Ian Stewart: Die Zahlen der Natur

Ian Stewart gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Popularisierern der Mathematik. Er veröffentlichte im “Scientific American” zahlreiche Kolummen und hat zahlreiche Mathematikbücher – ähnlich wie das vorliegende – geschrieben.

Eines der – schon oft erwähnten – Probleme dieser Bücher ist die ständig spürbare Angst der Autoren, durch den Gebrauch von Formeln die Leser zu verschrecken. Aber Mathematik ohne Formeln, ohne Zahlen ist ein Unding und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass durch die reine Erzählung mathematischer Inhalte irgendjemand für dieses Thema gewonnen werden kann. Denn: Es bleibt damit in entscheidenden Belangen unverstanden und wirkt ähnlich eindrucksvoll wie die rein sprachliche Fassung einer Ausstellung der Malerei.

Stewart hält sich in diesem Buch leider an die Vorgabe, Mathematik ganz ohne Mathematik zu beschreiben. Dass einige Kapitel trotzdem sehr lesbar sind, muss man dem Autor zugute halten; trotzdem überwiegt die Enttäuschung. Die Welt der Zahlen besteht immer auch in der Überprüfung dessen, was da präsentiert wird, im Nachvollziehen des Rechenvorgangs und in dem befriedigenden Aha-Erlebnis, einen Beweis verstanden zu haben. All das wird einem in diesem Buch vorenthalten und so muss man sich mit einigen geistreichen Beschreibungen der Attraktoren oder interessanten philosophischen Bemerkungen zur Funktion der Mathematik und ihrer Fähigkeit zur Weltbeschreibung begnügen. Dass Stewart sehr viel anregendere Bücher zu schreiben imstande ist hat er schon bewiesen, das hier vorliegende vermag nicht wirklich zu befriedigen, ist eine Lektüre für zwischendurch. Eigentlich schade.


Ian Stewart: Die Zahlen der Natur. Mathematik als Fenster zur Welt. Heidelberg, Berlin: Spektrum 2001.

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