Bret Harte: Muck-a-Muck

„Muckamuck“ stammt ursprünglich aus einer indianischen Pidgin-Sprache des amerikanischen Nordwestens. Das Wort hatte dort die Bedeutung von ‘Essen’, fand aber den Weg in die Umgangssprache der Weissen, wobei sich die Bedeutung verschob hin zu ‘Autoritätsperson’. Der Grund für diese Bedeutungsverschiebung lässt sich höchstens erraten, aber im Sinne von ‘Autoritätsperson’ oder ‘Häuptling’ muss es auch Bret…

Britische und US-amerikanische Horror-Stories von 1839 bis 2015

Anlass zu dieser Sammelbesprechung ist die dieses Jahr bei der Folio Society in London erschienene Anthologie The Folio Book of Horror Stories. Als Herausgeber zeichnet Ramsay Campbell. Von ihm stammt auch eine der Stories in diesem Buch. Die Anthologie enthält nur britische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen; vielleicht habe ich jemand kanadischen Ursprungs übersehen –…

Joaquim Maria Machado de Assis: Das babylonische Wörterbuch

Machado de Assis ist heute im deutschen Sprachraum sicher bekannter, als er es vor 20 Jahren noch war, zu jener Zeit, da ich ihn für mich entdeckte. Das mag, wie es der Verfasser des Nachworts der vorliegenden Auswahlausgabe, Manfred Pfister, meint, damit zusammenhängen, dass Brasilien in diesen letzten Jahren zwei Mal Gastland der Frankfurter Buchmesse…

H. C. Andersen’s Sämmtliche Märchen

Deutsch von Julius Reuscher. Illustrirt von Ludwig Richter, Theodor Hosemann, Graf Pocci und Oscar Fletsch. Zwölfte vermehrte Auflage mit über hundert in den Text gedruckten Holzschnitt-Illustrationen, fünf Tonbildern. Volks-Ausgabe. Leipzig: Ernst Julius Günther, 1875. Gelesen in folgendem Reprint: Hans-Christian [sic!] Andersen: Andersen’s Sämmtliche Märchen. Dresden: Fachbuch-Verlag Dresden, 2013. Ob Reuschers Ausgabe wirklich sämmtliche Märchen Andersens…

Jorge Luis Borges: 25. August 1983 und andere Erzählungen

Normalerweise werden die Bände der Bibliothek von Babel immer mit einem Vorwort des Herausgebers Jorge Luis Borges eingeleitet. Das ist hier nicht der Fall. Hier stammt es von Martin Gregor-Delling; viel wichtiger und interessanter als diese Einleitung ist aber das am Schluss folgende Interview, das María Esther Vázquez mit Borges geführt hat (Borges gleich Borges),…

Arthur Conan Doyle: »Heute dreimal ins Polarmeer gefallen«

Doyle muss als 20-Jähriger über eine ungeheuer robuste Konstitution verfügt haben. Jener Tag, der den Eintrag provozierte, und der der deutschen Ausgabe zum Titel diente, war ja nicht der einzige Tag, an dem er ins eiskalte Wasser fiel. Schon gleich am ersten Tag, an dem die Mannschaft auf Robbenjagd auf die Eisschollen gelassen wurde, geschah…

Stephen Crane: Das offene Boot und andere Erzählungen

Stephen Crane (1871-1900) ein literarischer Geheimtipp, wie es der Klappentext meiner Ausgabe will? Nun, wer ihn sucht, wird ihn in jenem Menschenhaufen finden, der das Cover des berühmten Beatles-Album Sgt. Pepper’s ziert. Ich für meinen Teil kannte ihn dennoch nicht. Die der Sammlung den Titel gebende Kurzgeschichte Das offene Boot hat aber eindeutig grosse literarische…

Adelbert von Chamisso, Friedrich de la Motte Fouqué, Karl Wilhelm Salice-Contessa: Der Roman des Freiherrn von Vieren / Karl Wilhelm Salice-Contessa: Das Bild der Mutter / E. T. A. Hoffmann: Der Doppeltgänger

Erklären wir zunächst den recht umständlichen Titel unseres Aperçus – dann haben wir auch schon das Buch vorgestellt: 1814 traf sich einmal pro Woche ein Kreis von Literaten in Berlin. Dies geschah in einem Kaffeehaus oder in der Wohnung von Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, einem Juristen in preussischen Diensten, der aus Verehrung zu Mozart seinen…

August Strindberg: Das Leben der Schärenleute [Skärkarlsliv]

Ursprünglich wollte Strindberg eine Fortsetzung zu den Hemsöern schreiben, einen weiteren Roman mit mehr oder weniger denselben Figuren. Selbst Carlsson sollte wieder auferstehen. Wollte … oder sollte … oder doch vielleicht ‘musste’? Denn Strindberg tat sich schwer. Eigentlich hätte er lieber Dramen geschrieben, oder über die Situation der Frau. Nur: Solche Dinge verkauften sich schlecht,…

Richard Adams Locke: Neueste Berichte vom Cap der Guten Hoffnung über Sir John Herschel’s höchst merkwürdige astronomische Entdeckungen, den Mond und seine Bewohner betreffend

‘The Great Moon Hoax‘ war die erste absichtlich fabrizierte Zeitungsente in der Geschichte des Journalismus. Verantwortlich dafür gemacht wird im Allgemeinen Richard Adams Locke, auch wenn noch andere Namen zirkulieren. Worum geht es? Mit Start 25. August 1835 erschien in der New Yorker Zeitung The Sun eine Serie von sechs Artikeln, in denen behauptet und…