William Faulkner: As I Lay Dying [Als ich im Sterben lag]

Vor Jahren las ich eine Sammlung von Faulkners Kurzgeschichten und wurde mit dem Autor und seinem Thema (den Südstaaten) nicht so richtig warm. War ich zu jung oder war’s einfach so der falsche Moment für die falschen Geschichten? Ich beschloss, Faulkner noch einmal zu versuchen – diesmal mit dem 1930 erschienenen Roman As I Lay Dying, den ich auf Englisch gelesen habe.

Faulkner erzählt darin die Geschichte der Familie Bundren, einer armen Farmersfamilie aus den Südstaaten. Die Matriarchin, Addie, liegt im Sterben bzw. ist dann tot und soll nach ihrem letzten Willen in ihre Heimatstadt Jefferson zur Beerdigung überführt werden. Der Witwer, Anse, und die fünf Kinder laden den Sarg auf einen Maultierkarren und ziehen los. Der Transport der Toten ist nicht der einzige Zweck und Grund der Fahrt, fast jedes Familienmitglied hat noch seine privaten Motive zusätzlich. Dewey, die Tochter, z.B. sucht eine Abtreibung, da sie von einem Nachbarsjungen geschwängert wurde, der sie aber nicht heiraten will. Die Fahrt artet zu einer – wie Wikipedia sagt – “traurigkomischen Höllenfahrt” aus, in deren Verlauf Cash, der älteste Sohn, der auch den Sarg seiner Mutter gezimmert hat (noch zu ihren Lebzeiten, vor dem Fenster des Schlafzimmers, in dem sie sterbend lag), verletzt wird, als der Hochwasser führende Fluss den Maultierkarren mitreisst. Ob er sein Bein wird behalten können, bleibt am Schluss des Romans offen. Darl, der zweite Sohn, wird unterwegs wahnsinnig und ins Irrenhaus eingeliefert. Dewey wird sich einem Scharlatan hingeben, der behauptet, dieser Akt sei ein Teil des Abtreibungsprozesses – die Abtreibung wird sie aber nicht erhalten. Jewel, Sohn Nummer drei, muss sein Pferd verkaufen, damit die im Fluss ertrunkenen Maultiere ersetzt werden können. Nur Vardaman, der Nachzügler, ungefähr acht Jahre alt, verliert oder gewinnt auf der Reise nichts. Der Vater hingegen kauft sich in Jefferson neue Zähne und besorgt sich auch gleich eine neue Frau. Damit hat auch Addie verloren, die ihren Mann und ihre Familie ihr Leben lang unter ihrer Fuchtel hielt und sie auch noch nach dem Tod terrorisierte, indem sie ihnen diese Irrfahrt nach Jefferson aufzwang.

Faulkner erzählt die Geschichte in 59 kurzen bis kürzesten Kapiteln, in denen jeweils das eine oder andere Familienmitglied zu Worte kommt, aber auch Aussenstehende. Selbst die Tote äussert sich nach ihrem Ableben noch. Bei jeder Stimme sind dabei eigene Akzente gesetzt, die sie unverwechelbar machen.

Faulkner gilt, zusammen mit Woolf und Joyce, als Initiant des modernen Romans, als Erfinder der Erzähltechnik des Stream of Consciousness. Er setzt diese Technik in diesem Roman allerdings moderat und nur so nebenbei ein. Die Kapitel sind in chronologischer Reihenfolge aneinander gereiht und wirken mehr, wie wenn die jeweiligen Erzähler einem Journalisten Red und Antwort stünden.

Fazit: Faulkner ist unzweifelhaft ein grosser Autor, dieser Roman unzweifelhaft ein grosser Roman. Dennoch – ich werde mit den Südstaaten und mit Faulkner nicht warm …

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