Briefe von und an Hegel. Nachträge zum Briefwechsel, Register mit biografischem Kommentar, Zeittafel

Herausgegeben von Friedhelm Nicolin. Hamburg: Felix Meiner, 3. völlig neu bearbeitete Auflage 1981. (= Philosophische Bibliothek 238b). Das Buch stammt bereits aus einer Zeit, als man seine Klassiker zwar noch in Leinen mit Fadenheftung gebunden, aber schon nicht mehr mit farbigem Oberschnitt versehen hat, und als ein Lesebändchen noch nicht als nec plus ultra der Buchausstattung galt.

Die dritte Auflage des Anhangbandes mit Dokumenten und Materialien wurde völlig neu gestaltet, was u.a. dazu führte, dass dieser Band zu umfangreich wurde und in a und b gesplittet werden musste. Der ursprüngliche Herausgeber, Johannes Hoffmeister, war längst verstorben, und so übernahm Friedhelm Nicolin diesen Job. Er entschied sich, Band 4 in die Teilbände Dokumente und Materialien zur Biografie und Nachträge und Register zu teilen. Mit diesem, nun hier vorgestelltem Nachtragsband ist diese Ausgabe von Hegels Briefwechsel abgeschlossen.

Auch in den Nachträgen finden sich keine Briefe von philosophischer Bedeutung. Ein Billet an den erzkonservativen Franz von Baader, in dem er mit ihm zusammen den religiösen Kotzebuanism verurteilt, ist einer der wenigen erhaltenen Briefe Hegels, in denen er sich explizit zur Tagespolitik äussert. Wie weit er in naturwissenschaftlicher Hinsicht mit Baader übereinstimmte, lässt sich nur aus dem Briefwechsel nicht erkennen. Wir finden einen ausführlichen Entwurf eines Briefes an Goethe, in dem Hegel seine naturwissenschaftliche Position erläutert, die der Goethes ziemlich ähnlich war. (Wenn mich etwas bei Hegel noch interessieren könnte, wären es seine Beziehungen zu den Naturwissenschaften, die sich zu seiner Zeit gerade in einem Umbruch befanden, sich hin zu dem entwickelten, was wir heute als „Naturwissenschaft“ bezeichnen, aber vor allem in Deutschland auch seltsame „romantische“ Auswüchse annahmen wie den Mesmerismus und eine Liebe für Okkultes.)

Zwei weitere, frühe Briefe an Goethe werden „annulliert“, weil es sich in der Zwischenzeit herausgestellt hat, dass der Original-Herausgeber, aus der Goethe-Forschung stammend und mit Hegels Handschrift unvertraut, die Unterschrift eines gewissen, weiter wenig bekannten Vogel als Hegel verlesen hatte und Hoffmeister damals offenbar die Briefe nicht selber prüfte, sondern sich auf fremde Angaben verliess.

Ansonsten ein ausführliches Register mit allen Personen, die mit Hegel in Briefwechsel standen oder darin erwähnt werden, sowie eine Zeittafel zu Hegels Leben und Werk, die die drei eigentlichen Briefbände weiter aufschliessen und überhaupt benutzbar machen.

Alles in allem hat mir der Briefwechsel nicht den erhofften Einblick in die philosophische Werkstatt Hegels gebracht, dafür den einen oder andern Lichtstrahl auf den Privatmann Hegel geworfen. Hegel wird sich deswegen trotzdem nicht zu meinem Lieblingsphilosophen mausern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.