James Elroy Flecker: Hassan

Dass James Elroy Flecker hierzulande praktisch unbekannt ist, dürfte vor allem daran liegen, dass sein Œuvre recht schmal ist. Ein paar Gedichte, und das vorliegende Drama The Story of Hassan of Bagdad and how he came to make the Golden Journey to Samarkand – das ist ungefähr alles. Flecker starb 1915, mit 31 Jahren, an Lungentuberkulose in Davos. Er arbeitete eine Zeitlang als Diplomat im Nahen Osten, von wo er wohl auch den Stoff für sein Drama um Hassan mitgebracht haben dürfte. Flecker arbeitete bis kurz vor seinem Tod an Hassan – so richtig fertig geworden ist das Drama allerdings nicht.

Wir haben in Hassan einerseits die Geschichte des titelgebenden Protagonisten vor uns. Hassan ist Hersteller und Verkäufer von Zuckerwerk im Bagdad Harun Al Rashids. Er ist über beide Ohren in Yasmin verliebt, seine Nachbarin. Leider nützt ihn diese nur aus und akzeptiert zwar sein Naschwerk, vernascht dieses aber dann lieber mit einem besser aussehenden und vermögenderen Freund Hassans. Hier kommte eine parallele Geschichte ins Spiel, nämlich die um Harun Al Rashid, dessen Widersacher Ishak und der Geliebten Ishaks, Jafar. Wie wir es aus 1001 Nacht kennen, zieht Harun Al Rashid des Nachts durch die Gassen Bagdads, auf der Suche nach Abenteuer. Diesmal geht es beinahe schief, landen doch Harun und seine Begleiter in den Fängen Ishaks, der sich an Harun Al Rashid rächen will für die Enführung seiner Geliebten. Da Ishak den Kalifen nicht erkennt, lässt er ihn vorläufig leben – ein grosser Fehler, denn dem gesunden Menschenverstand des zufällig mitgefangenen Hassan gelingt es, die Befreiung des Kalifen in die Wege zu leiten. Im Folgenden mäandern die beiden Stories – Hassan-Yasmin und Jafar-Ishak-Kalif – um einander herum, ohne mehr gemeinsam zu haben als den ehemaligen Zuckerbäcker, nunmehrigen ‚Freund‘ des Kalifen, Hassan, der in beiden Geschichten mitspielt. Hassan – und hier entfernen wir uns von 1001 Nacht – erkennt rasch die Grausamkeit und Unberechenbarkeit des Herrschers Harun Al Rashid. In einem sadistischen Spiel quält der z.B. Jafar und Ishak, die sich nun in seinen Händen befinden.

Hassan, angewidert und auch erschreckt durch die Spielchen des Kalifen (die dieser auch mit ihm spielt!), entschliesst sich zur Flucht – nach Samarkand, dem Paradies der Kaufleute.

Die Lieder, die von den Teilnehmern der Karawane nach Samarkand beim Aufbruch gesungen werden, stellen den bekanntesten Teil des Dramas dar. Saki erweist ihnen in einer seiner Short Stories Reverenz, verschiedene britische Truppen bzw. Truppen des Commonwealth haben entdeckt, dass der Aufbruch in ein besseres Land auch den (beim Militär nie ganz unmöglichen) Tod bedeuten kann, und haben Teile aus den Liedern an ihre Unterkünfte geschrieben. Last but not least zitiert Diana Rigg im 1969er Bond-Film On Her Majesty’s Secret Service ebenfalls aus Hassan:

Thy dawn, O Master of the World, thy dawn;
For thee the sunlight creeps across the lawn,
For thee the ships are drawn down to the waves,
For thee the markets throng with myriad slaves,
For thee the hammer on the anvil rings,
For thee the poet of beguilement sings.

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