Keller, Joyce und Lenin auf der Spur: Führung durch die Bibliothek der Museumsgesellschaft

Eine Veranstaltung im Rahmen des Literaturfestivals «Zürich liest ’19».

Ich zitiere aus der Ausschreibung dieser Veranstaltung:

Die Bibliothek der Museumsgesellschaft hat eine lange Geschichte im Zürcher Kulturleben und beherbergt in ihren Lesesälen viele Erstausgaben und Raritäten. Bibliotheksleiterin Mirjam Schreiber erzählt von der Geschichte der Bibliothek, führt durchs Haus und zeigt einige Schätze aus dem Magazin.

Das ist ungefähr auch, was stattfand. Der Titel der Ausschreibung war insofern irreführend, als der einzige Keller, der vorkam, der war, in dem die Museumsgesellschaft ihre Bücher lagert – denn längst nicht alle sind im Lesesaal direkt greifbar.

Die Museumsgesellschaft ist, anders als es ihr Name vermuten lässt, eine Lesegesellschaft – eine der wenigen, die sich ins 21. Jahrhundert retten konnten, nachdem sie, wie so viele andere in der Schweiz und anderswo, im 19. Jahrhundert gegründet wurde, um dem steigenden Lese- und Informationsbedürfnis des langsam zu Geld und Geltung gekommenen Bürgertums gerecht zu werden.

Noch heute kann man Mitglied werden, denn noch heute ist die Museumsgesellschaft rechtlich gesehen ein Verein wie jeder andere. Es waren – und das erklärt den Titel der Veranstaltung, mit Ausnahme des Kellers – auch bekannte Persönlichkeiten unter den Mitgliedern: Eben jener Lenin im Exil, Joyce (der hier, will die Sage der Gesellschaft, Teile seines Ulysses geschrieben haben soll (mit Blick auf den Zürichsee)), und auch jener andere russische Exilant, Leo Trotzki. Faksimiles ihrer Mitgliedsausweise durften wir bestaunen.

Die Bücher übrigens, die wir zu sehen bekamen, waren meist sog. Hardcover, gehobene Belletristik (leicht gehobene Belletristik!) – was sich halt ein Kaufmann so als anspruchsvollen Lesestoff für den Feierabend vorstellt. Da die Museumsgesellschaft immer noch neue Bücher kauft, aber keine Bestandesbücher entsorgt, wird sie, so Mirjam Schreiber, spätestens 2023 ein Platzproblem haben, weil bis dann auch der Keller mit Büchern vollgestopft sein wird. Auslagern wird wohl unumgänglich, auch wenn dabei die Herzen der Gesellschafter bluten.

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