Yuval Noah Harari: Homo Deus

Hararis “Menschheitsgeschichte” war ein Bestseller und das vorliegende Buch scheint sich ebenfalls ausgezeichnet zu verkaufen. Marketingtechnisch also alles bestens, allerdings ist ein Gutteil der Kritik, die ich in der Besprechung seines Erstlings äußerte, auch auf “Homo deus” anwendbar. Oft weitschweifig, dann wieder unnötig vereinfachend und pauschalierend und auch strukturlos, sodass man sich bisweilen fragt, welches…

Michiko Kakutani: Der Tod der Wahrheit

Trotz beschränkter Zeit ein paar Zeilen zu einem Buch, das sich ein längeres Lob verdient hätte. Kakutani ist nach meinem Dafürhalten die erste, die den Abgesang auf die Wahrheit bis zurück zu den Anfängen der Postmoderne auf überzeugende Weise dargestellt hat, bis zu Derrida, der mit poststrukturalistischen, dekonstruktivistischen Ansätzen schon vor 50 Jahren die Deutungshoheit…

Harro Heuser: Unendlichkeiten. Nachrichten aus dem Grand Canyon des Geistes.

Eine kleine Philosophiegeschichte unter dem Blickwinkel der Unendlichkeit, wobei es vor allem um Unendlichkeiten im mathematischen Sinne geht (Heuser ist Mathematiker). Dennoch führt das Thema alsbald in philosophische Untiefen und in theologische Abgründe, denn selbstredend sind die Theologen angetan von einem Begriff, der kaum definierbar und gerade deshalb wunderbar geeignet ist, ein wichtiges Attribut für…

H. Welzer, S. Moller, K. Tschuggnall: “Opa war kein Nazi”

Wie sind die Deutschen mit ihrer Geschichte umgegangen abseits der offiziellen Geschichtsschreibung – welches Bild der nationalsozialistischen Zeit wurde innerhalb der Familie tradiert bis in die Enkelgeneration? Diesem Antagonismus (denn ein solcher sollte es sein) sind die Autoren in dieser Studie nachgegangen, indem sie knapp 200 Personen (inklusive Kinder- und Enkelgeneration) allein und in der…

Ngũgĩ wa Thiong’o: Träume in den Zeiten des Krieges

Ngũgĩ wa Thiong’o ist Jahrgang 1938: 25 Jahre nach seiner Geburt wurde Kenia aus der Kolonialherrschaft entlassen. Und so sind die hier dargestellten ersten 15(?) Lebensjahre die Schilderung eines damals selbstverständlich anmutenden Systems der Rassentrennung, der Unterdrückung der Einheimischen, die bestenfalls als billige Arbeitskräfte angesehen wurden (es gab sogar Bestrebungen, nur die kräftigen Babys der…

Eugen Ruge: Metropol

Eugen Ruge war mir gerade einmal dem Namen nach bekannt, als einer jenen vielen, die ab und zu einen Literaturpreis gewinnen und die ephemere Bekanntheit durch vermehrte Produktion in klingende Münze verwandeln. Ohne nun ein anderes Buch als das vorliegende von ihm zu kennen, dürfte dies eine Fehleinschätzung gewesen sein: Denn “Metropol” ist ein mehr…

Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte

Francis Fukuyama verkündete zu Beginn der 90er (nach dem Zusammenbruch des Ostblocks) das “Ende der Geschichte” und wollte im Sinne klassischer Theorien Universalgeschichte schreiben: Geschichte also, die auf ein Ende zustrebt, ein Telos besitzt (und deren Eigenart darin besteht, das sie stets dann endet, wenn der betreffende Universalgeschichtsschreiber sein Werk schreibt). Für ein derartiges Vorhaben…

Eveline Hasler: Die Wachsflügelfrau

Die Werke der Autorin wurden mir von berufener Stelle empfohlen (ich kannte bislang noch nicht mal ihren Namen) – und das, soweit man dies nach nur einem Buch zu beurteilen vermag – durchaus zu Recht. Ihren Büchern liegen zumeist Lebensläufe historischer Persönlichkeiten zugrunde, Persönlichkeiten, die als Vorreiter und Vorkämpfer für eine Sache, eine Vision eintraten….

Daniel L. Schacter: Aussetzer

Daniel Schacter, ein Psychologieprofessor an der Harvard University in Cambridge, ist vor allem mit Büchern über die verschiedenen Formen des Erinnerns (respektive Vergessens) bekannt geworden. Im vorliegenden Buch analysiert er sieben verschiedene Fehlleistungen unseres Gedächtnisses, die jedem mehr-weniger bekannt sind. Er beginnt mit der Transienz, dem ganz natürlichen Verblassen von Erinnerungen (was denn aber so…

Alexander Carius, Harald Welzer, Andre Wilens (Hrsg.): Die offene Gesellschaft und ihre Freunde

Nach der ersten Euphorie der Willkommenskultur wurde das Raunen aus rechten und nationalistischen Ecken immer lauter: Dem entgegenzuwirken haben Alexander Carius und Harald Welzer eine Art wanderndes Diskussionsforum gegründet, um über die unterschiedlichen Implikationen der “Flüchtlingskrise” (und eine der Autorinnen des Buches hat Recht, wenn sie es lächerlich findet, wenn wir von “Krise” sprechen, Krisen…