Peter Handke: Die morawische Nacht

Handke und der Nobelpreis für Literatur 2019 Jede Besprechung eines Buchs von Peter Handke muss heute wohl mit einem Schwenker hin zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur an diesen Autor beginnen. Insbesondere, wenn sie – wie in meinem Fall – tatsächlich dem Umstand geschuldet ist, dass das Buch nur gelesen wurde, weil seinem Autor dieser…

Longos: Daphnis und Chloë [ΛΟΓΓΟΥ ΠΟΙΜΕΝΙΚΩΝ ΤΩΝ ΚΑΤΑ ΔΑΦΝΙΝ ΚΑΙ ΧΛΟΗΝ ΛΟΓΟΣ ΠΡΩΤΟΣ]

Darüber, ob der Verfasser des kleinen Romans Daphnis und Chloë überhaupt „Longos“ geheißen habe, oder ob dies nicht ein Abschreibfehler in der einen von den beiden Handschriften aus dem 10. Jahrhundert gewesen sei, die die ältesten Überlieferungszeugen darstellen, streiten sich die Fachleute. Die zweite, im Allgemeinen als zuverlässiger geltende Handschrift hat an Stelle von „Longoi“…

Norbert Scheuer: Winterbienen

Das Tagebuch des Egidius Arimont während des Jahres 1944 in der Eifel: Er, der wegen seiner Epilepsie für den Wehrdienst untauglich ist (und von seiner Umgebung deshalb scheel angesehen wird), widmet sich seiner Bienenzucht, erotischen Abenteuern und – weil er für nichtverfügbare Medikamente seiner Krankheit wegen Geld braucht – verdingt sich als Fluchthelfer für verborgene…

Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Ein Jahr im Leben des Ivo Trifunovic, eines berühmten, begnadeten Fußballprofis (offensichtliches Vorbild für die Kunstfigur war der österreichische Nationalspieler Marko Arnautovic, mit dessen Lebenslauf viele der Daten des Protagonisten übereinstimmen). Das Buch hat es auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft und überaus positive Rezensionen erhalten. Warum ist mir nach der Lektüre nicht wirklich…

Saša Stanišic: Herkunft

Stanišic erzählt – wie der Titel anzeigt – von seiner Herkunft. Geboren 1978 in Bosnien-Herzegowina muss er 1992 aus Višegrad (an der Grenze zu Serbien gelegen) mit seiner Mutter fliehen und wächst in Deutschland (Heidelberg) auf. Es ist ein aktuelles Buch, ein Buch über das Fremdsein, Ausgrenzung, über Freundschaften und Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten….

Tom Liehr: Sommerhit

Aufmerksam wurde ich auf den Autor durch diesen Artikel, dem ich grosso modo zustimme (obschon die conclusio, dass Kunst einfach alles dürfe, selbstredend Unsinn ist: Kunst darf viel, hat sich aber an den juristisch-gesellschaftlichen Rahmen zu halten wie jede andere Äußerung auch). Und so sind bei meiner letzten Buchbestellung denn auch zwei Romane von Liehr…

Marie Darrieussecq: Unser Leben in den Wäldern [Notre vie dans les forêts]

Marie: so heißt die Ich-Erzählerin dieses kleinen Romans, und so heißt auch die Autorin. Die Ich-Erzählerin hat keinen Familiennamen. Dafür hat sie denselben Beruf ausgeübt wie die Autorin: Psychoanalytikerin. Beide haben diesen Beruf aufgegeben; beide haben ihn fürs Schreiben aufgegeben. Viel mehr, als dass sie bis 2017, also bis zu dem Erscheinungsjahr von Notre vie…

Evelyn Waugh: Black Mischief [Schwarzes Unheil / auch: Die schwarze Majestät]

Ort der Handlung: Azania, eine fiktive Insel an der Ostküste Afrikas. (Und London.) Zeit der Handlung: Evelyn Waughs Gegenwart. Inhalt der Handlung: Schon vor Jahrhunderten wurde die indigene, schwarze Bevölkerung, bestehend aus zwei miteinander verfeindeten Völkern, zuerst von den Portugiesen, danach von arabischen Kaufleuten von den Küsten der Insel in deren Inneres gedrängt. Lange konnten…

Graham Greene: The Comedians [Die Stunde der Komödianten]

Schon früh zu Beginn des Romans erklärt Graham Greene die Bedeutung des Titels, bzw. er lässt sie von einem seiner Protagonisten, ‘Major’ Smith, erklären: I divide the world into two parts – the toffs and the tarts. The toffs can do without the tarts, but the tarts can’t do without the toffs. I’m a tart….

Friedrich Heinrich Jacobi: Romane II – Woldemar

Mme de Staël hielt Jacobi für den größten lebenden deutschen Philosophen – auch und gerade wegen seines Woldemar. Goethe hingegen soll sich über dieses Werk lustig gemacht haben. Nun sind beider literaturkritischen oder gar philosophischen Fähigkeiten nicht über jeden Zweifel erhaben. Im vorliegenden Fall tendiere ich eindeutig dazu, dem Deutschen Recht zu geben. Frau von…