Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft

Mit der Critik [sic!] der reinen Vernunft betritt Kant nicht nur für sein eigenes Denken Neuland, sondern für die Philosophie als Ganzes. Runde 10 Jahre hat er nichts Größeres mehr veröffentlicht, sondern für sich versucht, den Rationalismus Leibniz-Wolff’scher, aber auch cartesischer Ausprägung zu vereinbaren mit dem Empirismus David Humes. In ersterem war Kant in Königsberg…

E. T. A. Hoffmann: Die Elexiere des Teufels

The Monk von Gregory Lewis war zweifellos eine der Inspirationen Hoffmanns für diesen Roman. Immerhin wird Lewis’ Roman sogar im Text selber erwähnt, wo er in einer Szene auf einem Tisch herumliegt – sehr zum Entsetzen der Heroine, die darin ihr Schicksal bzw. das ihres Geliebten präfiguriert sieht. Mit diesem metatextlichen Witz bricht Hoffmann jeden…

Erika & Klaus Mann: Das Buch von der Riviera

Thomas Manns älteste Kinder haben nicht nur zusammen (mit Gustaf Gründgens) ein politisches Kabarett gegründet, sie haben auch sonst vieles zusammen (aber ohne Gründgens, teilweise dafür mit anderen Freunden, z.B. Annemarie Schwarzenbach) unternommen. Unter anderem reisten sie viel in der Welt herum und verfassten Berichte über diese ihre Reisen. Eine ihrer Lieblingsdestinationen war dabei die…

Alexander A. Bogdanow: Der rote Planet

Hätte es zum Zeitpunkt, als Bogdanow diesen Roman schrieb, schon das Internet gegeben, hätten er bzw. seine Übersetzer es sich vielleicht zwei Mal überlegt, ausgerechnet Der rote Planet (oder, in anderen Übersetzungen Der rote Stern) als Titel zu wählen. Wer heute nämlich im Netz nach Informationen zu Bogdanows Roman sucht, stößt – je nachdem, ob…

Montesquieu: Vom Geist der Gesetze [De l’esprit des loix]

Montesquieu habe – so will es der Volksmund – in seinem Werk Vom Geist der Gesetze die moderne Staatstheorie ins Leben gerufen. Er habe nämlich – so immer noch der Volksmund – darin die bis heute als klassisch und richtig geltende gegenseitige Austarierung der drei Instanzen definiert, die den Staat lenken: die so genannte Gewaltenteilung…

Joseph Roth: Reisen in die Ukraine und nach Russland

Im Sommer 1926 war Joseph Roth im Auftrag der Frankfurter Zeitung, deren zeitweiliger Mitarbeiter er darstellte, nach Russland gefahren. Die Frankfurter Zeitung war damals ein Sprachrohr der linken Intellektuellen, und eine Übersicht über ihre Mitarbeiter liest sich heute wie ein ‘Who ist who’ der damaligen Szene. (Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten einige dieser Mitarbeiter in…

Georg Heym: Das Werk

Wer weiß, welche Rolle der Dichter Heym heute inne haben würde. (…) Der frühe Tod hat dem Werk des Jungvollendeten seine letzte Prägung gegeben. So Monika A. Weißenberger am Schluss eines kurzen biografischen Abrisses zu Heym, der ans Ende der vorliegenden Werk-Ausgabe (im Jahr 2005 bei Zweitausendeins erschienen) gestellt wurde. Diese Aussagen, und die ganze…

Giordano Bruno: Über die Ursache, das Prinzip und das Eine

Vorliegender Text besteht aus fünf Dialogen – wobei der erste mit den übrigen wenig zu tun hat, sondern eine Art Replik darstellt auf die Rezeption eines früheren Werks von Bruno. Er ist höchstens diesbezüglich interessant, als Bruno nicht sehr freundlich (um nicht zu sagen: gehässig) mit seinen Kritikern umgeht. Zwar ohne einen beim Namen zu…

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

Nathan der Weise wieder zu lesen, bedeutet für mich so etwas, wie nach einer langen Reise wieder nach Hause zu kommen. Alles ist vertraut und doch immer ein bisschen anders, als man es noch in Erinnerung hatte. Ich gebe zu: Das ist natürlich das Merkmal jeden guten Texts – die Vertrautheit des Nathan aber rührt…

Michel de Montaigne: Essais. Livre second

Das zweite Buch der Essais beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Im ersten Kapitel spricht Montaigne von der Inkonsistenz in unseren Handlungen, man könnte auch von einer Inkonsequenz ausgehen. Tatsächlich ist das etwas, das sehr häufig nur im täglichen Leben anzutreffen ist, wie auch Montaigne ausführt: Man benimmt sich heute so, morgen (ja, in einer halben…