Marcel Reich-Ranicki: Meine deutsche Literatur seit 1945

Kritik eines Kritikers… Der vorliegende Band, 2015 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen und von Thomas Anz herausgegeben (und wohl auch zusammengestellt) ist, enthält Essays und Kritiken aus dem Zeitraum von 1960 bis 2008. Es fehlen also Reich-Ranickis ganz frühen, noch polnisch geschriebenen Artikel; und man muss sich immer vor Augen halten, dass Auswahl ebenso wie…

Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf: Der Briefwechsel

Sandhofer hat von einem „packenden“ Briefwechsel gesprochen – und da das für einen Briefwechsel ein recht seltenes Lob darstellt, war mein Interesse geweckt. Vorweg: Gepackt hat er mich nicht wirklich, dieser Briefwechsel, obschon amüsant zu lesen und Einblicke in das Treiben der Literaturszene gebend, die man sonst aus Mangel an Informationen kaum gewinnt. Da liegt…

Marcel Reich-Ranicki / Peter Rühmkorf: Der Briefwechsel

Mit Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf traten damals, Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, zwei der wortgewaltigsten Intellektuellen Deutschlands miteinander in briefliche Verbindung. Es war gerade noch jene Zeit, als der auf Papier geschriebene Brief das einzige Kommunikationsmittel darstellte, das einigermassen effizient die Gedanken des Schreibers aufnehmen und für längere Zeit festhalten konnte. Was…

Søren Kierkegaard, * 5. Mai 1813

Vor ein paar Tagen feierten wir den 200. Geburtstag von Søren Kierkegaard. Wobei mir „feiern“ etwas übertrieben scheinen will. Zugegeben, Jahrestage gehen zwar sowieso meist unbemerkt an mir vorüber, aber dennoch habe ich den Eindruck, dass Kierkegaards Geburtstag ausserhalb der Feuilletons der grossen Zeitungen recht wenig beachtet wurde. Die Gründe liegen meiner Ansicht nach auf…

Unmassgebliches zur Textsorte Autobiografie – Gedanken anhand der „Selbstbiographie“ von Barthold Heinrich Brockes

Ich habe gerade Barthold Heinrich Brockes‘ Selbstbiographie gelesen. 1724 hat sich der Hamburger Senator, Übersetzer und Schriftsteller hingesetzt, um dieses sein Leben zu schildern. Zu der Zeit war Brockes mit seinem Irdischen Vergnügen in Gott schon längst im ganzen deutschen Sprachraum berühmt; selbst das Ausland kannte ihm mittlerweile in Auszügen und Übersetzungen. Dies mag ihn…

Günter Grass stochert in der deutsch-jüdischen Beziehung herum …

… wie ein Kind im Ameisenhaufen. Entsprechend nervös und aufgeregt rennen nun die Ameisen in Form von literarischen und politischen Kommentatoren herum und machen auf Schadensbegrenzung. Wenn das Kind einen Stock oder einen Ast nimmt, so nahm Grass ein Gedicht: Was gesagt werden muss. Und wie die Ameisen zum Gegenangriff auf das Kind blasen, so…