Jack Kerouac: Traumtagebuch [Book of Dreams]

Ursprünglich waren diese Texte nicht zur Veröffentlichung gedachte Niederschriften von Träumen, die Kerouac tatsächlich geträumt hatte, und die er jeweils sofort nach dem Erwachen, noch im Halbschlaf, notierte. 1961 dann entschloss er sich doch zur Publikation – wenigstens eines Teils seiner Notizen. Dieser Ausgabe von 1961 (nicht der ungekürzten von 2001!) folgt auch die vorliegende…

James Tiptree jr.: Sternengraben [The Starry Riff]

Tiptree selber hat für dieses Buch drei vorher unabhängig voneinander entstandene und auch publizierte Kurzgeschichten zusammen gestellt, die allerdings alle im selben Universum spielen. Das geschah, indem eine weitere Erzählung als Klammer, als eine Art Rahmenhandlung, hinzugefügt wurde. So haben wir in Sternengraben vier Kurzgeschichten vor uns: Universität Deneb, Große Zentralbibliothek (1986) [In the Gread…

Conrad’s Congo

„Kongo“ – der Name steht für einige der grausamsten Verbrechen, die sich der weisse Mann je gegenüber den Indigenen Schwarzafrikas hat im Rahmen des Kolonialismus zu Schulde kommen lassen. Ja, für einige der grausamsten Verbrechen, die sich überhaupt ein Volk oder eine Rasse gegenüber andern Völkern hat zu Schulde kommen lassen. Und das sagt viel,…

Robert Louis Stevenson: Der Strand von Falesá

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Robert Louis Stevenson auf der Südsee-Insel Samoa. Was er dort sah und hörte, radikalisierte seine politischen Ansichten: Er stand der kolonialistischen ‘Mission’ der Weissen zusehends kritischer gegenüber. Neben entsprechenden Artikeln in britischen Zeitungen entstand in diesem Zusammenhang auch die vorliegende Erzählung. Falesá ist eine fiktive Insel (oder ein fiktiver Ort auf…

Dorothy Parker: New Yorker Geschichten [The Portable D. P.]

Hemingway war stolz darauf, als seine Stories an Parkers The Big Blonde von 1929 gemessen wurden. Was Dorothy Parker dazu sagte, weiss ich nicht. Die beiden, Parker und Hemingway, waren zwar – trotz unterschiedlicher Meinung, die Stellung der Frau betreffend – befreundet; aber Dorothy war berüchtigt dafür, dass ihre spitze Zunge auch Freunde nicht verschonte,…

Georges Simenon: Das Rätsel der Maria Galanda

Offen gestanden, bin ich kein Fan von Georges Simenon. Und ich war nie ein Fan von Simenon. Selbst in jener Epoche, als ich Kriminalromane am Laufmeter verschlang, habe ich zwar den einen oder andern Maigret gelesen, aber – obwohl ich keineswegs US-amerikanische Hard Boiled oder Noirs las (bis heute nicht) – mir war Maigret immer…

Dorothy L. Sayers: Hangman’s Holiday [Das Bild im Spiegel, auch: Der Mann, der Bescheid wußte]

1928 erschien unter dem Titel Lord Peter Views the Body die erste Sammlung mit Kriminal-Kurzgeschichten von Dorothy L. Sayers. 1933 folgte mit dem hier vorliegenden Hangman’s Holiday dann die zweite. Dass im Titel der zweiten Sammlung ihr Star-Detektiv Lord Peter Wimsey nicht erwähnt wird, liegt ganz einfach daran, dass er von den hier versammelten 12…

Bret Harte: Muck-a-Muck

„Muckamuck“ stammt ursprünglich aus einer indianischen Pidgin-Sprache des amerikanischen Nordwestens. Das Wort hatte dort die Bedeutung von ‘Essen’, fand aber den Weg in die Umgangssprache der Weissen, wobei sich die Bedeutung verschob hin zu ‘Autoritätsperson’. Der Grund für diese Bedeutungsverschiebung lässt sich höchstens erraten, aber im Sinne von ‘Autoritätsperson’ oder ‘Häuptling’ muss es auch Bret…

Britische und US-amerikanische Horror-Stories von 1839 bis 2015

Anlass zu dieser Sammelbesprechung ist die dieses Jahr bei der Folio Society in London erschienene Anthologie The Folio Book of Horror Stories. Als Herausgeber zeichnet Ramsay Campbell. Von ihm stammt auch eine der Stories in diesem Buch. Die Anthologie enthält nur britische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen; vielleicht habe ich jemand kanadischen Ursprungs übersehen –…

Joaquim Maria Machado de Assis: Das babylonische Wörterbuch

Machado de Assis ist heute im deutschen Sprachraum sicher bekannter, als er es vor 20 Jahren noch war, zu jener Zeit, da ich ihn für mich entdeckte. Das mag, wie es der Verfasser des Nachworts der vorliegenden Auswahlausgabe, Manfred Pfister, meint, damit zusammenhängen, dass Brasilien in diesen letzten Jahren zwei Mal Gastland der Frankfurter Buchmesse…