Daniel E. Lieberman: Unser Körper

Habe ich bei diesem Buch die kursorische und teilweise oberflächliche Behandlung moniert, so erfüllt Lieberman genau diesen meinen Wunsch mit dem vorliegenden Buch auf geradezu ideale Weise. Fachlich kompetent, verständlich, aber doch anspruchsvoll, beschreibt er den Werdegang unseres Körpers über die letzten 6 Millionen Jahre und zeigt damit die immense Bedeutung eines solchen Wissens für…

Isabelle Stengers: Wem dient die Wissenschaft?

Wenn heute von “Mächten” gesprochen wird, die einer genaueren Defintion ermangeln und auf nicht genau feststellbare Weise auf die Welt einwirken – zumeist in einem systemerhaltenden Sinn – dann vermutet man meistens – zu Recht – einen rechtspopulistischen Hintergrund. Dem war aber nicht immer so: Noch bis vor 20 Jahren (und das vorliegende Buch ist…

Manfred Spitzer: Cyberkrank!

Spitzer gehört zu den vehementesten Kritikern der “neuen Medien” und wurde vor allem über das Buch “Digitale Demenz” bekannt. In vorliegenden Werk wiederholt er weitgehend seine Thesen und konstatiert eine ganze allgemeine “Cyberkrankheit”, die Schlaflosigkeit und Depressionen ebenso verursachen (soll) wie mangelnde Empathie oder auch ein Wiedererstarken von Geschlechtskrankheiten. Ich bin bei der Beurteilung dieses…

Franz M. Wuketits: Naturkatastrophe Mensch

Der Titel dieses Buches ist reißerisch und vermittelt eine falsche Vorstellung: Denn es geht weniger um die “Naturkatastrophe Mensch” (obschon das letzte Kapitel dem gewidmet ist), sondern um das Fortschrittsdenken in der Geschichte bzw. im evolutionären Bereich. Wobei Wuketits die Ansicht vertritt, dass es gerade dieses Denken ist, dass uns zu vielen höchst fragwürdigen Entwicklungen…

Peter Farb: Die Indianer

Wer sich eine kompetente und gut geschriebene Einführung in die nordamerikanischen Indianerkulturen wünscht ist mit diesem Buch hervorragend beraten. Und das, obwohl das Buch bereits Ende der 60er Jahre unter dem Titel “Man’s Rise to Civilization” erschienen ist (die deutsche Erstausgabe stammt von 1971). Farb orientiert sich in seiner Gliederung an der Größe der Gesellschaften:…

Michel Onfray: Wir brauchen keinen Gott: Warum man jetzt Atheist sein muß

Onfray ist es in seinen Büchern nicht um Wissenschaftlichkeit zu tun, sondern um Provokation, um griffige Formulierungen und bedient sich einer Sprache, die diesen offensiven Anspruch unterstreicht. Allerdings kann reine Polemik keine Argumente ersetzen und so ist dieses Buch weniger eine Kampfschrift für eine post-christliche und laizistische Ethik, sondern ein eher peinliches Pamphlet, das dem…

Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard: Postfaktisch

Ein überraschend kluges und lesenswertes Buch zu diesem Thema, das eine wirklich durchdachte Analyse dessen bietet, was seit einigen Jahren als Fake News durch die Medien geistert. Zwar sind viele Beispiele aus dem Trump-Wahlkampf (und der anschließenden Regierungsperiode) entnommen, es werden aber die prinzipiellen Mechanismen solcher Kampagnen durchleuchtet. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Aufmerksamkeitsökonomie: Wir…

Karsten Brensing: Das Mysterium der Tiere

Karsten Brensing, Meeresbiologe und Verhaltensforscher, geht in diesem Buch der Frage nach, inwieweit Tiere zu einem Verhalten fähig sind, das man allgemein als spezifisch menschlich bezeichnen würde. Er anaylsiert u. a. sexuelle, kulturelle und kommunikative Verhaltensweisen und kommt zumeist zu dem Schluss, dass all diese Dinge keineswegs Alleinstellungsmerkmale des Menschen darstellen. Das klingt spannend und…

Edgar Zilsel: Die Geniereligion

Edgar Zilsel hat sich später noch ausführlicher mit dem Geniebegriff auseinandergesetzt und versucht, sich mit einer entsprechenden Arbeit zu habilitieren, ein Versuch, der durch den Widerstand konservativer Kreise an der Wiener Universität gescheitert ist. Das vorliegende Buch kann als Grundlage für die Habilitationsschrift bezeichnet werden, es nähert sich dem Geniebegriff nicht auf historische, sondern soziologische,…

Thomas Fischermann: Der letzte Herr des Waldes

Das Volk der Tenharim ist ein Brudervolk der Piraha, dem Daniel Everett ein durchaus bemerkenswertes Buch gewidmet hat. Thomas Fischermann geht von einem anderen Ansatz aus: Er lässt Madarejúva erzählen, einen jungen Krieger der Tenharim, der an der großen Transamazonica lebt und beide Welten kennengelernt hat – die einer technisierten Zivilisation und jene seiner Vorfahren…