5. Streetfooddays – Winterthur

And now, wie Monty Python zu sagen pflegte, to something completely different:

An jeder Ecke stehen sie unterdessen, in jeder Stadt: Jene mobilen Gefährte, die innen so umgebaut sind, dass sie als Espresso-Bar dienen können, als Grill, als Kochstätte. Kaffee bieten sie an, Latte macchiato, Hamburger, Würstchen, Döner. Längst aber werden nicht mehr nur die klassischen Gerichte klassischer Schnellimbisse angeboten. Mehr und mehr finden wir auch Spezialitäten eines fremden Landes.

Das so genannte ‘Street Food’ ist mittlerweile mehr als eine noch bequemere, noch schnellere Alternative zu den handelsüblichen Restaurants fürs Mittagessen in der Büro-Pause. Es ist zu einer eigenen Kultur geworden. Und jede Kulturform will sich selber feiern – ob es nun die Literatur ist, die sich gerade dieses Wochenende in Solothurn feiert, oder eben diese spezielle Form der Essenskultur.

Der Anlass, wie die Nummer 5 zeigt, findet heuer nicht zum ersten Mal statt. Er findet auch nicht nur in Winterthur statt, nicht einmal unter diesem Namen. Es gibt eine ganze Serie von Veranstaltungen, die sich nach und nach durchs Land bewegt. Oft sind dort auch immer wieder dieselben Aussteller zu finden, jedenfalls, wenn man nach den Teilnehmerlisten gehen kann, die im Internet verbreitet werden. Denn das Ganze ist unterdessen auch ein Netz-Phänomen, und es gibt offenbar Unternehmer, die sich auf solche Festivals spezialisiert haben und vielleicht sogar davon leben können.

Der diesjährige Anlass in Winterthur fand – wie schon letztes Jahr – in der Halle 53 statt, einer nach ihrer Hausnummer benannten alten Industriehalle. Wo früher Eisenteile für Lokomotiven zusammengefügt wurden, ist heute ein kleines Parkhaus untergebracht, das von Fall zu Fall an Wochenenden geschlossen und für Anlässe zur Verfügung gestellt wird. Draussen ein grosser Platz, auf dem ebenfalls Stühle und Bänke hingestellt werden – fertig ist das kleine Festgelände.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das Phänomen der Street-Food-Festivals sich nicht schon überlebt hat. Mir wollte bei meinem Besuch gestern scheinen, dass zumindest die Anzahl der anbietenden Gastro-Unternehmen dieses Jahr kleiner war als noch letztes Jahr. Es war auch nichts Neues mehr dabei, nichts mehr, das man entdecken konnte oder wollte. Und von den alten vom letzten Jahr fehlten die meiner unmassgeblichen Meinung nach besten.

Sicher: Es gab dafür einen kleinen Stand, der „Craft Beer“ ausschenkte. Den habe ich letztes Jahr nicht gesehen, mag sein, er war auch schon da. An diesem Stand habe ich sogar eine Brauerei entdeckt, von der ich – obwohl sie hier in der Nähe beheimatet ist – noch nichts wusste, und die ganz passables Bier herstellt. Sicher: Der Burger, den wir uns dann kauften, war gut. Der letzte Pfiff allerdings fehlte ihm. Die dazu gekauften Pommes Frites waren zwar frisch gemacht, aber trotzdem nicht knusprig, sondern einfach nur weich. Und das Gewürz 08/15. Je nun…

Noch scheinen solche Festivals beim Publikum beliebt zu sein. Vor allem junge Väter mit Bart und Sonnenbrille, die stolz den Kinderwagen vor sich her schieben und dabei an einem Bier nuckeln, scheinen sie zu mögen. Die Mamas können hier für einmal einem etwas exotischeren Geschmack frönen und Strassenfutter kaufen, wie man es im Tibet bekommt, in Äthiopien oder in Sri Lanka. (Sagen jedenfalls die Werbetafeln der Anbieter. Ich war in keinem der drei Länder, kann es also nicht beurteilen.) Und es ist ja nicht so, dass es nur Bier zu trinken gab: Mineralwasser sowie diverse Süssgetränke (u.a. der alte, zwischendurch verstorbene, jetzt aber wieder belebte Schweizer Coca-Cola-Rivale „Vivi Cola“) waren ebenfalls erhältlich. Ebenso Wein oder die handelsüblichen Cocktail-Getränke. Und es waren auch noch andere dort unterwegs, als die jungen Väter mit Bart. Kinder (logischerweise). Studenten (gleich nebenan ist die Hochschule untergebracht). Aber auch ein paar ältere Semester konnte ich sehen.

Fazit: Als Phänomen der heutigen Zeit interessant. Von einem kulinarischen Standpunkt her mittlerweile eher weniger. Die Musik vor allem laut. Nächstes Jahr wieder? Ich weiss noch nicht…

Zum Hören:
Voiced by Amazon Polly

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