The Secret Life of Pets

Regie: Christ Renaud, Yarrow Cheney. Stimmen: Louis C.K., Eric Stonestreet, Kevin Hart u.v.a.m. Illumination Entertainment und Universal Pictures, 87 Minuten. 2016.

Gestern war ich wieder einmal im Kino. Der Film Pets ist hierzulande freigegeben ab 6 Jahren, also liessen sie mich rein 🙂 . (Im Ernst: Ich fürchte, dass mich eine übermässige Lektüre als Cinéasten verdorben hat. Ich bin es mir gewöhnt, dass ich meine Lektüre – ob Sachbuch oder Roman – an jeder beliebigen Stelle unterbrechen kann, sowie vor- und zurückblättern ad libidum. Filme im Kino wollen mich zwingen, einer Story in ihrem Rhythmus zu folgen, was mir widerstrebt. Bei Filmen zu Hause kann ich zwar unterbrechen, und auch vor- und zurückspulen1), aber der Aufwand ist grösser und ich scheue ihn dennoch.)

Die Story von Pets ist simpel, die Gags gut getimt, wenn auch meistens vorhersehbar: Der Terrier Max und sein neuer Kumpel Duke kommen beim Gassi gehen mit einem zerstreuten Dog-Sitter abhanden. Ihre Abenteuer – zu einem grossen Teil im New Yorker Abwassersystem, wo sie auf eine ganze Bande von Menschen ausgesetzter Haustiere stossen, die nun nichts Geringeres im Sinn haben, als sich an der gesamten Menschheit fürs Ausgesetzt-worden-Sein zu rächen – sind herzhaft übertrieben. (Tom und Jerry lassen grüssen.) Max’ selbsternannte Freundin Gidget (ein Chihuahua (?)) organisiert ein paar weitere Haustiere des Viertels, in dem Max lebt, und macht sich auf die Suche nach ihm. Pünktlich zum Feierabend, wenn die Herrchen und Frauchen des Quartiers von der Arbeit zurück nach Hause kommen, sind alle, alle wieder zu Hause. Selbst der ach so böse Zwerghase – der Anführer der Abwasser-Bande – hat ein Zuhause gefunden in Form eines kleinen Mädchens, das ihn von der Strasse weg adoptiert hat. (Tierschützerische Bedenken ob eines solchen Vorgehens sind offenbar in den USA unbekannt.)

Dafür sind literarische Anspielungen zu finden – ob gewollt oder nicht, kann ich nicht beurteilen: Dass das Böse (eben jener Zwerghase, der die Bande der ausgesetzten Tiere anführt) im Abwassersystem, also im Untergrund der Grossstadt haust, hat seit Eugène Sues Mystères de Paris und Victor Hugos Les misérables Tradition und wurde auch z.B. in The Third Man verwendet. Nach dem Pariser und dem Wiener Abwassersystem ist nun also das New Yorker an der Reihe. Im übrigen ist, selbst wenn wir uns gerade in einem weniger reichen Viertel befinden, das New York dieses Films romantisiert; gold-rote Herbstfarben bestimmen die (reichlich gezeigte!) Natur ebenso wie die Architektur der (mit Vorliebe gezeigten!) Häuser des 19. Jahrhunderts.

Und natürlich verweist die Solidarität, die Max’ Freunde an den Tag legen, um ihn zu finden und nach Hause zu bringen, auf eine in den USA hoch gepriesene Tugend und Verhaltensform. Diese Mentalität des “Alle für einen, einer für alle!” ist zwar auch dort mehr Theorie als Praxis – aber dieser Animationsfilm will ja auch kein realistisches Abbild des Lebens in New York geben.

Alles in allem habe ich schon viele Stunden meines Lebens nutzloser verbracht als diese 1½ Stunden, die ich mit Pets zubrachte.


1) Ob dieser Begriff, der auf eine unterdessen veraltete und obsolet gewordene Technik zurück verweist, je durch einen andern ersetzt werden wird?

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