Jules Verne: Die Jangada. 800 Meilen auf dem Amazonas

1881 entstanden, also 10 bis 20 Jahre nach den Romanen, für die Verne heute bekannt ist, teilt Die Jangada mit einigen davon Vernes Faszination durch Zahlen – ob möglichst gross (20’000 Meilen unter dem Meer 1869, 5 Wochen im Ballon 1863), oder möglichst klein (In 80 Tagen um die Welt 1873). Hier also nun im…

Zhou Xingsi: Der 1000-Zeichen-Klassiker

Selber Verlag (Reclam), selbe Übersetzerin (Eva Lüdi Kong), fast identische äusserliche Ausstattung und selbes Herkunftsland (China) wie die vor zwei Jahren erschienene Reise in den Westen – dennoch will mir scheinen, dass der Rummel um den 1000-Zeichen-Klassiker bedeutend kleiner ist und war, als der um jene Reise. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sich auch Presse…

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Anlass für die erneute Lektüre dieses Buchs (ich habe bereits vor 6 Jahren hier etwas dazu geschrieben) war einerseits der Umstand, dass die Büchergilde Gutenberg 2018 eine neue, illustrierte Ausgabe des Textes herausbrachte1), andererseits der, dass ich in etwa zeitgleich mit der Entdeckung der neuen Büchergilden-Ausgabe auch entdeckte, dass sich zwei so herausragende Kenner der…

Giulia Enders: Darm mit Charme

Vor etwa vier oder fünf Jahren landete die Medizinstudentin Giulia Enders mit diesem Buch einen Überraschungscoup. Praktisch aus dem Nichts eroberte sie Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste in der Kategorie Sachbuch, um dort über Monate zu bleiben. Dazu kamen Interviews in den angesehensten Zeitungen und Zeitschriften, Auftritte in diversen Talkshows im TV. Einige davon habe ich…

Harald Kretzschmar: Stets erlebe ich das Falsche. Der alternative Künstlerreport

Noch bin ich ja Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft. Und als solches habe ich vor ein paar Wochen nicht nur die neueste Nummer der Vereins-Zeitschrift erhalten (allerdings beschlossen, dass ich sie hier nicht mehr speziell vorstellen werde), sondern auch praktisch gleichzeitig das hier vorliegende Buch des Pirckheimers Harald Kretzschmar – als eine Art Bonus wohl. Man wird…

Literaturcamp Heidelberg 2018 (1)

Tag 1 des diesjährigen Literturcamps. Ich habe im Vorfeld geschrieben, dass ich mit geringen Erwartungen an den ersten Tag heranginge; diese Erwartungen haben sich bestätigt. Es war – leider! – im Grossen und Ganzen den ganzen Tag durch sehr wenig Literarisches zu hören oder sehen. Mehr und mehr gewinne ich den Eindruck, dass das Literaturcamp…

›Marginalien… 228. Heft

N° 228 der Marginalien ist die erste Nummer, die von der neuen Redaktion unter Till Schröder präsentiert wird. Es scheinen im Hintergrund etwelche Kabbeleien vor sich gegangen zu sein; als Mitglied in einem Aussenbezirk bekommt man so was ja nicht mit. Was ich sagen kann: Viel Neues bringt zumindest diese Nummer nicht. Das einzige, das…

Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

Kaum hatte sich der Roman als eigene literarische Form er- und zu einer eigenen Form gefunden, kam einer daher, der ihn auch schon wieder dekonstruierte: Laurence Sterne mit seiner fiktiven Autobiografie des Tristram Shandy. Die Geschichte brauche ich wohl nicht vorzustellen, diese Autobiografie, in der der Autor bis zur Mitte des dritten Bandes braucht, um…

Marcel Proust: Das Flimmern des Herzens [Les intermittences du cœur]

Aus den französischen Druckbogen erstmals übersetzt, mit einem Anhang und einem Vorwort versehen von Stefan Zweifel. Berlin: Die Andere Bibliothek, 2017. Ich würde dieses Buch ohne zu zögern in die Kategorie „Bücher, die die Welt nicht braucht“ einordnen, was nicht daran hindert, dass ich es gern gelesen habe und gut finde. Aber im Grunde genommen…

Ovid: Liebeskunst

Ovids Liebeskunst muss ich wohl nicht speziell vorstellen: Drei Bücher sind es; im ersten erklärt Ovid den Männern, wo und wie sie am besten Frauen und Mädchen finden, die bereit sind zu flirten (und mehr), im zweiten, wie sie die einmal eroberten Damen zu einem festen und länger dauernden Liebesverhältnis bringen; im dritten schliesslich, dem…