Kwame Anthony Appiah: Identitäten

Appiah ist seines Zeichens Philosoph (und betont mehrmals diese seine Berufung), könnte aber auch als Sonntagspredigtenschreiber reüssieren. Denn das vorliegende Buch ist ein mittlere Katastrophe: Eine ungeheure Aneinanderreihung von Banalitäten und Trivialitäten; und dort, wo er sich zu einer Meinung abseits des substanzlosen Toleranzgeschwafels durchringt, ist es von peinlich anmutender Einfalt. (Nachträglich frage ich mich,…

Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum

Stirner ist nur ein Beispiel für das Versagen einer ganzen Generation der Intelligentsia. Mit diesem Satz beendet Ahlrich Meyer, der Herausgeber meiner Ausgabe des Einzigen (Reclam Universalbibliothek Nr. 3057 aus dem Jahr 1981), sein Nachwort – oder genauer: einen Anhang zum Nachwort von 1970/71, das er für die Neuauflage von 1981 noch zusätzlich verfasst hatte….

Heinrich Schmidinger (Hrsg.): Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen

Gemäß Klappentext handelt es sich hier um ein Projekt von „Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas“. Darauf, warum für dieses Projekt ausgerechnet das Thema „Toleranz“ gewählt wurde, finde ich keine Hinweise. Und warum Graz – das ja über eine eigene Universität verfügt, die auch keine schlechten Professoren ihr eigen nennt (jedenfalls war das so zu meiner Zeit)…

Gustav Roskoff: Geschichte des Teufels

Bis heute ist, wer etwas über die Geschichte des Teufelsglaubens in Europa erfahren will, auf dieses Buch aus dem Jahre 1869 angewiesen. Keiner hat vor oder nach Roskoff das Thema je halb so erschöpfend bearbeitet, oder auch nur aufgegriffen. (Erschöpfend: Immerhin umfasste die Originalausgabe in 2 Bänden rund 1000 Seiten. Vor mir liegt ein photomechanischer…

C. S. Lewis: The Screwtape Letters / Screwtape Proposes a Toast [Dämonen im Angriff. 31 Briefe; a.k.a.: Dienstanweisung für einen Unterteufel / Streng dämokratisch zur Hölle]

Wenn man sich über den Teufel lustig macht, dann verliere er die Macht über den Menschen. So der gläubige Christ Lewis, und er zitiert in seinem Motto gleich zwei Autoritäten dazu: Martin Luther und Thomas Morus. Im Übrigen widmete er die Screwtape Letters seinem Freund J. R. R. Tolkien. Da weiß man wenigstens gleich, woran…

John Gaskin: The Traveller’s Guide to Classical Philosophy

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist dieser „Reiseführer zur antiken Philosophie“ entstanden aus einer Art Vorlesungen, die John Gaskin regelmäßig auf Kreuzschiffen in der Ägäis hielt oder noch hält. Der Titel ist allerdings ein wenig irreführend. Erst ganz am Schluss finden wir zwei Karten – eine Gesamtübersicht des Mittelmeerraums und eine Detailansicht der griechischen…

Olga Tokarczuk: Die Jakobsbücher

Oder – so der Untertitel – Eine große Reise über sieben Grenzen, durch fünf Sprachen und drei große Religionen, die kleinen nicht mitgerechnet. Eine Reise, erzählt von den Toten und von der Autorin ergänzt mit der Methode der Konjektur, aus mancherlei Büchern geschöpft und bereichert durch die Imagination, die größte natürliche Gabe des Menschen. Den…

Jürgen Habermas über Glauben und Wissen

Eine Veranstaltung im Rahmen des Literaturfestivals «Zürich liest ’19». Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass eine Veranstaltung über den sich als säkularen Philosophen begreifenden Habermas ausgerechnet in der sog. ‘Jesuiten-Bibliothek’ in Zürich stattfand. Allerdings scheint mir Habermas selber einige Schuld daran zu tragen. Natürlich war Jürgen Habermas nicht persönlich anwesend. Sondern, gemäß Beschreibung der…

Rüdiger Lohlker: Die Salafisten

Rüdiger Lohlker ist Professor für Islamwissenschaften an der Uni Wien und bringt unzweifelhaft das entsprechende Fachwissen für ein Buch zu diesem Themenbereich mit. Dass es trotzdem ein eher zweifelhaftes, manchmal langweilendes Lesevergnügen ist, liegt zum einen an überbordendem Name-dropping (die Zahl der hier zitierten Interpreten des Koran oder der Hadithen ist Legion, leider erschöpfen sich…

Max Henning: Der Teufel

Hätte ich den Verlagsnamen bei der Bestellung des Buches gesehen, so wäre wohl nichts geworden aus einer Lektüre. (Zu allem Überfluss liest man auf der ersten Seite noch, dass dieser “Druck ausschließlich der esoterischen Forschung” diene, mit kaum einem Hinweis hätte man mich leichter an einer Lektüre hindern können. Deshalb war die (positive) Überraschung umso…