Hermann von Pückler-Muskau: Acht Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s

Fürst Pückler hat nicht nur das gleichnamige Eis erfunden. Er war vor allem ein grosser Reisender vor dem Herrn. Seine Bücher über eben diese Reisen veröffentlichte er unter dem Pseudonym Semilasso oder auch Der Verstorbene. Es waren denn auch diese Bücher, die ihn weiteren Kreisen bekannt machten. Sie sind bis heute stilbildend und richtungsweisend für…

Jewdokija Rostoptschina: Die Menschenfeindin

Übersetzer und Herausgeber Alexander Nitzberg will mit der vorliegenden Werkauswahl – erschienen dieses Jahr (2019) bei Klever in Wien – eine seiner Meinung nach im deutschen Sprachraum zu Unrecht unbekannte russische Autorin ins Bewusstsein des Publikums rufen. Ja, er nennt Jewdokija Rostoptschina im Klappentext gar die bedeutendste russische Dichterin des 19. Jahrhunderts. Rostoptschina lebte von…

Richard Wagner: Tannhäuser

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, wie der vollständige Titel der Oper lautet, wurde 1845 in Dresden uraufgeführt. Richard Wagner arbeitete den Stoff danach noch ein paar Male um, kürzte hier, fügte da noch etwas hinzu. Aber nicht nur deswegen gilt der Tannhäuser als Wagners persönlichste Oper. Es ist vor allem das Thema: Die Zerrissenheit…

Hermann Broch: Die Schlafwandler. Der erste Roman: 1888 • Pasenow oder die Romantik

Mimikry, Parodie, Pastiche: Ich bin versucht, diese drei Begriffe auf den ersten Roman der Schlafwandler-Trilogie von Hermann Broch anzuwenden. Denn sowohl von der Handlungszeit her (1888), wie von Handlungsort (Berlin bzw. dessen Umlande) und -milieu her (der Protagonist, Joachim von Pasenow, Lieutenant der Garde, stammt aus dem preussischen Landjunkertum), aber sogar im Sprachduktus erinnert vieles…

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Anlass für die erneute Lektüre dieses Buchs (ich habe bereits vor 6 Jahren hier etwas dazu geschrieben) war einerseits der Umstand, dass die Büchergilde Gutenberg 2018 eine neue, illustrierte Ausgabe des Textes herausbrachte1), andererseits der, dass ich in etwa zeitgleich mit der Entdeckung der neuen Büchergilden-Ausgabe auch entdeckte, dass sich zwei so herausragende Kenner der…

Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen. Erster Teil: Die Sprache

Im Vorwort Einleitung und Problemstellung gibt Cassirer das ursprüngliche Ziel seines hier vorliegenden Hauptwerks an: Er will den Unterschied bzw. die Gleichberechtigung der Natur- und der Geisteswissenschaften definieren – eine Diskussion, die damals in der Philosophie des Neukantianismus gerade en vogue war. (‘Ursprünglich’ deshalb, weil Cassirer dann unterm Schreiben dieses Ziel etwas aus den Augen…

Christopher Frayling: Vampyres

Vampire… Seit jenem in der Literaturgeschichte zu einem magischen Moment gewordenen Tagen im verregneten, nass-kalten Sommer 1816 – jenem Sommer, ‘der kein Sommer war’ –, als die vier Freunde Byron, Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori in der Villa Diodati am Ufer des Genfersees zusammenkamen und beschlossen, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, sind diese blutsaugenden…

Jules Massanet: Werther

Giuseppe Verdi war nicht der einzige, der einen Stoff des deutschen Sturm und Drang nahm und in eine Oper umwandelte. So etwas war im 19. Jahrhundert, vor allem in seiner zweiten Hälfte, fast eine Art Mode geworden – ähnlich wie man heute Bücher verfilmt, hat man damals Bücher „veropert“. Jules Massanets Oper hatte insofern eine…

François-René de Chateaubriand: Atala

Atala wurde dieses Jahr vom Dörlemann-Verlag in der Übersetzung von Cornelia Hasting einem breiteren deutschen Lesepublikum wieder in Erinnerung gerufen. Das ist sehr verdienstvoll. Der kleine Roman erschien 1802 zum ersten Mal, geht nun also langsam auf seinen 250. Geburtstag zu. Wie bei einer verstaubten und mit Spinnweben überzogenen Flasche Wein, die man im Keller…

Arno Schmidt: Fouqué und einige seiner Zeitgenossen

Ich gehe nicht immer mit seinen Urteilen konform. Zu selbstherrlich wollen sie mir manchmal scheinen, zu apodiktisch. Oft fällt er seine Urteile auch in Unkenntnis wichtiger Details. Er hat einmal irgendetwas über einen Autor gehört und trägt das weiter. Dieses „Irgendetwas“ kann sein Urteil über des Autors Werke gehörig beeinflussen. Im vorliegenden Fall aber bin…