Robert Louis Stevenson: Der Master von Ballantrae

Als junger Student habe ich die Lektüre dieses Romans nach ca. ⅓ abgebrochen; und ich gebe zu, dass ich deshalb vor dem erneuten Versuch einen ziemlichen Bammel hatte. Tatsächlich ging es auch diesmal nicht ohne kleines Stocken, aber ich habe bis zum Schluss durchgehalten. Und im Grunde genommen kann von „Durchhalten“ nicht die Rede sein:…

Francis Spufford: Neu York

Neu York im Jahre 1746: Die langsam aufstrebende Stadt hat gerade mal 7000 Einwohner, die sich in eine englisch und eine holländisch sprechende Bevölkerung aufteilen. In diesem fast noch idyllisch anmutenden Flecken landet ein Herr Smith, der – vollständig unbekannt – einen Wechsel über die enorme Summe von 1000 Pfund Sterling mitbringt, gezogen auf das…

Zu Alexander Puschkin, anhand einiger seiner kürzeren Prosatexte

Ich kann kein Russisch und bin deshalb für die Lektüre russischer Literatur auf Übersetzungen angewiesen. Vielfach wähle ich dafür auch nicht eine deutsche, sondern eine englische Übersetzung. Diese lesen sich meist noch einen Tick eleganter – und sind ganz sicher einfacher und billiger zu haben. So auch im vorliegenden Fall Puschkin. Ich habe vor kurzem…

Péter Esterházy: Die Mantel-und-Degenversion. Einfache Geschichte Komma hundert Seiten

Hundert Seiten sind das nicht, nein. Sondern 238. Oder, falls man die einzelnen Kapitelchen der Erzählung als Seiten betrachtet (deren Überschriften heissen ja tatsächlich [erste Seite], [zweite Seite] etc. – eckige Klammern inklusive), haben wir – 103 Seiten. Wenn ich denn richtig gezählt habe. Denn Esterházy nummeriert seine Kapitel nicht einfach fortlaufend. So werden nach…

Biberach – Lichtenstein – Tübingen

Es gibt ganz verschiedene Arten, wie ein Ort mit Schriftstellern umgehen kann, die ihn berühmt gemacht haben. Als Beispiel hier die von mir kürzlich besuchten Orte bwz. Sehenswürdigkeiten Biberach, Lichtenstein und Tübingen. Biberach verdankt seine Berühmtheit ausschliesslich Christoph Martin Wieland. Wie ich das Städtchen vor ein paar Jahren besuchte, war gerade Wielands Gartenhäuschen – ehemals…

Die Horen. Jahrgang 1796. Zweytes Stück

Herr Lorenz Stark Ähm … öh… Wer? Wie? Was? Da war doch …? – Ach ja: Eine Fortsetzung des Charaktergemäldes aus dem 10. Stück von 1795. Worum ging es gleich schon wieder? Hm … ja, richtig: die Geschichte um den missratenen Sohn. Bzw. missratenen Vater. In dieser Nummer finden wir vor allem ein Gespräch zwischen…

Gibt es Voraussetzungen dafür, dass für Erwachsene geschriebene Romane zu Kinder- oder Jugendbüchern gemacht werden können? – Versuch einer vorläufigen Antwort, anhand von “Robinson Crusoe”, “Moby-Dick” und “Der letzte Mohikaner”

Robinson Crusoe, Der letzte Mohikaner, Moby-Dick: Sie sind sprichwörtlich geworden, alle drei, wohl weil sie geradezu archetypisch eine Situation darstellen. Und deshalb (und ganz sicher auch, weil Verlag und Bearbeiter sich Profit erhoffen), zu Jugendbüchern umgewandelt worden. Das ist legitim und soll hier nicht weiter diskutiert werden. Ursprünglich wollte ich ja etwas zu James Fennimore…

Luo Guanzhong: Die Geschichte der Drei Reiche

Über 1’330 Seiten Text, über 1’000 namentlich genannte Charaktere (und über 300 Seiten gelehrte Anmerkungen) – dieser chinesische Roman lässt selbst die diesbezüglich viel geschmähten Russen problemlos hinter sich… Und dabei gilt Die Geschichte der Drei Reiche den Chinesen als einer ihrer vier klassischen Romane. Lange stand ich vor der Frage, ob ich hier nun…

Ulf Schiewe: Die Hure Babylon

Die Verleger und Buchhändler kennen sog. “Genres”, nach denen sie ihr aktuelles Angebot sortieren. Das erleichtert ihnen, und dem potenziellen Käufer wohl auch, sich in der Fülle des Angebots zurecht zu finden. Auch wir hier können uns dieser Buchhändlereinteilung nicht ganz entziehen, so ist z.B. “Science Fiction”, eines unserer häufig verwendeten Schlagwörter, im Grunde genommen…

Heidi Rehn: Gold und Stein

Wir haben das ja festgehalten in unseren “allgemeinen Bedingungen”: Wir konzentrieren uns zwar auf klassische Literatur, auf Hochgebirgsliteratur (wenn man so will), auf (alte) Philosophen. Aber:  “Das bedeutet keineswegs Ablehnung zeitgenössischer oder sogar sog. “trivialer” Literatur – im Gegenteil: Das Hauptkriterium ist ein Mindestmaß an Qualität, welche erst die Grundlage für fruchtbare Auseinandersetzungen bietet.” So…