James Cook: The Journals 1768-1779. The First Voyage 1768-1771

Cooks Tagebücher aus den Jahren 1768 bis 1779, d.h. die seiner in dieser Zeit stattfindenden Weltumsegelungen, wurden 1955-1967 von J. C. Beaglehole in vier Bänden erstmals komplett herausgegeben. Diese Gesamtausgabe (und auch zwei nachfolgende Reprints) verkaufte sich so gut, dass sie in kürzester Zeit antiquarisch – wenn überhaupt – nur für teures Geld zu haben war. Das bewog 1999 Penguin Classics und Philip Edwards eine auf der Gesamtausgabe basierende 3-bändige Auswahl- und Leseausgabe herauszugeben, die 2003 (mit einem aufgefrischten Part zur weiterführenden Lektüre) nochmals erschien. Vor mir liegt nun eine Neuausgabe der 2003 erschienenen Penguin-Ausgabe, die diesen Herbst bei der Folio Society erschienen ist – wie immer bei diesem Verlag in Leinen gebunden und mit vielen Illustrationen aus der Zeit versehen. Dazu nicht nur die Landkarten, die schon der Pinguin seiner Ausgabe beigab, sondern auch in einem separaten Anhang eine in Originalgrösse gehaltene Karte aus der Zeit, in der sämtliche Reisen Cooks nachgetragen sind.

Die Fakten zu Cooks Reise sind wohl alle bekannt. Ziel der von der Royal Society finanzierten Reise war es primär, in der Südsee den Durchgang des Planeten Venus vor der Sonne zu messen und so die Kenntnisse unseres Sonnensystems zu verbessern. Sekundär, und als Geheimauftrag, sollte Cook nach dem nach wie vor nicht gefundenen Südkontinent suchen, nach der famosen Terra australis incognita. Von England aus startend, über den damals für Segler üblichen Zwischenhalt auf Madeira, quer über den Atlantik nach Südamerika, wo er in der Höhe von Rio de Janeiro ankam. Rio war damals der Sitz des portugiesischen Vize-Königs. Cook, der eigentlich nur Wasser und frische Nahrungsmittel an Bord nehmen wollte, geriet bei den portugiesischen Behörden in den Verdacht, entweder ein britischer Spion zu sein oder ein wagemutiger Kauffahrer, der seinen Teil an den lukrativen Geschäften an sich reissen wollte, die Portugal mit seiner Kolonie Brasilien machte. Bevor der Streit endgültig eskalierte, segelte Cook weiter, Richtung Süden: Feuerland, Kap Hoorn. Dann im Pazifik wieder nördlich, nach Tahiti, der grössten der Gesellschaftsinseln. Nach erfolgreichen Messungen und ein paar Erkundungsausflügen in den Gesellschaftsinseln selber, wieder südlich. Neuseeland, dessen Umrisse er als erster genau kartographierte und dabei feststellte, dass Neuseeland kein Kontinent war, keine grosse Insel, sondern eben zwei nicht ganz so grosse Inseln darstellte. (Von denen er die südliche für sehr fruchtbar hielt und dem Fleiss seiner Landsleute – sprich einer Kolonialisierung – empfahl. Dies trotz der Tatsache, dass die Besatzung seines Schiffes, der Endeavour, von den Maori keineswegs freundlich empfangen wurde, ganz im Gegensatz zum Empfang, den sie auf Tahiti gefunden hatte.) Von da aus östlich nach Neu Holland, wie man damals den bekannten Teil Australiens nach seinen Entdeckern nannte. Man wusste noch nicht, dass Australien ein bisschen grösser war, als man dachte, und auch Cook, der auf Australiens Westküste traf und ihr entlang nach Norden segelte, konnte das nicht feststellen. Die Terra australis incognita blieb unentdeckt. Die Bevölkerung Australiens machte im Übrigen auf Cook einen denkbar schlechten Eindruck: armselig, splitterfasernackt (auch die Frauen – zu Cooks Entsetzen!) und im Gegensatz zu den kriegerisch-aggressiven Maori nach anfänglichem Imponiergehabe davonrennend. Das Great Barrier Riff kostete ihn und seine Mannschaft beinahe das Leben, da der Bootsrumpf von den steinharten Korallen aufgerissen wurde und mühsam provisorisch repariert werden musste. Aus dem Great Barrier Riff wieder herauszukommen, war wohl die grösste nautische Tat in Cooks Leben, und er benötigte Monate dafür. Schliesslich Java, wo das Schiff einigermassen in Stand gestellt wurde, sich aber der Grossteil seiner Besatzung mit Malaria ansteckte. Cook, der gerade noch so stolz darauf gewesen war, während der ganzen, mittlerweile über 2 Jahren dauernden Reise keine ernsthafte Skorbut-Erkrankung an Bord gehabt zu haben, verlor auf Java und auf dem Weg nach dem Kap der Guten Hoffnung mehrere Dutzend Leute, darunter den Schiffs-Chirurgen, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter (einen der Royal Society und einen von Joseph Banks) sowie die beiden wissenschaftlichen Zeichner. 1771 traf er wieder in England ein.

Seine Tagebücher sandte er der Admiralität ein, von wo aus sie – gegen seinen Willen – in bearbeiteter Version zum Druck gegeben wurden. Man sieht, so der Herausgeber Edwards seinen Tagebüchern diesen Ärger an: Cook begann, sie zu überarbeiten – offenbar mit der Absicht, seine eigene Version der Ereignisse zu publizieren. Es sind im Grossen und Ganzen sehr trockene Berichte, die Zeit und Ort festhalten, sowie die Massnahmen, die der Kapitän jeweils traf, um seinen Kurs zu halten. Anekdoten sucht man darin vergebens. Die sexuelle Freizügigkeit der Südsee-Insulanerinnen wird nur erwähnt, wo es darum geht, zwei desertierte Besatzungsmitglieder wieder einzufangen. Ähnliches gilt für die Manie der Südsee-Insulaner, alles zu stibitzen, was nicht niet- und nagelfest oder nicht gut genug bewacht war. Auch sie wird trocken rapportiert. Die Namen der Einheimischen und / oder die Verhältnisse, in denen diese untereinander standen, werden bestenfalls skizziert, aber nicht näher ausgeführt. Den Kampf, den der menschenfreundliche Cook auch mit seinen Offizieren gehabt haben muss, wenn es darum ging, die Eingeborenen nicht gleich wegen jeden kleinen Diebstahls zu erschiessen, kann man nur erraten. (Für heutige Begriffe zwar sind die Massnahmen, die Cook ergriff, um wieder an die geklaute Ware zu kommen, auch nicht zimperlich.)

Cooks Rechtschreibung, die in meiner Ausgabe erhalten geblieben ist, war – auch für jene Zeit – recht eigenwillig. Tatsächlich hat er wohl in seiner Kindheit gerade mal Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen erworben. Später hat er – learning by doing – seine Mathematik so weit verbessert, dass er die Position seines Schiffs berechnen und sehr genaue Karten der Gegend erstellen konnte, in der er sich befand. (Was ja nicht zuletzt die Royal Society bewogen hatte, ihn zum Expeditionsleiter zu machen.)

Alles in allem auf Grund seiner Trockenheit ohne Vorkenntnisse nicht leicht zu lesender Stoff; kennt man Cooks Reisen aus späteren Zusammenfassungen, so eröffnen seine nüchternen Schilderungen einen weiteren Blick auf das Leben, an Bord der Endeavour ebenso, wie bei den – manchmal Wochen umfassenden – Landausflügen.

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