Die Göchhausen

So lautet – mit dem Untertitel Briefe einer Hofdame aus dem klassischen Weimar – die 1923 von Werner Deetjen veranstaltete Ausgabe einer Auswahl aus den Briefen der Luise von Göchhausen, ihres Zeichens Hofdame bei der weimarischen Herzogin-Witwe, Anna Amalia. Die Göchhausen war ein wichtiges Mitglied des Kreises um Anna Amalia, eines Kreises, der wegen seiner Hauptbeschäftigung (zumindest seit Anna Amalia die Regierungsgeschäfte an ihren Sonn Carl August abgegeben hatte, abgeben musste) auch der Weimarer Musenhof hiess und der bis heute bekannt ist durch die Herausgabe des sog. Journal von Tiefurt. Die Göchhausen, deren Rufname in jenem Kreis Thusnelda war, war darin gar kein unwichtiges Mitglied. Ihr Humor trug viel zum Zusammenhalt der Truppe bei, selbst wenn ihre spitze Zunge gefürchtet war.

Wer die Briefe liest, wird feststellen, dass (einmal abgesehen von der Herzogin-Witwe) zwei Passionen ihr Leben füllten. Da war Johann Wolfgang von Goethe, den sie – bei aller spitzen Zunge, die sie auch an ihm ausliess – zutiefst verehrte. Selbst dann wenn sie ihn in Briefen an seine Mutter gemeinsam Hätschelhans hiess. Zum andern – nachdem sie 1788ff im Gefolge der Herzogin-Witwe dort gewesen war – Italien. Vor und nach dieser Reise gab es für sie eigentlich nur Weimar im Winter, Tiefurt im Sommer. Wo sie in ihrem Tagebuch nüchtern geblieben war, schwärmt sie in ihren Briefen an die daheim gebliebenen Freunde in höchsten Tönen. Es sind dabei weniger die Kunst, die sie in Rom antrifft, mehr die Stadt selber, die sie fasziniert. Und vor allem Neapel mit seiner Meeresbucht.

Die Liste ihrer Briefpartner liest sich wie ein Who-is-Who des damaligen klassischen Weimar: Die Frau Rat Goethe, Merck und Knebel erscheinen schon früh in ihrem Briefwechsel (so, wie sie früh in Goethes Leben erschienen sind – Zufall oder Absicht des Herausgebers?), dann folgen Wieland und auch Goethe selber (vor allem natürlich Briefe aus Italien), sowie Bertuch (dem sie u.a. über die römische Mode berichtet). Zurück in Weimar gesellt sich Einsiedel dazu, sowie der heute unbekannte Poet Leo von Seckendorf (der zum Datum des Briefs, 1801, in Weimar lebte). Böttiger, nach seinem Wegzug von Weimar, wird u.a. durch die Göchhausen weiter über das dortige Leben informiert. Die beiden letzten Briefe gehen an die Fürstin Louise Christine von Reuß-Köstritz und beschäftigen sich mit den Problemen des Umzugs aus ihrer Dachkammer, mit denen die Göchhausen nach dem Tod ihrer Arbeitgeberin Anna Amalia konfrontiert war. Der Umzug blieb ihr dann durch den eigenen Tod erspart.

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