Stockholm vom Wasser aus / Die Schären (Artipelag: Bloomsbury Spirit)

Stockholm vom Wasser aus ist eine ganz andere Stadt als Stockholm an Land. Vieles kann man nur vom Wasser aus sehen; vom Wasser aus hat man den Überblick besser, der an Land rasch verloren geht. So haben wir denn eine Sight-Seeing-Bootstour gebucht.

Das königliche Schluss mit Ampel – (c) 2018 litteratur.ch

Weil uns bis zur Abfahrt des Bootes noch genügend Zeit blieb, besuchten wir vorher das kungliga slottet, das königliche Schloss, gleich am Rand der Stockholmer Altstadt. Es wird offenbar von der königlichen Familie noch heute benutzt. Ich stelle mir das ein wenig seltsam vor, wenn man als Prinzessin im Pyjama aus dem Fenster in den eigenen Garten schaut, Zahnbürste im Mund, Schaum vor demselben – und da spazieren ein paar Touristen und winken dir zu… Je nun. Mehr als die umsonst zugänglichen Teile des Schlosses haben wir nicht besichtigt. Dazu reichte die Zeit nicht; ausserdem habe ich keine Lust, jemandem, der 10 Wohnsitze sein eigen nennt, den Unterhalt derselben durch Bezahlen von Eintrittsgeld zu ermöglichen.

Von der Sight-Seeing-Fahrt selber habe ich keine Bilder. Es ist schwer, durch Glasfenster hindurch brauchbare Bilder hinzukriegen, und so habe ich es gar nicht erst versucht. Aber, wie gesagt: Man erhält gleich einen ganz anderen Überblick über Stockholm, und so leisteten wir uns vergnügt und zufrieden ein ausgezeichnetes Abendessen, wie immer begleitet von einem ebenso ausgezeichneten Craft-Bier.

Am nächsten Tag dann gleich noch eine Bootsfahrt – diesmal etwas weiter hinaus, in die Schären, genauer gesagt nach dem Artipelag, einer Art Kunstzentrum / Kunstmuseum / Galerie auf Värmdö, einer Schäre östlich von Stockholm. Die zur Zeit Strindbergs noch dünn besiedelten und weitestgehend unwirtlichen Inseln und Inselchen dieses Archipels sind heute – zumindest in der Nähe Stockholms – recht dicht bewohnt. Auch die Bevölkerungsstruktur hat sich geändert: keine Kleinbauern-Betriebe mehr, die Sommerhäuser und -wohnungen vermieten, wie zu Strindbergs Zeiten. Was früher Sommerhäuschen für ein paar wohlhabende Stockholmer waren, sind heute Ganzjahres-Residenzen bzw. -Häuser von Pendlern. Entsprechend sind die Inseln mit Brücken und Autobahnen unter einander und mit Stockholm verbunden. Hinten in der Garage steht der Volvo, vorne am Wasser oder im Bootshaus liegt das Motorboot vor Anker. Das wirkt von vorne und bei schönem Wetter, wie wir es am Morgen bei der Hinfahrt hatten, recht pittoresk und romantisch – bei schlechterem Wetter, wie am Nachmittag, kriegt man bereits eine Vorahnung von der Weltuntergangsstimmung, die Strindberg am Ende der Hemsöer schilderte. (Und dabei herrschte nur ein leichter Wind und etwas Nieselregen…)

Haupteingang des Artipelag – (c) 2018 litteratur.ch

Die Ausstellung zur Bloomsbury-Gruppe ist zwar klein, aber exzellent aufgebaut. Sie gibt einen kurzen Überblick über die weit verzweigten Interessen der Gruppe: Malerei (als Aussteller beschäftigte sie v.a. der (Post-)Impressionismus (van Gogh!) – als Maler waren sie eher kubistisch veranlagt), Literatur, Buchdruck, Mode- und Möbeldesign, Innenarchitektur etc. etc. Das eine oder andere der Ausstellungsstücke würde sich auch heute gut in einer Wohnung oder an einem Körper machen. Dazu wird auch das recht komplizierte Liebesleben der «Bloomsburyaner» nicht unter den Tisch gewischt. Die Ausstellung steht (auch in den schwedischen Unterlagen!) unter dem Motto: Bloomsbury Spirit – They loved in triangles. They lived in circles. They painted in squares. Natürlich kann eine Ausstellung auf ein paar Quadratmetern und ein Ausstellungskatalog von gerade mal 35 Seiten das komplizierte Aussen- und Innenleben jener Gruppe, von der heute Virginia Woolf die bekannteste Vertreterin ist, niemals ganz erschöpfen. Im Museumsshop liegt aber etwelche weiterführende Literatur zum Kauf auf, die meiste davon auf Englisch.

Umwege – (c) 2018 litteratur.ch

Ich habe in der Ausstellung selber nicht fotografiert. Draussen im Wald (übrigens ein Naturschutzgebiet!) stehen noch ein paar Statuen unabhängig von der Bloomsbury-Ausstellung – dieser Teil heisst Omvägar / Detour, und davon habe ich das eine oder andere Bild geschossen. Die Fotos sind, da sich der Himmel unterdessen mit Wolken überzogen hatte und es zu nieseln begann, leider etwas arm an Kontrast.

 

PS. Das Essen im zum Artipelag gehörenden Restaurant kann ich – auch wenn es sich um Self-Service handelt – durchaus empfehlen. Insbesondere die Süssigkeiten zum Dessert…

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