – heute ist er ein Unbekannter: Théophile Gautier, der von 1811 bis 1872 lebte. Mademoiselle de Maupin ist sein bekanntester Roman. Formal handelt es sich um einen – nicht ganz durchgehaltenen – Briefroman: Die drei Protagonisten schreiben Briefe an ihre Freunde. Nie schreiben sie…

Edmond & Jules de Goncourt: Journal. [Band 11: 1894-1896 / Beibuch / vorläufige Schlussbemerkungen]

Band 11: 1894-1896 Ironie des Schicksals: In den hier dokumentierten zweieinhalb Jahren vor seinem Tod hat sich Edmond bedeutend besser gefühlt als noch die drei Jahre davor. Seine Leberkoliken tauchen nur noch selten auf. Edmond, ansonsten ein unverbesserlicher Hypochonder, der seit Jahren und bei jeder Erkältung mit seinem baldigen Tod rechnet, plant im Frühling 1896…

Theodor Gottlieb von Hippel: Lebensläufe nach aufsteigender Linie

Theodor Gottlieb von Hippel (1741-1796), den Wikipedia den Älteren nennt, um ihn von seinem gleichnamigen Neffen und Testamentsvollstrecker zu unterscheiden, war ein hochrangiger und verdienter Verwaltungsbeamter in preussischen Diensten, Bügermeister und schliesslich Stadtpräsident von Königsberg. In dieser Funktion war er auch häufiger (Ehren-) Gast bei Immanuel Kants Mittagsmahlzeiten. Für ihre Verdienste um Preussen wurden 1790…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 8: 1886-1888

Ähnlich wie der alte Raabe betrachtet sich der alte Edmond de Goncourt seit einiger Zeit als “Romancier a.D.”; ähnlich wie der alte Goethe wird er sich selber historisch. Das macht, dass Edmond seit einiger Zeit nur noch die alten Romane von sich und seinem Bruder wieder auflegt, allerdings mit neuen Vorworten versehen. Diese Vorworte nimmt…