Inhaltlich vermag der Text nicht zu überzeugen: Zumindest werden der Religionskritik keine neuen Einsichten hinzugefügt. Es werden Zweifel an den heiligen Büchern geäußert bzw. an deren Überlieferung, viel Augenmerk wird auf die Gottesverehrung gelegt (die man als lächerlich bzw. blasphemisch betrachtet, da ein mit den All-Attributen ausgestatteter Gott Derartiges nicht notwendig habe), häufig wird auch auf die zahlreichen unterschiedlichen Religionen hingewiesen (von denen alle bis auf eine falsch sein müssten) oder auf die Unmenschlichkeit des Alten Testamentes (Opferung Isaaks). Auch die Kritik an den drei Betrügern fällt konventionell aus: Sie hätten die Menschen getäuscht und betrogen, den Leichtgläubigen eine persönliche Verbindung mit dem allerhöchsten Wesen suggeriert und – insbesondere Moses – ein keineswegs untadeliges Leben geführt. Insgesamt mutet das alles wenig revolutionär, sondern eher spinozistisch, deistisch an; an Gott selbst wird nirgendwo gezweifelt, nur die Art der Verehrung, die ihm entgegengebracht wird, als dümmlich abgetan und seinen Propheten der Glaube versagt.
Bewundernswert an dieser Ausgabe ist wie so oft die Arbeit der Herausgeber: Im vorliegenden Fall also die Winfried Schröders. Mit Akribie und Hingabe wurde hier offenbar allen Quellen nachgegangen, wurden Sprachvergleiche angestellt, Überlieferungen analysiert. Für den gemeinen Leser aber birgt das Buch wenig Interessantes: Es wendet sich an den Fachhistoriker oder jemanden, der eine Monographie des Atheismus zu schreiben beabsichtigt (hier möchte ich ausdrücklich den Verfassern solcher Monographien Dank sagen: Sie ersparen zeitintensives und mühseliges Quellenstudium). Ein Wort noch zum Übersetzer Johann Christian Edelmann: Seine Kommentare sind so wenig originell wie der Text. Edelmann ist Pietist, offenkundig ebenfalls Spinozianer, der dem Buch durch seine Interpretationen etwas an Schärfe zu nehmen versucht. Diese Verteidigungen sind recht konventionell – vor allem auch deshalb, weil die zuvor geäußerte Kritik jeglicher Originalität entbehrt. Wieviel geist- und gehaltvoller hat Hume einige Jahrzehnte später seine Religionskritik gestaltet, der durch deistisches Begriffsjonglieren nicht mehr beizukommen war.
Anonymus [Johann Joachim Müller]: De imposturis religionum. (De tribus impostoribus) Hrsg. von Winfried Schröder. Stuttgart – Bad Cannstatt: frommann-holzboog 1999.