Friedrich Heinrich Jacobi: Romane I – Eduard Allwill

Unter dem Titel Eduard Allwill veröffentlichen die Herausgeber der Kritischen Ausgabe von Jacobis Werken zwei Fassungen desselben Textes: Eduard Allwills Papiere von 1776 und Eduard Allwills Briefsammlung von 1792, denen sie jeweils Varianten zuzählen. Die erste Fassung, mit einem (anonymen) Zitat von Goethe einsetzend, Lavater und Shaftesbury zitierend, orientiert sich in Stil und Inhalt stark…

Philip K. Dick: Ubik

Ubik ist eine Verballhornung des lateinischen Wortes „ubique“, das so viel bedeutet wie „überall“. In der englischen Sprache kennt man den Wortstamm durch den Begriff „ubiquitous“ – „allgegenwärtig“, „universell“. (Auch im deutschen gäbe es das Fremdwort „ubiquitär“ – aber wer kennt das schon?) Ubik wird zu Beginn eines jeden Kapitels in einer Art Überschrift erwähnt…

Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht

Helene erwacht aus dem Koma, ihre rechte Seite ist gelähmt, sie ist verwirrt, desorientiert. Ein Aneurysma ist Ursache für diesen ihren Zustand und langsam, ganz langsam begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Leben, ihrer Vergangenheit, nach verlorenen Erinnerungen. So wird Stück um Stück ihr Leben rekonstruiert, ein Leben mit einem Mann, mit fünf…

Blanca Imboden: heimelig

Langsam nähert man sich ja dem Alter, in dem das Thema „Altersheim“ mehr wird, als nur eine theoretische Möglichkeit an einem fernen Horizont. Mehr als etwas, von dem man den sich sträubenden Opa, die abwehrende Mama zu überzeugen versucht. Die heutige Gesellschaft bietet kaum noch die Möglichkeit, jene althergebrachte Familienform zu leben, wo mehrere Generationen…

Stephen Crane: Maggie, das Straßenmädchen. Georges Mutter.

Auf Crane wurde ich durch Sandhofers Besprechung aufmerksam und habe die dort besprochenen Erzählungen mit großem Vergnügen und einigem Erstaunen ob der beeindruckenden Fähigkeiten des Autors gelesen. Die beiden hier vorliegenden Erzählungen (Kurzromane) haben einen anderen thematischen Hintergrund, es sind naturalistische Milieustudien und keine Schilderungen abenteuerlich-spannender Ereignisse. Naturalistische Literatur ist ein zweischneidiges Schwert: Der klassische…

Robert Musil: Bücher I

Nun hat es also auch diese kritische Werkausgabe erwischt. Sechs lange Bände, den ganzen Mann ohne Eigenschaften hindurch, sah es so aus, als ob die neue, von Walter Fanta herausgegebene Musil-Ausgabe durchlaufen würde, wie ein heißes Messer durch Butter. Doch nun dies: Beim Auspacken von Band 7 blickte mich nicht – wie noch im Anhang…

Vernor Vinge: Der Besserwisser

Vinge gehört für mich zu den interessanteren SF-Autoren, zwei – recht umfangreiche – Romane habe ich im Blog gelobt (hier und hier). Der Besserwisser ist kürzer, dadurch zum Teil weniger gut ausgearbeitet, aber trotzdem sehr lesbar. Menschen kolonisieren den Weltraum (die Handlung spielt in einer nicht genauer definierten Zukunft) und landen – ausgehend vom Planeten…

Johann Karl Wezel: Herrmann und Ulrike

Wieland meinte bei dessen Erscheinen 1780 zu Herrmann und Ulrike: Der beste Roman, der mir jemals vor Augen gekommen. Leider äußerte er diese Ansicht nur privat; gegen außen, z.B. in seinem Teutschen Merkur schwieg er. Was daran lag, der er sich vier Jahre zuvor, beim Erscheinen von Belphegor, mit Wezel, seinem ehemaligen Protégé, verkracht hatte….

Erwin Uhrmann: Toko

Nach einem einleitenden Zitat aus Horaz’ Oden lernen wir Erich kennen. Erich ist Literaturwissenschafter an der Universität Wien, spezialisiert in Weltuntergangsszenarien. Als solcher ist er über den Umweg einer alten Beschreibung, wie an der englischen Südküste ein Teil des aus Kreidefelsen bestehenden Ufers vom Meer verschlungen wurde, zu einem Lehrauftrag in Bath gekommen, wo gerade…