Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes

Noch zu seiner Zeit in Jena konzipiert, stellt Hegels Phänomenologie des Geistes dessen ersten Versuch dar, sein Denken in systematischer Form nieder zu legen. Und wenn wir „Hegels Denken“ sagen, so meinen wir – oder meint zumindest Hegel selber – auch schon in dieser frühen Schrift das Denken des Weltgeistes. Denn die schon in dieser…

Denis Diderot: Jacques der Fatalist und sein Herr

Vor uns liegt Diderots Alterswerk – und es ist von einer verblüffenden Modernität. Es könnte praktisch genau so auch im 21. Jahrhundert geschrieben worden sein und hätte auch als Werk des 21. Jahrhunderts noch das Zeug, die Literaturkritik der ganzen Welt in Lobeshymnen ausbrechen zu lassen. Schon damals gefiel es ausnehmend, zum Beispiel den deutschen…

Denis Diderot: Die geschwätzigen Kleinode [Les Bijoux indiscrets]

(Wie) Gehen Aufklärung und Erotik zusammen? Diderot hat diese Frage in seinem Erstlings-Roman ausgelotet, und ich finde seinen Lösungsvorschlag so schlecht nicht. Die geschwätzigen Kleinode sind jene Teile der weiblichen Anatomie, die dem Geschlechtsakt dienen. Geschwätzig werden sie in diesem Roman, weil der Protagonist, ein Sultan namens Mangogul, Herrscher über das Reich Congo in Afrika,…

Marie von Bunsen: Im Ruderboot durch Deutschland. Auf Flüssen und Kanälen in den Jahren 1905 bis 1915

Beinahe wäre sie kaiserliche Hofdame geworden (denn ihre Familie galt etwas in Preußen, am Hof!), dann aber starb Friedrich III. im so genannten ‘Dreikaiserjahr’ nach nur 99 Tagen Regierungszeit und die Sache war erledigt. Ich glaube nicht, dass Marie von Bunsen dem entgangenen Posten allzu sehr nachtrauerte. Zu unabhängig scheint sie mir, zu sehr mit…

Adam Smith: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations [Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker]

Smith gehört zu jener recht großen Menge schottischer Philosophen der Aufklärung, die wir vor allem mit dem Namen von David Hume verbinden und deren Zentrum die Universitäten von Edinburgh und Glasgow waren. Auch Smith studierte und lehrte dort: Er war in Glasgow Student von Frances Hutcheson und später auch dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhl für…

Robert Musil: In Zeitungen und Zeitschriften I. Unselbständige Veröffentlichungen 1898-1922

Irgendjemand scheint dem Herausgeber dieser Gesamtausgabe gesteckt zu haben, dass Buchtitel wie In Zeitungen und Zeitschriften doch etwas gar Kindliches an sich haben. Nur so kann ich mir erklären, dass Band 9 den Titel ein wenig variiert; wohl, um ihn akzeptabler, ‘erwachsener’ wirken zu lassen. Auf dem Schutzumschlag finden wir zwar noch immer In Zeitungen…

Johann Wolfgang Goethe: Urfaust / Faust. Ein Fragment

1775 – die Verlobung mit der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann war soeben in die Brüche gegangen – zog Johann Wolfgang Goethe von Frankfurt nach Weimar um. Im Gepäck befand sich unter anderem der Entwurf für ein Drama um den berüchtigten Magier Doktor Faustus aus dem 16. Jahrhundert. Goethe kannte wahrscheinlich das entsprechende Volksbuch, ganz sicher…

Denis Diderot: Rameaus Neffe

Habent sua fata libelli: Als ich dieses römische Sprichwort vor ein paar Tagen zitiert hatte, ging es um ein ganz bestimmtes Exemplar eines Buchs aus meiner Bibliothek. Diesmal denke ich an das Schicksal des Textes, der als Rameaus Neffe veröffentlicht worden ist. Und zwar veröffentlicht erst einige Jahre nach Diderots Tod im Jahre 1784. Zu…

Heinrich Schmidinger (Hrsg.): Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen

Gemäß Klappentext handelt es sich hier um ein Projekt von „Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas“. Darauf, warum für dieses Projekt ausgerechnet das Thema „Toleranz“ gewählt wurde, finde ich keine Hinweise. Und warum Graz – das ja über eine eigene Universität verfügt, die auch keine schlechten Professoren ihr eigen nennt (jedenfalls war das so zu meiner Zeit)…

Gustav Roskoff: Geschichte des Teufels

Bis heute ist, wer etwas über die Geschichte des Teufelsglaubens in Europa erfahren will, auf dieses Buch aus dem Jahre 1869 angewiesen. Keiner hat vor oder nach Roskoff das Thema je halb so erschöpfend bearbeitet, oder auch nur aufgegriffen. (Erschöpfend: Immerhin umfasste die Originalausgabe in 2 Bänden rund 1000 Seiten. Vor mir liegt ein photomechanischer…