Franzobel: Lusthaus oder die Schule der Gemeinheit

Dies ist einer der früheren Romane Franzobels (im Gegensatz zum “Floß der Medusa”), was man – leider – auch merkt. Denn die Geschichte um einen der auszog, um das “gemein sein” zu lernen, wirkt allzu bemüht, wie Pennälerhumor, dessen Verkünder die anstrengende hormonelle Umstellung noch nicht allzu lang hinter sich gelassen haben. Es handelt sich…

Vernor Vinge: Ein Feuer auf der Tiefe

Vernor Vinge gehört zu den renommiertesten SF-Autoren; für das vorliegende Buch wurde ihm der “Hugo-Award” für den besten SF-Roman des Jahres zuerkannt (diesen Preis erhielt er auch für den Nachfolgeband “Eine Tiefe am Himmel”. Und tatsächlich scheinen diese Lobeshymnen nicht ganz unberechtigt: Obgleich ich anfangs aufgrund der zahlreichen Erzählstränge einigermaßen skeptisch war, gelingt es Vinge…

Britische und US-amerikanische Horror-Stories von 1839 bis 2015

Anlass zu dieser Sammelbesprechung ist die dieses Jahr bei der Folio Society in London erschienene Anthologie The Folio Book of Horror Stories. Als Herausgeber zeichnet Ramsay Campbell. Von ihm stammt auch eine der Stories in diesem Buch. Die Anthologie enthält nur britische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen; vielleicht habe ich jemand kanadischen Ursprungs übersehen –…

Edward FitzGerald: Rubáiyát of Omar Khayyán

Es kommt wohl nicht so oft vor, dass man durch einen Kriminalroman auf einen persischen Lyriker aus dem aus dem 12. Jahrhundert u.Z. aufmerksam wird. Nun war Rex Stout ein sehr belesener Mann, und so bin ich durch seinen Nero-Wolfe-Krimi Der rote Stier (OT: Some buried Ceasar) auf Omar Chayyām, oder wie er im Englischen…

Paul Scheerbart: Lesabéndio

Arno Schmidt hielt ihn für einen bunten Projekteur mit beschränkter Haftung, Adolf Bartels bezeichnete ihn als den blödsinnigsten aller deutschen Symbolisten, und für Otto Julius Bierbaum war er schlicht ein weiser Clown. […] Für Walter Benjamin war Scheerbart daher ein großer Erdenbürger … der in einer Sprache, die so klar und farblos ist wie Glas…

Robert Seethaler: Das Feld

Reminiszenzen aus dem Grab: Verstorbene berichten von ihrem Leben in Paulstadt, einem kleinen Ort in Deutschland (Österreich? – überall?), sie erzählen von ihrem Leben, ihrem Scheitern, ihren Erfolgen. Langsam wird daraus ein kleinstädtisches Panorama, werden Verbindungen sichtbar, Tragödien, die kleinen Verzweiflungen und Schicksalsschläge, die im Leben derer, die da erzählen, die Welt bedeuteten. Ich habe…

James Baldwin: Von dieser Welt

James Baldwin ist ein us-amerikanischer Klassiker, der in jüngster Zeit eine Renaissance erlebt: So werden seine Bücher neu übersetzt, auch entsprechend beworben. Ob eine solche Renaissance notwendig, berechtigt ist, kann ich nach der Lektüre seines Erstlingswerkes (Originaltitel: Go Tell it on the Mountain) nicht unbedingt bestätigen: Das ist ganz gut geschrieben, das ist – und…

Sigismund Krzyżanowski: Münchhausens Rückkehr

Es gibt literarische Figuren, die zum Mythos geworden sind. Die meisten dieser Mythen stammen – was unsern Kulturkreis betrifft – aus dem antiken Griechenland: Prometheus, Odysses etc. Die Neuzeit, also die Zeit seit der Renaissance, hat kaum weitere Mythen hervorgebracht. Am bekanntesten noch Don Juan, der ewige Frauen-Verführer. Vor allem im deutschen Sprachraum gesellt sich…

Rex Stout: Der rote Stier [OT: The Red Bull (Ersterscheinung als gekürzte Zeitschriften-Version) / Some Buried Caesar (Buchausgabe)]

Marxismus, purer Marxismus … (Allerdings Fraktion Groucho.) Einmal mehr verlässt Nero Wolfe, der sein Brownstone in New York nie verlässt, eben dieses und auch New York. Er begibt sich in die Provinz, um sich dort an einer Orchideen-Ausstellung mit seinem schärfsten Rivalen zu messen, denn der lässt die New Yorker Ausstellungen systematisch aus, um Wolfe…

Nathalie Azoulai: An Liebe stirbt man nicht [Titus n’amait pas Bérénice]

Titus hat seine Geliebte Bérénice verlassen und ist zurückgekehrt zu seiner Frau Roma und den gemeinsamen Kindern. Diese Story ist simpel, ja banal. Doch aus solchem Stoff werden grosse Tragödien der Weltliteratur gemacht. Dem Zürcher Secession Verlag für Literatur ist sein Mut hoch anzurechnen, einen Roman der im deutschen Sprachraum wenig bekannten Nathalie Azoulai ins…