James Tiptree jr.: Sternengraben [The Starry Riff]

Tiptree selber hat für dieses Buch drei vorher unabhängig voneinander entstandene und auch publizierte Kurzgeschichten zusammen gestellt, die allerdings alle im selben Universum spielen. Das geschah, indem eine weitere Erzählung als Klammer, als eine Art Rahmenhandlung, hinzugefügt wurde. So haben wir in Sternengraben vier Kurzgeschichten vor uns: Universität Deneb, Große Zentralbibliothek (1986) [In the Gread…

H. G. Wells: Die Insel des Dr. Moreau

Ein Klassiker der SF, auf den ich während meiner Wells-Lektüre vor zwei Jahren vergessen hatte. Die Handlung ist allgemein bekannt (immerhin erlebte das Buch drei, allerdings mäßig erfolgreiche Verfilmungen): Ein Schiffbrüchiger landet auf einer Insel und muss zu seinem Schrecken feststellen, dass Dr. Moreau und sein Gehilfe Montgomery chirurgische Experimente an Tieren vornehmen, indem sie…

Cixin Liu: Die drei Sonnen [三体]

Auf dem vorderen Buchdeckel meines Exemplars klebt ein kreisrunder und knallroter Sticker: Die Sensation aus CHINA; auf dem hinteren Buchdeckel ist es sogar der Lead von dem, was ich in Ermangelung eines andern Ausdrucks den Klappentext nenne: DER WELTBESTSELLER AUS CHINA. Und natürlich darf weder vorne noch hinten der Hinweis darauf fehlen, dass dieser Roman…

Robert A. Heinlein: Starship Troopers

Heinleins berüchtigster Roman: militaristisch, faschistoid, xenophob bis hin zum Rassismus. Zugleich sein bekanntester und erfolgreichster Roman. Und eigentlich war er als der dreizehnte in seiner Serie von Juveniles gedacht gewesen, seiner Romane für die (männliche) Jugend, von denen wir mit Have Space Suit – Will Travel hier auch schon einmal einen vorgestellt haben. Das erklärt…

»Damals, das ist wie Science Fiction in die falsche Richtung« – Christian Schmid liest aus seiner Autobiografie Näbenusse

Vor ein paar Tagen wurde ich eingeladen zu einem privaten Anlass, bei dem eine Lesung von Christian Schmid Teil des Programms war. Schmid ist in der Schweiz kein Unbekannter; bis vor kurzem hatte er im Radio regelmässige Sendungen zu Fragen des Dialekts / der Dialekte und zu dialektal-umgangssprachlichen Redewendungen. Ich habe diese Sendungen selten gehört;…

Vernor Vinge: Eine Tiefe am Himmel

Der vorliegende Roman ist die Fortsetzung dieses Buchs, seine Handlung verweist allerdings auf Geschehnisse, die zeitlich zuvor anzusiedeln sind. Das Bindeglied beider Romane ist die Figur des Pham Nuwen, der – als Kind in einer mittelalterlichen Kultur aufgewachsen – durch einen Besuch einer viel weiter fortgeschrittenen Zivilisation aus diesem Leben herausgerissen wird und auf einem…

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Anlass für die erneute Lektüre dieses Buchs (ich habe bereits vor 6 Jahren hier etwas dazu geschrieben) war einerseits der Umstand, dass die Büchergilde Gutenberg 2018 eine neue, illustrierte Ausgabe des Textes herausbrachte1), andererseits der, dass ich in etwa zeitgleich mit der Entdeckung der neuen Büchergilden-Ausgabe auch entdeckte, dass sich zwei so herausragende Kenner der…

Nick Bostrom: Superintelligenz

Ein anstrengendes, sonderbares, manchmal kluges, dann wieder abstrus anmutendes Buch über die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Wobei ich festhalten will, dass es sich hier – auch wenn manche Thesen abenteuerlich anmuten und viele Erwägungen wie SF klingen – um einen Autor handelt, der weiß, wovon er schreibt, keinen Schreiberling (wie etwa hier), der schnell des…

Vernor Vinge: Ein Feuer auf der Tiefe

Vernor Vinge gehört zu den renommiertesten SF-Autoren; für das vorliegende Buch wurde ihm der “Hugo-Award” für den besten SF-Roman des Jahres zuerkannt (diesen Preis erhielt er auch für den Nachfolgeband “Eine Tiefe am Himmel”. Und tatsächlich scheinen diese Lobeshymnen nicht ganz unberechtigt: Obgleich ich anfangs aufgrund der zahlreichen Erzählstränge einigermaßen skeptisch war, gelingt es Vinge…

Paul Scheerbart: Lesabéndio

Arno Schmidt hielt ihn für einen bunten Projekteur mit beschränkter Haftung, Adolf Bartels bezeichnete ihn als den blödsinnigsten aller deutschen Symbolisten, und für Otto Julius Bierbaum war er schlicht ein weiser Clown. […] Für Walter Benjamin war Scheerbart daher ein großer Erdenbürger … der in einer Sprache, die so klar und farblos ist wie Glas…