John Steinbeck: Logbuch des Lebens [The Log from the Sea of Cortez]

Etwas ungewöhnlich ist es ja schon, wenn sich ein gestandener Autor von Belletristik für die Fauna des Litorals der Baja Calofornia interessiert und für deren Erforschung sogar eine kleine wissenschaftliche Expedition organisiert. Der 1902 geborene John Steinbeck war 1940, zum Zeitpunkt der Reise von Monterey nach Puerto Refugio und zurück, immerhin schon beinahe 40 Jahre…

Kazuo Ishiguro: Der Maler der fließenden Welt

Ich muss gestehen: Ohne Nobelpreis wäre Ishiguro eine Name unter vielen geblieben, wahrscheinlich gemieden, weil ich mit japanischer (überhaupt asiatischer) Literatur nicht wirklich viel anfangen kann. Ishiguro ist allerdings Engländer, zog mit 6 Jahren in das Vereinigte Königreich und wurde von der westlichen Welt sicherlich ebenso sehr (stärker?) geprägt als durch seine japanischen Wurzeln. Dieser…

Sinclair Lewis: Babbitt

Babbitt probt den Aufstand Das könnte als Motto über diesem Roman des US-amerikanischen Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis stehen. George F. Babbit, das ist ein einigermassen erfolgreicher Immobilienmakler, ungefähr Mitte 40, mit einem ein bisschen mehr als nur leichtem Ansatz zur Fettleibigkeit. Er gehört in Zenith, einer fiktiven US-amerikanischen Kleinstadt im mittleren Westen, zur besseren Gesellschaft. Allerdings…

Svetlana A. Aleksievic: Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg

Nach dem ich die letzte Seite dieses Buches gelesen hatte war ich erleichtert: Diese fortgesetzten Ungeheuerlichkeiten waren nur schwer zur ertragen. Vielleicht auch deshalb, weil meine beiden Kinder genau so alt sind wie jene, von denen hier erzählt wird – besser: Die hier – 60 Jahre später – von ihrem Kindsein erzählen. Auf 320 Seiten…

Svetlana A. Aleksievic: Im Banne des Todes

Viele dieser Geschichten haben Aufnahme in den Band “Secondhand-Zeit gefunden, weshalb ich mit Fug und Recht auf diese Besprechung verweisen kann. Das, was die einzelnen Kapitel von “Im Banne des Todes” zusammenhält, ist der Bezug zum Selbstmord: Dem versuchten, von dem die Überlebenden erzählen, dem von Angehörigen, von Freunden, Bekannten. Und es scheint eine spezifische…

Svetlana A. Aleksievic: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

Ob der Krieg tatsächlich spezifisch männlich ist (was man aufgrund der Geschichte, auch der Evolution vermuten könnte) – oder ob er auch Frauen in seinen Bann zieht (was ich für nicht ganz ausgeschlossen halte), sei einmal dahingestellt. Ebenso die Frage nach der Existenz weiblicher oder männlicher Prinzipien, die je nach Geschlecht oder Geschlechterrolle unterschiedlich beantwortet…

Sinclair Lewis: It Can’t Happen Here [Das ist bei uns nicht möglich]

George Orwells Nineteen Eighty-Four hat nach dem Wahlsieg und der Inauguration von Donald Trump als Präsident der USA die Bestseller-Listen erneut erklommen. Das ist zu einem grossen Teil ein kolossales Missverständnis (worauf implizit schon Kollege Köllerer hingewiesen hat). Orwells Roman ist eine Abrechnung mit dem stalinistischen System der UdSSR im Kalten Krieg. Das Tertium comparationis…

Svetlana A. Aleksievic: Tschernobyl

Wie schon bei Secondhand-Zeit und Zinkjungen gelingt Alexijewitsch auch in diesem Buch eine höchst eindrucksvolle Dokumentation: Tschernobyl hat wie sonst nur der Afghanistan-Krieg zum Untergang der Sowjetunion beigetragen und es war in all seinen Auswirkungen symptomatisch für den Niedergang einer Großmacht. Wieder sind es die Originalzeugnisse der Betroffenen, ihre Authentizität, die zutiefst berühren, unabhängig davon,…

Svetlana A. Aleksievic: Zinkjungen

Der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979 (um das kommunistische, durch eine Putsch in der sog. April-Revolution von 1978 an die Macht gekommene Regime zu stützen – Bruderhilfe hieß das im offiziellen Jargon) sollte zu einem der zahlreichen Gründe für den Zusammenbruch des Sowjetimperiums werden. Afghanistan war das Vietnam der Kommunisten, es war ein im…

Boris Pasternak: Doktor Schiwago

Pasternaks Roman wurde vor allem durch seine Verfilmung berühmt – als auch durch die Umstände, die den Autor dazu zwangen, den Nobelpreis von 1958 nicht anzunehmen. Der Film (mit Omar Sharif in der Hauptrolle) setzt – nicht weiter überraschend – sehr stark auf die Liebesgeschichte, während man das Buch als eine Kritik an der Umsetzung…