Begleitband II.2 zu den Beneke-Tagebüchern: »Krieg und Frieden«

Anstatt sich für den Titel bei Tolstoi zu bedienen, hätte Frank Hatje, der Autor, seinen rund 500-seitigen Aufsatz auch »Geschichte der Koalitionskriege in Europa, mit besonderer Berücksichtigung Hamburgs, der Hanse, Bremens und Lübecks, sowie des Hamburger Advokaten Ferdinand Beneke« nennen können. Denn genau das ist es, was als Begleitband II.2 geliefert wird. Natürlich handelt auch…

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: Ästhetik (1832/33) / Über den Begriff der Kunst (1831-33)

Er hat – auch parallel zu Hegels Ästhetik-Vorlesungen – immer mal wieder an der Universität Berlin über dieses Thema gelesen. Aber obwohl er ein paar Mal über Ästhetik las, hat Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher zu Lebzeiten nichts davon veröffentlicht. Im vorliegenden Buch haben wir seine Notizen zu einer kleinen Vortragsreihe Über den Begriff der Kunst…

Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn

Gelesen in folgender Ausgabe: Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn. Mit einer Einleitung von Kurt Oesterle sowie zusätzlichen Quellen und Materialien. Tübingen: Klöpfel & Meyer, 2017 Die zusätzlichen Quellen und Materialien bestehen vor allem aus Tagebucheinträgen Waiblingers, die er anlässlich seiner Besuche bei Hölderlin niedergeschrieben hat. Verlag und Herausgeber taten gut daran, den…

Gioachino Rossini: Il turco in Italia

Kann man, darf man im 21. Jahrhundert Rossinis Oper Il turco in Italia überhaupt noch aufführen? Seit ihrer Uraufführung an der Mailänder Scala sind über 200 Jahre vergangen, und wir sind heute bedeutend sensibler, wenn es um Themen geht wie: „Es kommt ein Fremder in unser Land und verführt uns unsere Frauen.“ Was heute als…

John Burroughs: Von der Kunst, Dinge zu sehen [The Art of Seeing Things] / Von der Heiterkeit der Landstraße [Exhilarations of the Road]

John Burroughs gilt in den USA als der legitime Nachfolger von Henry David Thoreau, zumindest, was die literarische Form des ‘nature writing’ betrifft. Man kann mit Recht behaupten, dass Thoreau diese Literaturform überhaupt erst ins Bewusstsein der Leser gebracht hat, und dass er nirgends so viele Nachfolger und Nachahmer gefunden hat, wie in den USA….

Hermann von Pückler-Muskau: Acht Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s

Fürst Pückler hat nicht nur das gleichnamige Eis erfunden. Er war vor allem ein grosser Reisender vor dem Herrn. Seine Bücher über eben diese Reisen veröffentlichte er unter dem Pseudonym Semilasso oder auch Der Verstorbene. Es waren denn auch diese Bücher, die ihn weiteren Kreisen bekannt machten. Sie sind bis heute stilbildend und richtungsweisend für…

Jewdokija Rostoptschina: Die Menschenfeindin

Übersetzer und Herausgeber Alexander Nitzberg will mit der vorliegenden Werkauswahl – erschienen dieses Jahr (2019) bei Klever in Wien – eine seiner Meinung nach im deutschen Sprachraum zu Unrecht unbekannte russische Autorin ins Bewusstsein des Publikums rufen. Ja, er nennt Jewdokija Rostoptschina im Klappentext gar die bedeutendste russische Dichterin des 19. Jahrhunderts. Rostoptschina lebte von…

Richard Wagner: Tannhäuser

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, wie der vollständige Titel der Oper lautet, wurde 1845 in Dresden uraufgeführt. Richard Wagner arbeitete den Stoff danach noch ein paar Male um, kürzte hier, fügte da noch etwas hinzu. Aber nicht nur deswegen gilt der Tannhäuser als Wagners persönlichste Oper. Es ist vor allem das Thema: Die Zerrissenheit…

Hermann Broch: Die Schlafwandler. Der erste Roman: 1888 • Pasenow oder die Romantik

Mimikry, Parodie, Pastiche: Ich bin versucht, diese drei Begriffe auf den ersten Roman der Schlafwandler-Trilogie von Hermann Broch anzuwenden. Denn sowohl von der Handlungszeit her (1888), wie von Handlungsort (Berlin bzw. dessen Umlande) und -milieu her (der Protagonist, Joachim von Pasenow, Lieutenant der Garde, stammt aus dem preussischen Landjunkertum), aber sogar im Sprachduktus erinnert vieles…

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Anlass für die erneute Lektüre dieses Buchs (ich habe bereits vor 6 Jahren hier etwas dazu geschrieben) war einerseits der Umstand, dass die Büchergilde Gutenberg 2018 eine neue, illustrierte Ausgabe des Textes herausbrachte1), andererseits der, dass ich in etwa zeitgleich mit der Entdeckung der neuen Büchergilden-Ausgabe auch entdeckte, dass sich zwei so herausragende Kenner der…