Gustave Flaubert: Wörterbuch der gemeinen Phrasen

Mit dem Wörterbuch der gemeinen Phrasen haben wir den vierten und letzten Band von Bouvard und Pécuchet. Der Werkkomplex. Herausgegeben, aus dem Französischen übersetzt und annotiert von Hans-Horst Henschen vor uns, der letztes Jahr (2017) in Göttingen beim Wallstein-Verlag erschienen ist. Band 1 (eben den Roman Bouvard und Pécuchet) habe ich hier vorgestellt, die Bände 2 und 3 (im Grunde genommen vorsortierte und kommentierte Materialien, die sich selbständig gemacht haben) hier (Band 2) und hier (Band 3). Nun also noch das Wörterbuch, nach dem sich eine ganze Kategorie in diesem Blog nennt.

Die einzige Ordnung im Wörterbuch ist das Alphabet. Thematische Sortierung, wie wir sie in Band 2 und 3 gefunden haben, entfällt. Viele der Gemeinplätze sind Redensarten, wie sie täglich verwendet wurden. Anders als beim satirischen Wörterbuch von Ambrose Bierce (The Devil’s Dictionary), das seine Satire aus auktorialen Einträgen zieht, zitiert Flaubert häufig nur und reiht kommentarlos aneinander. Die Einträge können Aussagen von Dritten sein oder auch geläufige Phrasen, wie sie im Alltag so häufig fallen. (Und wie sie von Flaubert in den damaligen Zeitungen ebenso häufig gefunden wurden.) Einige dieser Phrasen sind dumpfe Herrenwitze, die schon zu Flauberts Zeit alt waren. Erschreckend an vielen Einträgen ist es, dass die darin enthaltenen Aussagen bis heute kolportiert werden. Gerade im Zeitalter von Web 2.0, wo sich jeder und jede im Internet verwirklichen kann, wie es ihm oder ihr gefällt, stösst man immer wieder auf solche hohlen Phrasen. Und heute wie zu Flauberts Zeiten ist es die Politik und der politische Journalismus, der am meisten damit gespickt ist.

Flauberts Wörterbuch der gemeinen Phrasen wird dadurch zu einer noch heute aktuellen Satire auf die Kommunikation des sog. zivilisierten Menschen, und eine Lektüre kann nur jedem und jeder empfohlen werden.

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