August Strindberg: Das Leben der Schärenleute [Skärkarlsliv]

Ursprünglich wollte Strindberg eine Fortsetzung zu den Hemsöern schreiben, einen weiteren Roman mit mehr oder weniger denselben Figuren. Selbst Carlsson sollte wieder auferstehen. Wollte … oder sollte … oder doch vielleicht ‘musste’? Denn Strindberg tat sich schwer. Eigentlich hätte er lieber Dramen geschrieben, oder über die Situation der Frau. Nur: Solche Dinge verkauften sich schlecht, und Strindberg brauchte Geld. Schliesslich wurde aus dem zweiten Roman eine Sammlung von Kurzgeschichten über verschiedene Schärenbewohner. Es kommen sogar einige „Hemsöer“ vor, unter z.T. nur leicht anderen Namen, aber in denselben Rollen. Carlsson z.B. finden wir tatsächlich auf dem Altenteil wieder: In Höjer übernimmt den Hof selbst schildert Strindberg den Kleinkrieg zwischen dem ‘alten’ und dem ‘jungen’ Bauern. Der verbauerte Pfarrer erlebt in Der Elch des Pastors, was es heisst, von den ‘Grossen’ zur Jagd geladen zu werden – nämlich viel Ärger, viel Dreck und … kein Elch.

Strindbergs Protagonisten erinnern immer wieder an welche von Jean Paul, nämlich die Träumer und Verträumten, die durchs Leben flattern wie ein Schmetterling und es sich schön träumen. Das Schulmeisterlein Wutz steht so offensichtlich hinter dem Romantischen Küster auf Rånö, dass es mich wundert, wenn die Herausgeberin und Übersetzerin Angelika Grundlach in ihrem Nachwort kein Wort darüber verliert.

Die vielleicht stärkste Geschichte trägt den schlichten Titel Der Verbrecher. Strindberg verarbeitet darin eine Kritik am schwedischen Gerichtswesen ebenso wie eine Kritik an dem, was in seiner Zeit als Wissenschaft galt – dem von Lombroso gestifteten Glauben nämlich, an Hand der Schädelform etwas über den Charakter eines Menschen aussagen zu können. Doch die wirklich gute Pointe hat Strindberg leider gestrichen, und wir erfahren sie erst aus dem Anhang. (Der nun wiederum im separaten vierten Band meiner Sammlung Bis ans offene Meer zu finden ist. Die Unsitte, Nachwort und Sacherklärungen in einen separaten Band zu packen, habe ich schon bei der Vorstellung des ersten Bandes, Die Hemsöer moniert. Die bibliografischen Angaben entnehme man bitte dort.)

Alles in allem tatsächlich eine leichte Lektüre – ohne deswegen seicht zu sein. Keine Geschichte stellt einen ganz grossen Wurf darf; keine aber fällt beträchtlich ab.

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