Stefano D’Arrigo: Horcynus Orca

Offen gesagt, kann ich nicht nachvollziehen, wie es all den Feuilletons möglich war, schon kürzeste Zeit nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung von Horcynus Orca das Buch zu besprechen. Ich halte mich für keinen unerfahrenen Leser; um von den Romanen und Epen früherer Zeiten, von Homer und Dante, von Firdausi bis Luo Guanzhong, von Cervantes…

Otto F. Walter: Herr Tourel

Der zweite Roman Otto F. Walters, Herr Tourel, erschien 1962. 2008 hat ihn der Herausgeber der Reihe «Kollektion Nagel & Kimche», Peter von Matt, dem Publikum wieder in einer Neuauflage zugänglich gemacht. Diese Neuauflage habe ich auch gelesen. Nachdem Walters Erstling, Der Stumme, drei Jahre zuvor bei seinem Erscheinen Furore gemacht hatte, war 1962 dem…

Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis

Thelens Werk gilt als Schibboleth der Kenner neuerer deutscher Literatur, der Literatur der Nachkriegszeit. Leider, denn dem Werk wäre ein grösseres Publikum zu wünschen. Vor allem auch: zu wünschen gewesen zu Lebzeiten des Autors. Doch Thelen hatte das Unglück der damals tonangebenden Gruppe 47 zu missfallen. Roman? Autobiografie? Autobiografischer Roman? Wohl am ehesten letzteres. Wir…

Wolf von Niebelschütz: Der blaue Kammerherr. Galanter Roman

Man schreibt das Jahr 1732. Das fiktive Inselreich Myrrha steht kurz vor dem Bankrott, und die Mächte der Ägäis lauern bereits darauf, es in ihre Herrschaftsgebiete einzugliedern. Da beschliesst König Alphanios, die Staatsfinanzen durch die Verheiratung der Kronprinzessin mit einem wohlhabenden Potentaten aufzubessern. Doch die eigensinnige Schöne ist nicht bereit, sich dem väterlichen Willen zu…

Robert Graves: The Greek Myths

Ein paar Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich in Grossbritannien zusehends ein Unbehagen in der Welt der Kultur breit. Das Publikum, so dieses Unbehagen, wüsste immer weniger über die Antike und ihre Mythologie. Dieses Wissen sei aber unabdingbar für das Verständnis vieler Kunstwerke über viele Jahrhunderte. Das Bildungsbürgertum sah sich in seinen Grundfesten, in…

Kuno Raeber

Kuno Raeber (1922-1992) ist für mich die literarische Entdeckung des Jahres. Einer der grossen Vergessenen der deutschen Literatur, ähnlich wie Thelen oder Wense, allerdings bereits einer jüngeren Generation angehörend. Ähnlich wie Thelen auch sein Schicksal, von der Gruppe 47 abgelehnt zu werden. (Was nur zeigt, wie wenig zeitgenössische Kritik oft erkennt.) Raeber ist in Luzern…