Hans Albert: Traktat über kritische Vernunft

Der alte Münchhausen hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass sein Name eines Tages zum Begriff einer philosophischen Problemstellung werden sollte. Tatsächlich hat Hans Albert in seinem Traktat über kritische Vernunft im Zusammenhang mit der sog. Letztbegründung von Sätzen folgende Problemstellung das Münchhausen-Trilemma genannt: Angenommen, ich habe einen Satz p, den ich begründen will,…

Gedanken zum Aufsatz „Sozialwissenschaften, Werturteile und Verantwortung“ von H. Keuth

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert war geprägt von einer zunehmenden Technikfeindlichkeit – und dies nicht nur in philosophischer Hinsicht (man denke etwa an das pejorativ besetzte „technische Erkenntnisinteresse“ von Jürgen Habermas), sondern auch in politischer Hinsicht im Zuge einer Ökologisierung der Gesellschaft. Die Folge waren flächendeckend vertriebene, das ökologische Gewissen beruhigende Produktpaletten: „Grüne“ Deodorants…

R. Neck (Hrsg.): Was bleibt vom Positivismusstreit?

Ein Sammelband, der an den Positivismusstreit zwischen Kritischen Rationalisten und Kritischer Theorie erinnert, dessen Beginn bei Erscheinen des Buches (2008) bereits 47 Jahre zurücklag. Aber diese Auseinandersetzung hat etwas Beispielhaftes, das bis in unsere Tage seine Relevanz bewahrt hat: Hier die wissenschaftlich-rationale Analyse – dort umfassende, oft visionäre Gesellschaftsprogrammatik verbunden mit einer Technikfeindlichkeit, die bis…

Bernard N. Schumacher: Der Tod in der Philosophie der Gegenwart

Eigentlich ist das ganze Buch eine Paraphrase auf Epikurs Diktum vom Tod, der uns nicht angeht. „Denn wenn wir sind, ist der Tod nicht – und wenn der Tod ist, sind wird nicht. Also geht uns der Tod nichts an.“ Ausgehend von Heidegger und Sartre analysiert der Autor diesen Satz, der – wegen häufig unklarer…

Dagmar de Sauvage: Krise der Philosophie (oder einer Autorin)

Bücher über die „Krise(n) in der Philosophie“ haben offenbar immer Konjunktur. Die einen nehmen „Abschied vom Prinzipiellen“ oder ergehen sich in vermeintlich geistreichen Wortschöpfungen wie „Inkompetenzkompensationskompetenz“ (Marquard), um in literarisch aufgemotztem Philosophendeutsch ihre Metaebene der Philosophieproblematik darzulegen – und es muss eine Metaebene sein: Ansonsten würde man einfach nur schweigen, weil es ja nichts mehr…

Hans Albert – Karl Popper: Briefwechsel. (Hrsg.: Morgenstern, Zimmer)

Ein Briefwechsel, der gleichzeitig Philosophiegeschichte ist und die Entwicklung des Kritischen Rationalismus – vor allem im deutschsprachigen Gebiet – beleuchtet. Häufig lässt sich aus solchen Büchern die Entwicklung der Philosophie, das Verhältnis der Philosophen zueinander sehr viel besser nachvollziehen als aus einschlägigen Darstellungen. Wobei dieser Briefwechsel eine Auswahl darstellt, in der persönliche Stellungnahmen der Beteiligten…

Philosophische Zeiten

Es war einmal – die gute alte Zeit. Eine Zeit, die nicht immer gut war, die sich aber im Regelfall von der rezenten philosophischen Situation unterschied: Darin, dass es – grosso modo – bis vor etwa 100 Jahren möglich war, als gebildeter Laie auf dem neuesten philosophischen Stand zu bleiben. Das war nicht immer leicht:…