Nachtwachen. Von Bonaventura / Im Anhang: Des Teufels Taschenbuch

Jahrzehntelang plagte die zünftige Germanistik – sofern sie sich überhaupt um die Nachtwachen kümmerte – die Frage, wer hinter dem Pseudonym Bonaventura stecken könnte. Viele Namen wurden in die Runde geworfen – auch bekannte. Jean Paul – den man später selber der Autorschaft verdächtigte – brachte den Philosophen Schelling ins Spiel, andere dessen Frau Caroline….

Robert Musil: In Zeitungen und Zeitschriften I. Unselbständige Veröffentlichungen 1898-1922

Irgendjemand scheint dem Herausgeber dieser Gesamtausgabe gesteckt zu haben, dass Buchtitel wie In Zeitungen und Zeitschriften doch etwas gar Kindliches an sich haben. Nur so kann ich mir erklären, dass Band 9 den Titel ein wenig variiert; wohl, um ihn akzeptabler, ‘erwachsener’ wirken zu lassen. Auf dem Schutzumschlag finden wir zwar noch immer In Zeitungen…

Else Lasker-Schüler: Helles Schlafen – dunkles Wachen

Wie viel der persönliche Geschmack ausmacht bei der Zusammenstellung einer Auswahlausgabe, habe ich gerade festgestellt bei der Lektüre der Auswahl aus Lasker-Schülers Gedichtband Helles Schlafen – dunkles Wachen, wenn ich ihn vergleiche mit der erst vor kurzem hier vorgestellten Auswahlausgabe wir beide. Friedhelm Kemp, so heisst der Herausgeber von Helles Schlafen – dunkles Wachen, hat…

Else Lasker-Schüler: wir beide

Liebesgedichte… Else Lasker-Schüler war ein große Liebende vor dem Herrn – ob nun im realen Leben oder in ihren Gedichten. Liebe war für sie so etwas wie ein unwiderstehbares Elementarereignis – ob nun im realen Leben oder in ihren Gedichten. Im Laufe ihres Lebens liebte sie viele Männer. Und für alle schrieb sie Liebesgedichte. Einige…

Friedrich Hölderlin: Hyperion

„Diotima!“, ist wohl der erste Gedanke, der dem deutschen Bildungsbürger durch den Kopf blitzt, wenn er von Hölderlins Hyperion hört. Der zweite dann, natürlich, Susette Gontard, das Modell der Diotima, Hölderlins ‘echte, reale Diotima’. Der dritte schließlich, Hölderlins Schuldgefühle, weil er Diotima im Hyperion sterben ließ, gegen Susettes Einwände, und der nun erleben musste, wie…

Eduard Mörike: Mozart auf der Reise nach Prag

Mozart war für Mörike der Künstler κατ’ ἐξοχήν. An ihm zeigt er die Seinsbedingung und ‘Funktionsweise’ eines großen Künstlers auf. Dass er Mozart dafür auf der (tatsächlich stattgefundenen) Reise nach Prag porträtiert, ergibt durchaus Sinn. Er musste den Mann aus seiner täglichen Umgebung, aus seiner täglichen Routine, losgelöst zeigen können; nur so konnten die Reflexionen…

Johann Wolfgang Goethe: Urfaust / Faust. Ein Fragment

1775 – die Verlobung mit der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann war soeben in die Brüche gegangen – zog Johann Wolfgang Goethe von Frankfurt nach Weimar um. Im Gepäck befand sich unter anderem der Entwurf für ein Drama um den berüchtigten Magier Doktor Faustus aus dem 16. Jahrhundert. Goethe kannte wahrscheinlich das entsprechende Volksbuch, ganz sicher…

Thomas Mann: Doktor Faustus

Präludium: Mann vs. Goethe Thomas Manns Doktor Faustus hat mit Goethes Faust-Dramen wenig zu tun. Thomas Mann geht im Gegenteil zurück auf das Volksbuch, das ja auch hinter Goethes Dramen steht. (Natürlich kann sich der poeta doctus, der Mann nun einmal ist, der Anspielungen an Goethe nicht enthalten: Leverkühn – so heißt die Faust-Gestalt bei…

Johann Wolfgang Goethe: Faust. Eine Tragödie

Natürlich darf bei meinem Versuch, mir einen kleinen Überblick zu verschaffen über den Teufel in der Literatur- und Kulturgeschichte, der Teufel der deutschen Literatur nicht fehlen: Mephistopheles in Goethes Faust. Dabei handelt es sich um keine ganz leichte Aufgabe, hat doch Goethe praktisch Zeit seines Lebens immer mal wieder, und mal mehr und mal weniger,…

Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Nietzsche, der offenbar auch so etwas wie eine Bestenliste der deutschen Literatur führte, schrieb in Menschliches, Allzumenschliches: Wenn man von Goethes Schriften absieht und namentlich von Goethes Unterhaltungen mit Eckermann, dem besten deutschen Buch, das es gibt: Was bleibt eigentlich von der deutschen Prosa-Literatur übrig, das es verdiente, wieder und wieder gelesen zu werden? Lichtenbergs…